Bob Mould hat Frieden mit sich geschlossen und zieht sonnige Saiten auf

    20. Februar 2019, 11:53
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    Glücklich altern oder verbittern? Der US-Musiker (Hüsker Dü, Sugar) beantwortet die Frage für sich mit dem Album "Sunshine Rock"

    Er hadert. Zwar bemüht er sich, aber das eigene Wesen schüttelt man nicht ab, geht nicht. Bob Mould nennt sein neues Album Sunshine Rock. Das klingt lebensbejahend, und das ist es auch. Gleichzeitig tauchen in den Songtitel Wörter wie "Poison" auf, Gift, singt er von verlorenem Glauben, Lost Faith. Dieses irrationale Gift, noch ein Songtitel, hängt an ihm wie ein Schatten.

    Aus dieser Ausgangslage heraus hat er Ende der 1970er-Jahre das Trio Hüsker Dü gegründet. Zorn und Wahnsinn, gespeist von Speed, Alkohol und Geschwindigkeitsübertretung am Griffbrett beförderten die Band ins Zentrum einer Underground-Szene, aus der Jahre später Alternative Rock entstand. Der heute 58-jährige Mould wird als einer der Gründerväter des Fachs betrachtet. Mould war der schattseitige Teil von Hüsker Dü: Schwul, süchtig, sich selbst zerfleischend.

    Den Rest des Lebens

    Von dem hat er sich nach dem Ende von Hüsker Dü Stück um Stück entfernt, Frieden mit sich und seiner Vergangenheit geschlossen. Er hat eine viel beachtete Autobiografie geschrieben und ist 2017 nach Berlin übersiedelt. Die Eltern waren zuvor gestorben, Trump Präsident geworden, der Herzbube in Berlin, also verließ er San Francisco. In Berlin meditierte er darüber, wie er den Rest seines Lebens verbringen würde und entschied sich für den Optimismus, für Sunshine Rock.

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    Sunshine Rock – der Titelsong von Bob Moulds zwölftem Soloalbum.

    Sein zwölftes Studioalbum unter eigenem Namen bemüht sich also um Good Vibes, und es funktioniert. Zwar gibt es gemessen am Zustand der Welt einiges, was ihn nach unten zieht, doch dem stellt er sich mit seiner lärmenden Gitarre, und einem seit 40 Jahren geübten Zornidiom. Dahinter steckt der etwas aus der Mode gekommene Gedanke, man könne mit Musik jemanden abseits einer rein akustischen Wahrnehmung erreichen.

    Ergrauter Bär

    Darüber befindet aber letztlich der Empfänger, Moulds Signale sind jedenfalls bestens empfangbar, seine Gitarre auf Anschlag gedreht. Egal ob es der hoffnungsfrohe Titelsong ist oder das von Streichern auffrisierte Western Sunset. Lieder wie Lost Faith lassen etwas durchatmen, den Uptempo-Bereich verlässt der ergraute Bär aber kaum; es ist sein angestammtes Biotop.

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    Bob Mould mit 18-köpfigem Orchester. Geht sich aus.

    An seiner Seite stehen Jason Narducy (Bass)_und John Wurster an der Bude; die beiden bilden seit Jahren die Stammbesetzung seiner Band. Eine Rarität weist Sunshine Rock auf: eine Coverversion von Send Me A Postcard. Das Original stammt von der niederländischen Band Shocking Blue. Was Mould daraus macht, hätte auf jede späte Hüsker-Dü-Platte gepasst. Man mag den Song dahingehend deuten, dass ein fortschreitendes Leben das Verlangen begleitet, mit manchen Menschen von früher in Kontakt zu bleiben.

    Das Leben leben

    Mould spricht nach eigenen Angaben kein Deutsch, da kann man sich in Berlin trotz internationalem Alltagsgewese in Prenzlauer Berg ein wenig isoliert fühlen. Dem hält er aber gleich selbst einen Song entgegen: Camp Sunshine. Eine Akustikballade, die Freundschaft und Musik als deren Klebstoff besingt. Ansonsten macht er, was man halt so macht: Das Nachtleben genießen, etwas Sport gegen das Hüftgold, das Leben leben, unter Berlins langen Wintern leiden, touren (natürlich nicht in Österreich).

    Solange dabei solche Alben abfallen, ist alles gut. (Karl Fluch, 20.2.2019)

    • Jason Narducy, Bob Mould und John Wurster haben sich für das Licht entschieden: "See a little Light", wenn‘s leicht geht.
      foto: alicia j. rose

      Jason Narducy, Bob Mould und John Wurster haben sich für das Licht entschieden: "See a little Light", wenn‘s leicht geht.

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