Alter weißer Männersport: Probleme der Skifahrt sind hausgemacht

Kommentar17. Februar 2019, 19:08
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Im und für den Skisport bringen die alten Männer wenig weiter. Sie sollten die Reißleine ziehen, damit ihnen allzu üble Nachrede erspart bleibt

Es ist nicht alles Blech, was nicht glänzt. Mag sein, die 45. Alpine Ski-WM, die am Sonntag in Åre beendet wurde, geht nicht als tollste aller Zeiten in die Geschichte ein. Die übelste war sie bei weitem nicht. Die Schweden waren freundliche Gastgeber, das Programm konnte weitgehend durchgezogen werden. Probleme mit der Witterung haben einer Ski-WM nicht zum ersten Mal zu schaffen gemacht, siehe etwa 1993 (Morioka) oder 2001 (St. Anton). Wer moniert, dass um diese Jahreszeit in Mitteleuropa stabilere Bedingungen herrschen, sei daran erinnert, dass noch am Wochenende vor der WM eine Abfahrt und ein Riesenslalom in Garmisch-Partenkirchen abgesagt wurden.

Die Österreicher, wenn man schon kurz auch diese Brille aufsetzen will, haben – trotz des von Marcel Hirscher angeführten Dreifachtriumphs im Slalom – etwas weniger gewonnen als erhofft. Aber so wenig dann auch wieder nicht. Österreichs Damen hatten vor der WM mit einer Verletzungsserie und bei der WM mit drei vierten Plätzen Pech. Blechserie, so what?

Für die Probleme des alpinen Skisports, die sich speziell bei Großevents zeigen, kann Åre und können Österreichs Skifahrerinnen und Skifahrer nichts. Sportlich wertlose und uninteressante Bewerbe hätten jeder WM wo auch immer zu schaffen gemacht. Seit gefühlten Jahrzehnten steht die Kombination zur Disposition. Die Verantwortlichen, sprich die Funktionäre des Weltverbands Fis, haben es geschafft, sie in die Bedeutungslosigkeit zu holen. Ihr Unterhaltungswert geht gegen null, keine Spur von Dramatik. Mittendrin steht fest, wer Gold gewonnen hat, dann rinnt der Event zäh aus. Der Teambewerb kann nicht viel mehr, die Besten machen einen Bogen darum. Nur um auch bei Olympischen Spielen zusätzliche Medaillen vergeben zu können, halten die Funktionäre der Fis bei der WM daran fest.

Nur vier Präsidenten

Seit 1924 gibt es die Fis. In diesen 95 Jahren ist sie mit vier Präsidenten ausgekommen. Der Schwede Ivar Holmquist wurde 1934 vom Norweger Nikolai Ramm Østgaard abgelöst, dem 1951 der Schweizer Marc Hodler folgte, der 1998 an seinen Landsmann Gian Franco Kasper übergab.

Der 75-jährige Kasper hat der WM in Schweden insofern seinen Stempel aufgedrückt, als er den Klimawandel in Zweifel zog und erklärte: "Vom Geschäftlichen her sage ich: Ich will nur noch in Diktaturen gehen, ich will mich nicht mit Umweltschützern herumstreiten." Vor Jahren war Kasper gegen das Damen-Skispringen aufgetreten mit der Ansicht, es könnte Skispringerinnen bei der Landung "die Gebärmutter zerreißen".

Kasper hat vier Vizepräsidenten, im Fis-Vorstand sitzen zwölf Männer und keine Frau. Vorstandsmitglied seit 2005 (mit zweijähriger Pause) ist Peter Schröcksnadel (77). Der ÖSV-Präsident betont oft, wie schwierig es sei, einen Nachfolger zu finden, und sagt von sich selbst, er sei "der Jüngste im ÖSV". Da meint Schröcksnadel seine Einstellung, seine Ansichten, und angesichts der betagten Männer, die ihm im ÖSV zur Seite stehen, ist es sogar gut möglich, dass er richtig liegt – was allerdings weniger für ihn als gegen den ÖSV sprechen würde.

Im und für den Skisport bringen die alten Männer wenig weiter. Sie sollten die Reißleine ziehen, damit ihnen allzu üble Nachrede erspart bleibt. Bis dahin hat zu gelten: Schweigen ist Silber, Reden ist Blech. Gold wäre die Modernisierung des Skisports, doch Gold liegt außer Reichweite. (Fritz Neumann, 18.2.2019)

  • Fis-Präsident Gian Franco Kasper eröffnet die Ski-WM 2019 in Åre.
    foto: apa/johann groder

    Fis-Präsident Gian Franco Kasper eröffnet die Ski-WM 2019 in Åre.

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