Thomas Schäfer-Elmayer: "Im Zweifel eher Frack"

    Interview21. Februar 2019, 08:33
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    Wie bringt man Ballmuffel auf die Tanzfläche? Wie verhält man sich bei einem Korb nach einer Aufforderung zum Tanz? Dies und mehr fragten wir Oberauskenner Thomas Schäfer-Elmayer

    STANDARD: Welchen Rat geben Sie jemandem, der gern auf Bälle geht, dessen Partner aber ein Ballmuffel ist?

    Thomas Schäfer-Elmayer: Ballmuffel zu überzeugen bedarf sehr viel Einfühlungsvermögens und ist von ganz unterschiedlichen Faktoren abhängig. Bälle sind Feste, bei denen man das Ambiente genießt. Dass die Gäste festlich gekleidet und gestimmt sind, dass wunderbare Tanzorchester beliebte Musik spielen, dass man viele Leute wieder oder zum ersten Mal trifft sind nur einige der zahlreichen Argumente, die davon überzeugen sollten, dass es sich lohnt, einen Ball zu besuchen.

    STANDARD: Wenn das alles nichts nützt?

    Schäfer-Elmayer: Dann gehen Sie ohne Ihren Partner, am besten mit einer Gruppe oder einer Bekannten. Schließen Sie sich einfach Leuten an, die auf Ihren Lieblingsball gehen.

    STANDARD: Besuchen Frauen Bälle lieber als Männer?

    Schäfer-Elmayer: Das scheint der Fall zu sein.

    STANDARD: Warum?

    Schäfer-Elmayer: Frauen wissen das Festliche mehr zu schätzen. Es bereitet ihnen mehr Vergnügen, sich festlich zu kleiden und "schön zu machen". Auch genießen sie die Atmosphäre der Bälle mehr.

    STANDARD: Wie haben sich die Bälle im Vergleich zu früher verändert?

    Schäfer-Elmayer: Die meisten Bälle werden heute mit sehr viel mehr Aufwand gestaltet. Show und Unterhaltung gewinnen an Bedeutung. Die Gäste, die die großen Wiener Bälle besuchen, kleiden sich immer eleganter. Man sieht heute erheblich öfter Herren im Frack als dies früher der Fall war.

    STANDARD: Apropos, Frack oder Smoking? Wie entscheidet man sich richtig?

    Schäfer-Elmayer: Im Zweifel eher Frack – es sei denn, die Veranstalter tragen nur Smoking.

    STANDARD: Gibt es so etwas wie das perfekte Ball-Outfit?

    Schäfer-Elmayer: Perfekt ist es, wenn man sich darin wohl fühlt und es die Anforderungen der Veranstalter erfüllt.

    STANDARD: Was sind die größten Faux-pas, die Menschen auf Bällen begehen?

    Schäfer-Elmayer: Gepflegte Manieren sind auf einer festlichen Veranstaltung immer sehr gefragt. Das beginnt beim Grüßen, Begrüßen und Vorstellen und reicht bis zu den Tischsitten. Achtsamer, höflicher Umgang miteinander gehören dazu. Vor allem schlechte Laune, Gereiztheit und andere Unhöflichkeiten sind nicht angebracht und absolut unpassend. Der Dresscode des Veranstalters muss beachtet werden. Die Kleidung trägt besonders zur Atmosphäre eines Festes bei. Underdressed zu erscheinen oder sich im Verlauf des Balles des Sakkos oder Mascherls zu entledigen geht gar nicht. Eine Unart ist auch das Mitnehmen aller Arten von Dekoration, zum Beispiel von Pflanzen.

    STANDARD: Das machen Menschen?

    Schäfer-Elmayer: So unglaublich es klingt: Diese rücksichtslose Unart ist "modern" geworden.

    STANDARD: Was war Ihr größter Fauxpas?

    Schäfer-Elmayer: Leider passieren mir immer wieder Fehler. In der Hektik und aufgrund des Schlafmangels, der unserem Engagements in der Ballsaison geschuldet ist fallen mir oft Namen nicht ein, was sehr schade ist.

    STANDARD: Wie fordert ein Mann heute eine Frau korrekt zum Tanzen auf?

    Schäfer-Elmayer: "Darf ich um den nächsten Tanz bitten?"

    STANDARD: Und umgekehrt?

    Schäfer-Elmayer: Ebenso.

    STANDARD: Gehört es sich, einen fremden Ballbesucher, Ballbesucherin zum Tanz aufzufordern? Wenn ja, wie stellt man es an?

    Schäfer-Elmayer: Leider ist dies heute sehr selten geworden. Zuerst grüßt man freundlich, stellt sich vor und stellt dann dieselbe Frage wie zuvor erwähnt.

    STANDARD: Was halten Sie von Tanzverweigerung?

    Schäfer-Elmayer: Leute, die im Dienst sind – Musiker, Kellner, Security, Tanzlehrer und so weiter – haben keine Zeit zu tanzen und müssen deshalb ablehnen. Andere Ballbesucher sollten sich über die Aufforderung zum Tanz freuen, sich trauen und nie verweigern zu tanzen. Wer einen Korb bekommt, sollte sich höflich zurückziehen. Jede Ablehnung ist augenblicklich und kommentarlos zu akzeptieren.

    STANDARD: Wie sagt man jemanden am charmantesten, dass man nicht tanzen möchte?

    Schäfer-Elmayer: "Vielen Dank, das ist sehr nett – aber ich möchte nicht." Das muss genügen. Es gehört sich nicht, zu insistieren.

    STANDARD: Welche ist Ihre schönste Ball-Erinnerung?

    Schäfer-Elmayer: Mein 59. Geburtstag beim Opernball, als ich völlig davon überrascht wurde, dass ich um Mitternacht vom Orchester und vielen der Ballgäste mit "Happy Birthday to you" gefeiert wurde und Frau Gürtler mir eine überdimensionale Sachertorte überreichte.

    STANDARD: Auf wie vielen Bällen waren Sie bisher?

    Schäfer-Elmayer: In den letzten 32 Jahren werden es wohl etwa 500 gewesen sein. (Michael Hausenblas, 21.2.2019)

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    Anna Netrebko singt bei Opernball-Eröffnung

    Thomas Schäfer-Elmayer leitet in der dritten Generation die Tanzschule Elmayer, die sein Großvater Willy Elmayer-Vestenbrugg 1919 gegründet hat.

    • In Sachen Benehmen eine Koryphäe: Thomas Schäfer-Elmayer, der in dritter Generation die Tanzschule Elmayer leitet.
      foto: tanzschule elmayer

      In Sachen Benehmen eine Koryphäe: Thomas Schäfer-Elmayer, der in dritter Generation die Tanzschule Elmayer leitet.

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