Telekom lässt für Huawei eine Tür offen

    19. Februar 2019, 17:54
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    Thomas Arnoldner, Chef der Telekom Austria, will Huawei bei 5G nicht ausschließen. Der Mitarbeiterabbau bei der Telekom geht weiter

    Wie die deutsche Regierung lässt sich auch Telekom-Austria-Chef Thomas Arnoldner offen, ob der chinesische Netzwerkausrüster Huawei beim Ausbau der neuen Mobilfunktechnologie zum Zug kommt. Die Frage stelle sich derzeit noch nicht, die Vergabe sei noch nicht entschieden. Außerdem setze A1 seit längerem auf Nokia. Mit dem finnischen Anbieter mache man bereits Tests, lerne mit der neuen Technologie.

    Grundsätzlich werde die Diskussion über den Einsatz chinesischer Technologie verkürzt geführt, die Dimension reiche vom Datentransport bis hin zur Cloud, also der drahtlosen Speicherung. "Geopolitisch ist nicht gleich technisch", betonte Arnoldner, der lang in Diensten des französischen Netzwerkausrüsters Alcatel-Lucent stand, im Klub der Wirtschaftspublizisten. Um nicht in totale Abhängigkeit von den weltweit vier großen Herstellern – Nokia, Ericsson, Huawei und ZTE zu geraten, brauche es einen Mix.

    Enge Verbindungen

    Hintergrund ist der von den USA betriebene Ausschluss von Huawei. Darüber wird nicht nur in Europa intensiv diskutiert. Westliche Geheimdienste werfen Huawei zu enge Verbindungen zur Regierung in Peking vor und sehen Ausrüstung oder Handys als Tor für Spionage. Huawei könne so an Staats- und Firmengeheimnisse gelangen oder kritische Infrastruktur lahmlegen. Das Unternehmen weist dies zurück, Beweise für Gesetzesverstöße oder Spionage gibt es bisher nicht. Huawei-Deutschland-Chef Dennis Zuo betonte im Handelsblatt, sein Unternehmen liefere keine Daten nach China. "Wir werden dies niemals tun", stieß Huawei-Gründer Ren Zhengfei im CBS-Interview ins gleiche Horn.

    Trotzdem wurde der weltgrößte Netzwerkausrüster nicht nur in den USA nahezu kaltgestellt, auch Australien und Neuseeland wollen Huawei vom 5G-Ausbau ausschließen. Nicht so Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ), er hat sich bereits gegen einen grundsätzlichen Ausschluss ausgesprochen. Arnoldner verweist auf kommerzielle und technische Aspekte und Verlässlichkeit.

    Heilige Kundendaten

    Seine anfänglichen Aussagen über das Sammeln von Daten relativiert Arnoldner: "Die Daten unserer Kunden sind uns heilig – das sage ich durchaus auch tagesaktuell", sagte er – ohne die Post zu nennen: "Personalisierte, individualisierte Daten unserer Kunden zu verkaufen ist nicht unser Geschäftsmodell."

    Gegen Datenriesen wie Google und Amazon will die TA mit Regionalität punkten: Man speichere die Daten in Europa, "nicht sonst wo", bevorzugt in Wien-Floridsdorf, wo die TA das größte Rechenzentrum Österreichs betreibe. Auch gebe es konkurrenzfähige europäische Clouds. Kundendaten würden nur analysiert, "wo die Anonymität gewährleistet ist". Als Beispiel nannte er Frequenzanalysen von Geschäftslokalen (Footfall-Analysen) anhand von Passantenströmen oder Passagierzahlen von Zügen.

    Weniger Schulden

    Mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr zeigte er sich operativ zufrieden. Der Gewinneinbruch um 30 Prozent sei auf Einmaleffekte wie Firmenwertabschreibungen im Zuge des Markenwechsels in allen sechs Auslandsmärkten und Währungseffekte (in Weißrussland zurückzuführen. Operativ sei die TA gut unterwegs. Die Verschuldung wurde erneut gesenkt, der eigenkapitalwirksame 600-Millionen-Euro-Hybridbond zurückgezahlt und umgeschuldet, die Zinslast reduziert.

    Auf sich warten lässt freilich die von Mehrheitseigentümer América Móvil versprochene Expansion von Wien aus. "Wir wachsen organisch in Richtung Serviceprovider und kaufen nicht um der Zukäufe willen", kontert Arnoldner.

    Beim Personalabbau will die TA einen Zahn zulegen, vor allem in Bereichen ohne Wachstum wie Festnetztelefonie. Wie berichtet, gibt die TA für Restrukturierung, also Sozialpläne und Vorruhestände pro Jahr an die hundert Millionen Euro aus. (ung, dpa, 19.2.2019)

    Der Artikel wurde aktualisiert.

    • Ein hoher zweistelliger Euro-Millionenbetrag soll für den Jobabbau in die Hand genommen werden.
      foto: apa

      Ein hoher zweistelliger Euro-Millionenbetrag soll für den Jobabbau in die Hand genommen werden.

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