Venezuela wehrt Hilfen via Grenzschließung ab – Brasilien gegen Krieg

    21. Februar 2019, 22:01
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    Selbsternannter Übergangspräsident Guaidó in Caracas aufgebrochen. Wie Hilfsgüter ins Land kommen sollen, ist unklar

    Caracas – Venezuelas selbsternannter Übergangspräsident Juan Guaidó ist mit einem Fahrzeugkonvoi in Richtung der Grenze zu Kolumbien aufgebrochen, um ausländische Hilfslieferungen ins Land zu holen. Gemeinsam mit 80 Oppositionsabgeordneten startete er Donnerstagfrüh in der Hauptstadt Caracas, wie ein Sprecher mitteilte.

    Bis zur Grenze sind es etwa 850 Kilometer. Wie die in Kolumbien gelagerten Hilfsgüter nach Venezuela gelangen sollen, ist unklar. Laut Oppositionskreisen ist geplant, eine Menschenkette über die Grenze zu bilden, in der die Pakete von Hand zu Hand weitergereicht werden.

    "Wir brechen mit leeren Fahrzeugen auf, aber wir werden beladen mit Kisten voller Hilfsgüter zurückkehren!" sagte Oppositionsabgeordnete Delsa Solorzano, die an dem Konvoi teilnahm.

    Grenze zu Brasilien wird geschlossen

    Präsident Nicolás Maduro ließ die Grenze zu Brasilien in der Nacht auf Freitag schließen. "Ich möchte eine offene Grenze ohne Provokationen und Aggressionen, aber als Staatschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte bin ich dazu verpflichtet, die Ruhe und den Frieden sicherzustellen", sagte Maduro. Die Grenze zu Kolumbien hingegen bleibt vorerst nur punktuell für Hilfslieferungen blockiert.

    Brasiliens neue, rechtskonservative Regierung lehnt eine mögliche US-Militärintervention in Venezuela dennoch ab. Vize-Präsident Hamilton Mourao sagte der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag, ein militärisches Vorgehen wäre "verfrüht und würde keinen Sinn ergeben". "Die Venezuela-Frage muss von den Venezolanern gelöst werden."

    In Puerto Ricos Hauptstadt San Juan legte am Mittwoch ein mit 250 Tonnen Hilfsgütern beladener Frachter ab und nahm Kurs auf Venezuela, gaben die örtlichen Behörden bekannt.

    Guaidó stellt Ultimatum

    Die humanitäre Hilfe für Venezuela ist zum Spielball im Machtkampf zwischen Maduro und Guaidó geworden. Der Oppositionsführer und selbsternannte Übergangspräsident hat der Regierung eine Frist bis Samstag gesetzt, um die hauptsächlich von den USA zur Verfügung gestellten Medikamente und Lebensmittel ins Land zu lassen. Die Hilfsgüter sind bisher in Kolumbien blockiert.

    Venezuelas katholische Kirche forderte die Regierung auf, die angebotenen Hilfsgüter anzunehmen. "Das Land braucht humanitäre Hilfe", hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung der venezolanischen Bischofskonferenz.

    Kirche: Soldaten sollen Befehle nicht befolgen

    "Um Hilfe zu bitten und sie anzunehmen, ist kein Vaterlandsverrat, sondern eine moralische Verpflichtung", so die Bischöfe weiter. "Wir laden die Streitkräfte dazu ein, sich auf die Seite des Volkes zu stellen", hieß es in der Stellungnahme der Bischofskonferenz. "Sie sollten keine Befehle befolgen, die sich gegen das Leben und die Sicherheit der Bevölkerung richten

    Maduro weigert sich, US-Hilfen anzunehmen. Er sieht diese als Vorwand und Täuschungsmanöver, um den Boden für eine US-geführte Militärintervention zu bereiten. Maduros Regierung hatte das Militär angewiesen, den Grenzschutz zu verstärken.

    Air France streicht Caracas-Flüge

    Air France hat mehrere Verbindungen in die venezolanische Hauptstadt Caracas gestrichen. Aus Sicherheitsgründen seien "bestimmte" Flüge nach Caracas bis mindestens kommenden Montag abgesagt, sagte eine Sprecherin der Fluggesellschaft am Mittwochabend. Betroffen seien unter anderem die Direktverbindungen von und nach Paris. (red, APA, AFP, 2.12.2019)

    • Juan Guaidós Konvoi beim Aufbruch in Caracas.
      foto: reuters/carlos garcia

      Juan Guaidós Konvoi beim Aufbruch in Caracas.

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