"Kein anderer wird Millionär, wenn ein Reicher höhere Steuern zahlt"

Video20. Februar 2019, 21:48
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Agenda Austria-Chef Franz Schellhorn und SJ-Chefin Julia Herr stritten darüber, wie viel Steuern Reiche in Österreich zahlen sollen

Wien – Es war ein harter Schlagabtausch der Argumente: Wie viel Steuern sollen Reiche in Österreich zahlen? Über diese Frage stritten Franz Schellhorn, der Chef des wirtschaftsliberalen Thinktanks Agenda Austria, und Julia Herr, die Chefin der Jungen Sozialisten, am Mittwochabend im Livegespräch im STANDARD-Studio.

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Die Livediskussion zum Nachsehen. Wie auch bei vergangenen STANDARD-Livegesprächen konnten die User direkt während der Debatte Fragen stellen.

Herr hatte erst in der vergangenen Woche gefordert, den Spitzensteuersatz für Einkommensmillionäre in Österreich von 55 auf 70 Prozent anzuheben. Und: Im Gegensatz zu ihrer Parteichefin Pamela Rendi-Wagner pocht sie explizit auch auf die Einführung einer Vermögens- und Erbschaftssteuer.

"Die Diskussion wird schnell in die Richtung gedreht: Die bösen Linken wollen den Reichen etwas wegnehmen. Um das geht es überhaupt nicht", sagte Herr im Livegespräch. Vermögende, die meist reich geworden seien, weil sie "in der Geburtslotterie" gewonnen hätten, sollten aber wie Arbeitnehmer einen "fairen Beitrag" leisten. Das Geld werde für Schulen und Kindergärten gebraucht. "Der Sozialstaat ist das Kapital des kleinen Mannes", so Herr.

Schellhorn konterte. Auch er sagte zwar, dass "die Vermögensungleichheit in Österreich derzeit ein Thema ist". Aber wer gegen Armut und fehlende Perspektiven kämpfen wolle, könne das nicht mit einer höheren Besteuerung der Vermögenden tun. "Niemand wird Millionär, weil ein Reicher höhere Steuern zahlt", sagte Schellhorn.

Er forderte stattdessen Maßnahmen, um den Vermögensaufbau in Österreich zu forcieren. Seine Forderungen: Sozialversicherungsbeiträge senken, weil diese schon Niedrigverdiener stark belasten. Die automatischen Steuererhöhungen (die sogenannte kalte Progression) gehörten endlich abgeschafft. Die SPÖ habe es jahrelang verabsäumt, bei diesen Punkten etwas umzusetzen, obwohl genau das der breiten Masse helfen würde.

Schellhorn sagte zudem, dass andere Länder innerhalb der OECD Vermögenssteuern eher abschaffen als neu einführen würden. Herr konterte, dass zunehmende Vermögenskonzentration zu einer Machtkonzentration führe, "was schädlich für die Demokratie ist". Und sie bekannte: "Ich bin ein großer Fan der Erbschaftssteuer." (András Szigetvari, 20.2.2019)

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