Die Krisenkolumne: Außen hui, innen pfui

Kolumne24. Februar 2019, 11:18
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Warum man der Politik manchmal misstrauen sollte

Triggerwarnung: Heute lässt der Krisenkolumnist wieder die sardonisch-ironische Sau heraus. Er studiert nämlich seit langem die Juhu-Postings unter den Artikeln im türkis-blauen Hurra-Boulevard und fühlt sich jetzt reif genug, seine Erkenntnisse brühwarm darzulegen.

Die Erkenntnis etwa, dass es tatsächlich Menschen gibt, die ein tiefes Glücksgefühl empfinden, wenn der Austro-Kanzler und der US-Präsident einander in Washington, D.C., die Hände schütteln. Jawohl, es gibt Menschen, die glauben, es sei ein Gunstbeweis des Schicksals, wenn sie des Schauspiels ansichtig werden, wie Trump und Kurz ihre Zifferblätter simultan in die Kamera halten.

Es gibt vielleicht sogar Leute, die in der Illusion schwelgen, die Natur habe im Grand Canyon zur Feier von Kurzens Ankunft in den USA mannshohe rot-weiß-rote Schleimfontänen in die Lüfte gespien. Exquisite Tschapperln, die allen Ernstes glauben, Politiker seien dazu da, um ihnen Gutes zu tun.

Ihnen, den Prekären im Geiste, möchte der Krisenkolumnist einiges zum Nachdenken aufgeben. Gewiss, immer wieder beweisen Politiker, dass sie von schierem Gemeinsinn angetrieben werden – Grasser oder Meischi etwa. Dennoch ist nicht mit Sicherheit auszuschließen, dass auch im Walten von Donald Trump oder Sebastian Kurz ein Gran Selbstgefälligkeit mit im Spiel ist.

Weitere Warnung: Berücksichtigen Sie bei künftigen Polit-Entscheidungen das alte Sprichwort "Außen hui, innen pfui". Trump ist zum Beispiel außen hui: ein bildhübscher Gentleman mit neckischer Haartolle und einem süßen Kussmündchen, aus dem aber dann doch manches dringt, was pfui ist.

Umgekehrt gibt es ein Politikertrio, dessen Äußeres auf Anhieb recht pfui wirkt: Ich rede von den drei blauen Specklächlern Strache, Gudenus und Nepp. Jedes Mal, wenn man die drei auf einem Plakat sieht, ist ein Jägermeister fällig. Dafür aber überraschten sie in ihrer politischen Karriere immer wieder mit neuen, attraktiven, zielstrebigen und ideenreichen Sprüchen. Ausgesprochen hui also, vor allem für alle Angehörigen der Abteilung IQ 80 minus.

Schade übrigens, dass das Treffen von Kurz und Trump nicht am Karfreitag stattgefunden hat. Wär's so gewesen, sie hätten sich gemeinsam den Nachmittag freinehmen können.(Christoph Winder, 24.2.2019)

  • Es gibt tatsächlich Menschen, die ein tiefes Glücksgefühl empfinden, wenn der Austro-Kanzler und der US-Präsident einander in Washington, D.C., die Hände schütteln.
    foto: apa / bundeskanzleramt / dragan tatic

    Es gibt tatsächlich Menschen, die ein tiefes Glücksgefühl empfinden, wenn der Austro-Kanzler und der US-Präsident einander in Washington, D.C., die Hände schütteln.

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