Designer Alessandro Mendini gestorben

19. Februar 2019, 10:49
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Einer der letzten Grandseigneurs der Designwelt starb 87-jährig in Mailand

Alessandro Mendini hatte seinen fixen Platz in der Tafelrunde der Designer. Sein Stuhl ist nun frei geworden. Der Designer, Architekt, Autor und Theoretiker ist am 18. Februar mit 87 Jahren in seiner Heimatstadt Mailand gestorben. Mendini war einer der letzten Dinosaurier der Designwelt. Er gestaltete für Cartier, Alessi und Swatch ebenso wie für Fiat, Fiorucci oder Magis.

Seine wohl berühmteste Ikone ist der Sessel "Proust", ein Barockfauteuil, das er 1978 neu interpretierte. "Re Design" nannte das der kleine, zerbrechlich wirkende Mann mit der Aura eines Sirs. Zu seinen berühmtesten Architekturentwürfen gehören der Paradise Tower in Hiroshima und das Groningen-Museum in den Niederlanden, bei dem er neben Frank Stella, Philippe Starck und Michele De Lucchi als Co-Architekt engagiert war.

foto: photo by leonardo cendamo/getty images
Alessandro Mendini, einer der letzten großen Dinosaurier der Designwelt, starb 87-jährig in Mailand.

Mendini, der Architektur am Polytechnikum Mailand studierte und 1979 unter anderem zum Partner von Ettore Sottsass wurde, war neben seiner Tätigkeit als Entwerfer auch Chefredakteur verschiedener Zeitschriften sowie Herausgeber des Magazin "Domus". Mendini, der gut Deutsch sprach, meinte in einem Interview mit dem STANDARD: "Ich glaube, Menschen versuchen immer, ein Alphabet, eine Sprache zu finden. Ein Objekt kann man sehen und benützen, man muss es aber auch lesen können, so wie ein Bild. Objekte müssen literarisches Leben ausdrücken."

Zu lesen gab es bei Mendini viel, vom berühmten Korkenzieher "Anna G." von Alessi, dem er die Form eines Frauenkörpers verlieh, bis hin zum Beistelltisch "Sirfo" von Zanotta, dessen Tischgestell die Gestalt einer Gans annimmt. Was manche als zu verspielt und infantil abtaten, stieg bei anderen zu Ikonen auf.

foto: hersteller
Beistelltisch "Sirfo" von Zanotta.
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Korkenzieher "Anna G." von Alessi.

Dem Designer, der auch Teil der legendären "Memphis"-Gruppe war, ging es bei seinen Entwürfen vor allem um eine Beziehung, die der Benützer mit einem Objekt eingehen sollte. Mendini wollte, dass seine Objekte etwas sagen, mitunter stellte er diese Mitteilungsfreudigkeit wie sein Kollege Philippe Starck über den eigentlichen Zweck. In einem Manifest schrieb er: "Ersinne das Objekt nach seinem Erscheinungsbild und nicht nach seiner Funktion." Möge die Person, die seinen Platz in der Tafelrunde einnehmen wird, daran denken. Gerade in Zeiten, in denen das Design dazu neigt, auf das Augenzwinkern zu vergessen. (maik, 19.2.2019)


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Tisch "Macaone" von Zanotta aus dem Jahr 1985.
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Fauteuil "Proust Geometrica" von Cappellini.

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Alessandor Mendini im Interview: "Mein Sessel ist ein Roman"

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