Tausendundein Einzelfall

Einserkastl17. Februar 2019, 19:48
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Der nächste Einzelfall kommt bestimmt. Der Kanzler wird noch Gelegenheit erhalten, etwas dazu zu sagen

Man ist ja schon einiges gewohnt. Das Herz vernarbt vor sich hin, und die Ohren reagieren nicht mehr so empfindsam.

Das Auge gewöhnt sich an Beiträge, die vor ein paar Jahren noch zu Schmerz- und Wutgeschrei geführt hätten, die Schultern heben und senken sich etwas hilflos, und der verführerische Gedanke versucht sich zu manifestieren: "Ach was. Sei's drum. Da rabaukt halt wieder einer. Ist ja schon fast alltäglich und normal, dass da einer rabaukt."

Das ist der gefährlichste Moment überhaupt. Das ist, auf was die Zündelei abzielt. Auf die Ermattung. Auf das Sichfügen. Das, was Ausnahme bedeutet, wird alltäglich.

Wenn aber beispielsweise der freiheitliche Klubobmann Johann Gudenus wieder zündelt und sein Spin tagelang durch die Medien geistert, der später von Fachleuten wieder entkräftet werden muss, dann darf man sich eben nicht daran gewöhnen.

Nein, die Krätze ist nicht durch Flüchtlinge eingeschleppt worden. Ja, diese Aussage gehört juristisch näher untersucht. Nein, so sollte sich ein Politiker mit Verantwortung nicht gebärden.

Wir haben bald den 1.001. Einzelfall, es ist wirklich märchenhaft. Der nächste Einzelfall kommt übrigens bestimmt, und der Bundeskanzler wird noch reichlich Gelegenheit erhalten, sich vielleicht doch als verantwortungsvoller zu erweisen als sein Koalitionspartner – und etwas dazu zu sagen. (Julya Rabinowich, 17.2.2019)

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