Youtube im Strudel des Pädophilie-Skandals

    22. Februar 2019, 11:46
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    Zahlreiche große Werber verabschieden sich, Google reagiert mit Löschung von 400 Kanälen und verspricht rigoroses Vorgehen

    Ob Youtube, Facebook oder Instagram: Alle streben sie danach möglichst viele Nutzer auf die eigene Seite zu locken. Und doch würde man auf manche Besucher lieber verzichten. Die Enthüllung, dass Googles Videoplattform von Pädophilen für ihre Machenschaften genutzt wird, bringt das Unternehmen derzeit in Bedrängnis.

    Abgang

    Zahlreiche große Unternehmen haben ihre Werbung komplett von Youtube abgezogen. Dazu zählen etwa Disney, Nestle und der US-Mobilfunker AT&T. Auch Fortnite-Entwickler Epic Games will – zumindest vorerst – nichts mehr mit der Videoplattform zu tun haben.

    Dem war ein Bericht vorangegangen, der zeigte, wie Pädophile den Youtube-Algorithmus austricksten, um sich im Kommentarbereich auszutauschen. Dabei wurden unter anderem – an sich harmlose – Videos von Kindern und Jugendlichen mit sexualisierten Bemerkungen über einzelne Szenen und zu sehende Körperteile versehen. Zum Teil wurden aber auch Links auf echte Kinderpornoseiten geteilt.

    Algorithmus

    Neben dem Versagen bei der Moderation der Kommentare, muss sich Google aber auch den Vorwurf gefallen lassen, dass der Youtube-Algorithmus indirekt bei der Organisation der Pädophilen-Treffen behilflich war. Über einen frischen Account konnte man zum Teil mit gerade einmal fünf Klicks zu solchen Diskussionen gelangen, warf der Youtuber Matt Watson Google vor. Dieser hatte die gesamte Angelegenheit aufgedeckt.

    Da einige der betreffenden Clips mit Werbung versehen waren, verdiente Google indirekt an den unerwünschten Besuchern mit. Die Werber wiederum wollen natürlich nicht in diesem Kontext aktiv sein, was nun den Rückzug der großen Firmen erklärt.

    Reaktion

    Bei Google übt man sich in Schadensbegrenzung und verspricht Besserung. Als ersten Schritt habe man mehr als 400 Kanäle von Youtube gelöscht, von den aus entsprechende Kommentare gepostet wurden. Einige davon habe man auch an die Strafverfolgungsbehörden gemeldet. Zudem seien die Kommentare bei einer zweistelligen Millionenzahl an Videos deaktiviert worden.

    Langfristig aber noch wichtiger: Youtube verspricht die Autosuggest- und die Vorschlagsfunktionen zu überarbeiten. Ähnliches hatte man in der Vergangenheit allerdings immer wieder behauptet, etwa wenn es um verschwörungstheoretische Inhalte geht – mit sehr begrenztem Erfolg.

    Perspektivenwechsel

    Unter Youtubern werden die Ankündigungen von Google durchaus positiv aufgenommen. Zumindest habe das Unternehmen hier nun schnell reagiert, so der Tenor. Trotzdem löst die aktuelle Situation auch Besorgnis aus. Immerhin befürchten viele Youtuber, dass es zu einer neuen "Adpocalypse" kommen könnte, sich also noch mehr Werber zurückziehen könnten. Dies würde sich natürlich äußerst negativ auf die Einnahmen der Betreiber von Youtube-Kanälen auswirken. (red, 22.2.2019)

    • Google und Youtube in der Kritik.
      foto: lucy nicholson / reuters

      Google und Youtube in der Kritik.

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