Schweizer Strahlenschutzgesetz bremst Ausbau von 5G-Mobilfunk

    21. Februar 2019, 15:41
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    Sunrise startet am Land – Swisscom arbeitet an punktueller Versorgung

    Sunrise macht Druck beim 5G-Ausbau. Bis Ende März bringt der Schweizer Telekomanbieter die neueste Mobilfunkgeneration in 150 Städte und Orte. Dabei hat sich Sunrise auf die Fahne geschrieben, mit 5G den digitalen Graben zwischen den Ballungszentren und den ländlichen Gebieten zu schließen.

    Sunrise-Chef Olaf Swantee spricht von "Glasfaser durch die Luft". Haushalte und Firmen, die über keinen direkten Glasfaseranschluss verfügen, sollen über 5G Zugang zum Hochgeschwindigkeitsinternet erhalten. Der Plan von Sunrise hat auch ganz praktische Gründe.

    90 Prozent ausgelastet

    Denn in den suburbanen und ländlichen Regionen hat Sunrise noch freie Kapazitäten auf den Antennen – ganz im Gegensatz zu den Städten. "In den großen Städten sind bei vielen Standorten die Kapazitäten schon zu 90 Prozent ausgelastet. Wir können kaum noch ausbauen", sagte Swantee am Donnerstag nach der Bekanntgabe der Ausbaupläne zur Nachrichtenagentur AWP.

    Das hat mit der Schweizerischen Strahlenschutzverordnung zu tun: Die heute geltenden Grenzwerte lassen eine intensivere Nutzung der Antennen nicht zu. Der Versuch der Telekomfirmen, den Gesetzgeber zu einer Erhöhung der Grenzwerte zu veranlassen, war im letzten Frühjahr gescheitert. Neue Standorte wiederum kosten viel Zeit und Geld, weil es oftmals auch Widerstand gegen den Bau neuer Antennen gibt.

    Zürich, Basel oder Genf

    Größere Städte verfügen zwar meist über eine bessere Versorgung durch die schnellen Glaskabel-Datenleitungen. Allerdings nutzen auch deutlich mehr Menschen die Netze, was besonders bei den Mobilfunknetzen auf das Tempo drücken kann. Am Plan, auch größere Städte wie Zürich, Basel oder Genf auf 5G aufzurüsten, hält Sunrise aber grundsätzlich fest.

    Auch die Swisscom weist daraufhin, dass es eine Vielzahl neuer Antennenstandorte brauche, die schwierig zu finden seien. Wie stark sich deswegen die flächendeckende Einführung von 5G in der Schweiz verzögere, sei schwierig abzuschätzen, sagte ein Sprecher. Gleichzeitig könne das Potenzial von 5G nicht effizient genutzt werden, da notwendige Sendeleistung nicht zur Verfügung stehe.

    Die Swisscom will bis Ende Jahr 60 Städte und Gemeinden punktuell mit 5G versorgen. Die breite 5G-Erfahrung etwa durch einen Pilotversuch mit Industriepartner Ypsomed sowie die Lieferung erster 5G-Hard- und Software von Netzwerkausrüster Ericsson erlaube es, sobald als möglich 5G auf ihrem Mobilfunknetz einzuführen. Nötig dafür sei aber noch die Freigabe durch das Schweizer Bundesamt für Kommunikation (Bakom). Salt plant weiterhin, die 5G-Technologie im dritten Quartal einzuführen. Weitere Angaben macht das Unternehmen aber nicht. (APA, 21.2. 2019)

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      foto: apa
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