Wie stark Kosten und Gebühren am Ertrag mitnaschen

    24. Februar 2019, 11:18
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    Die Gebührenlandschaft bei Investmentfonds ist vielschichtig. Das Analysehaus Morningstar bringt mit einer Kennzahl Licht ins Dunkel

    Der Erwerb von Fonds ist nicht gratis. Das ist so weit bekannt. Die Fondsgesellschaften sind durch die EU-Richtlinie Mifid-II mittlerweile angewiesen, alle Kosten für ihre Produkte transparent auszuweisen. Denn immer wieder wurde die Verwaltungsgebühr (Management-Fee) als Synonym für die Gesamtkosten verstanden, was zu kurz gegriffen sein konnte. Bei Fonds gibt es, je nach Produkt, diverse Kosten – etwa laufende Gebühren, Performance-Fees, Zielkostenfonds oder auch Transaktionskosten.

    Für Privatanleger ist es nicht leicht, sich durch diese Kosten zu manövrieren und Produkte auf der Kostenebene zu vergleichen. Die Ratingagentur Morningstar hat nun mit Representative Cost eine neue Kennzahl berechnet, die diese Gebühren zusammenfasst – ausgedrückt in Prozent des Fondsvermögens. Diese Kennzahl kann mit oder ohne Transaktionsgebühren ausgewiesen werden und soll es Anlegern erleichtern, sich Überblick zu verschaffen.

    Hohe Kosten in der Praxis

    Doch wie sieht das in der Praxis aus? Morningstar hat große Fonds, die im deutschsprachigen Raum vertrieben werden – Aktienfonds, Mischfonds, Rentenfonds und alternative Fonds sowie passive Produkte -, einer Kostenanalyse unterzogen.

    In Summe zeigte sich, dass mit der Management-Fee längst nicht das Ende der Fahnenstange bei den Fondskosten erreicht ist. So erhebt der größte Fonds in der Morningstar-Auswahl, der defensive Mischfonds "M&G Optimal Income", eine Verwaltungsgebühr von 1,25 Prozent jährlich. Gemäß der erweiterten, gängigen Kostenkennziffer Ongoing Charge (laufende Gebühr) fallen 1,43 Prozent an Kosten in einem Jahr an. Dies entspricht in etwa den von Morningstar errechneten Representative Costs ohne Transaktionsgebühren. Die Representative Costs inklusive Transaktionsgebühren belaufen sich auf 1,54 Prozent. Das ist eine deutliche Steigerung, hält sich aber in Maßen.

    Teurer als zunächst gedacht

    Deutlich sportlicher geht es laut Morningstar beim defensiven Mischfonds "Privat Fonds: Kontrolliert" zu. Dieser Fonds wird von Union Investment aufgelegt – dem Fondshaus des genossenschaftlichen Bankensektors in Deutschland. Der Anbieter erhebt eine marktübliche Management-Fee in der Höhe von 1,20 Prozent. Doch der Fonds ist deutlich teurer, wie der Blick auf die Ongoing Charges zeigt. Diese Jahresgebühr beläuft sich auf 1,94 Prozent. Das liegt vor allem an den Kosten für die Zielfonds, in die der Fonds investiert. Doch das ist nicht das Ende der Fahnenstange. Da in den Ongoing Charges keine Performance-Fee enthalten ist, muss man auch einen Blick auf die Representative Costs werfen, die eine Gesamtkostenquote von 2,59 Prozent ausweisen. Inkludiert sind hier geschätzte Performance-Fees von 0,65 Prozent des Fondsvermögens. Damit ist das Produkt deutlich teurer, als es auf den ersten Blick scheint.

    Auch der Fonds "DWS Concept Kaldemorgen" ist laut der Morningstar-Analyse teurer, als es der Blick auf die Management-Fee vermuten lassen würde. Die Management-Fee beläuft sich auf 1,5 Prozent, die laufenden Kosten liegen bei 1,58 Prozent. Hinzu kommen geschätzt 0,36 Prozent Transaktionskosten sowie 0,76 Prozent (geschätzt) an Performance-Fees. Macht am Ende eine Gebühr von 2,70 Prozent.

    Gebühren hinterfragen

    Wie sieht es bei passiven Fonds aus, die als günstigere Alternative gelten? Da diese weniger oft umschichten und keine Performance-Fee verlangen, lag die angegebene Managementgebühr fast gleichauf mit den Representative Costs.

    Die Analyse zeigt, dass vor allem taktische Fondsstrategien hohe Handelskosten haben. Erhebt ein Fonds Performance-Fees, weist er ein hohes Ertragspotenzial auf – allerdings für die Fondsgesellschaft, hält Morningstar fest. Das Renditepotenzial für Kunden ist entsprechend niedriger.

    Im ebenfalls mit Mifid-II eingeführten Informationsblatt Key-Investor-Document (Kid) müssen die Produktkosten ausgeschildert werden. Diese Basisinfo sollten Kunden sich also genau anschauen und sich einzelne Positionen gegebenenfalls erklären lassen. (Bettina Pfluger, 24.2.2019)

    • Kosten hier, Gebühren da.  Eine Übersicht über die Aufschläge,  die beim Kauf  beim und Halten von Wertpapieren anfallen, zu behalten, ist  oft nicht leicht.  Eine neue Kennzahl soll  hier nun helfen.
      foto: getty images/istockphoto

      Kosten hier, Gebühren da. Eine Übersicht über die Aufschläge, die beim Kauf beim und Halten von Wertpapieren anfallen, zu behalten, ist oft nicht leicht. Eine neue Kennzahl soll hier nun helfen.

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