Serben fürchten sich vor Grenze

    21. Februar 2019, 07:44
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    In den Enklaven im Süden fühlt man sich verlassen

    Gorazdevac/Gracanica – Auf dem Hauptplatz steht ein weißes, rechteckiges Plastikzelt, dahinter ein blauer, vergilbter Gipsbrunnen und ein Krankenwagen mit serbischem Nummernschild. Ein paar Leute sind zu der gelben Kirche unterwegs, die auf einer Anhöhe außerhalb des Dorfes steht. "Wir haben keine Arbeit hier", erzählt der 24-jährige Goran S. Er hat in Mitrovica Recht studiert, aber hier in seinem Heimatdorf Goraždevac im Westen des Kosovo, einer serbischen Enklave mit vielleicht 900 Einwohnern, gibt es kaum Perspektiven. Mitrovica ist für alle Serben im Kosovo wichtig, denn dort wird ihre Sprache gesprochen, dort befindet sich die einzige serbische Hochschule und ein Krankenhaus mit serbischem Personal. Mitrovica ist das Tor zu Serbien.

    Die Serben im Südkosovo fürchten deshalb ein Abkommen, bei dem der nördliche Teil des Kosovo zu Serbien kommt, denn dann wären sie durch die neue Grenze abgeschnitten. "Dann wäre alles noch schlechter", sagt Goran S. Genau dasselbe sagen auch die beiden Mittelschüler, die auf der Bank vor dem Basketballplatz hinter der Schule sitzen.

    Die unabhängige serbische Politikerin Rada Trajkovic aus Gracanica in der Nähe der kosovarischen Hauptstadt Prishtina prognostiziert, dass die Serben in den Enklaven im Kosovo das Land verlassen werden, wenn es zur Grenzänderung kommt. "Und die Albaner würden dadurch nicht motiviert werden, gesetzeskonform zu agieren." Die serbischen Klöster im Kosovo würden zu Museen werden, und die christliche Bevölkerung im Kosovo könne nicht mehr existieren. In Gracanica seien die Leute bereits unruhig und wollten teilweise sogar ihre Häuser verkaufen. "Deswegen möchte ich die internationale Gemeinschaft bitten, diese Geschichte zu beenden und die Diskussion um den Gebietsaustausch zu stoppen."

    Zusammenleben möglich

    Trajkovic ruft auch die Albaner im Kosovo auf, Signale gegen den Gebietstausch nach ethnischen Kriterien auszusenden und zu demonstrieren, dass ein Zusammenleben der Volksgruppen möglich ist. "Das muss viel stärker von der albanischen Mehrheit kommen." Trajkovic kritisiert, dass der Verhandlungsprozess in Serbien hinter verschlossenen Türen und ohne das Parlament vor sich geht. Durch die fehlende Transparenz entstünden Gerüchte und Verunsicherung. Im Kosovo sei dies den Herrschenden nicht so gelungen, weil die Medien im Kosovo freier seien als in Serbien, sagt sie. (awö, 21.2.2019)

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