Frankreich ermittelt gegen Papst-Botschafter wegen "sexueller Aggression"

    15. Februar 2019, 18:13
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    Die französische Justiz ermittelt gegen den päpstlichen Botschafter in Paris, der junge Beamte sexuell belästigt haben soll. Der Fall hat diplomatische Implikationen

    Paris – Dem apostolischen Nuntius Luigi Ventura wird vorgeworfen, bei offiziellen Empfängen Männer sexuell belästigt zu haben. Laut der Zeitung "Le Monde" hat die Pariser Staatsanwaltschaft gegen ihn Ende Jänner Vorermittlungen wegen "sexueller Aggression" eröffnet.

    Der 74-jährige Italiener vertritt den Vatikan seit 2009 in Paris. Mitte Jänner befand er sich anlässlich der Neujahrswünsche der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo unter den geladenen Gästen. Dabei soll er sich einem etwa dreißigjährigen Angestellten der außenpolitischen Abteilung im Rathaus, der sich um den Kirchenmann zu kümmern hatte, unbotmäßig genähert haben; er suchte offenbar den physischen Kontakt zu ihm, um ihm "wiederholt" die Hand auf das Hinterteil zu legen, wie "Le Monde" mit Berufung auf mehrere Zeugen schreibt. Danach begleitete der Nuntius der Tradition folgend die Bürgermeisterin zu ihrem Auftritt vor den politischen, religiösen und diplomatischen Würdenträgern.

    Heikles Vorverfahren

    Der betroffene Beamte gelangte in der Folge an die Justiz. Das schreibt das Gesetz in Frankreich öffentlich Bediensteten vor, die Zeuge eines Vergehens oder Deliktes geworden sind. Die Staatsanwaltschaft öffnete das politisch heikle Vorverfahren eine Woche später. Der belästigte Mann reichte zudem selbst Privatklage gegen Ventura ein.

    Im Zuge des Zeitungsartikels meldete sich beim Pariser Homosexuellenmagazin "Têtu" ein weiterer Mann mit einem ähnlichen Vorfall zu Worte. Er berichtete, er sei von Nuntius Ventura im Jänner bei einem anderen Neujahrsempfang angegangen und mehrmals am Hinterteil berührt werden. Der Papst-Gesandte habe erst davon abgelassen, als sich der Betroffene deutlich dagegen verwahrt habe.

    Papst-Sprecher Alessandro Gisotti erklärte, der Heilige Stuhl warte auf die Ermittlungsergebnisse. Die Vorwürfe fallen in eine Zeit erhöhter politischer Spannungen zwischen Paris und Rom. Sie stellen zwar kein schweres Sexualdelikt dar, erhalten in Paris aber durch die hohe Stellung des Prälaten höchste Aufmerksamkeit. Angesichts der aktuellen Nulltoleranz-Stimmung in Frankreich gegenüber sexuellen Übergriffen und Internet-Attacken scheint es kaum denkbar, dass Ventura noch längere Zeit auf seinem Posten bleibt. Der Fall ist auch für den Papst eine neue Belastung: Für nächste Woche hat er die höchsten Vertreter der Bischofskonferenzen in aller Welt zu einer Tagung zum Thema Kindesmissbrauch nach Rom geladen. (APA, 15.2.2019)

    • Luigi Ventura in Nöten.
      foto: remy gabalda / afp

      Luigi Ventura in Nöten.

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