Groteske um Aufnahmetests für den Polizeidienst

    14. Februar 2019, 20:03
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    Einige hundert Bewerber für den Polizeidienst hatten ihre Tests schon positiv absolviert, ehe das Innenministerium entschied: "Alles wieder von vorn". Nach heftigen Protesten musste der Minister jetzt einlenken

    Jürgen U. büffelte etliche Monate lang, schwitzte für den Sporttest und absolvierte schließlich die Abschlussprüfung für die Aufnahme in den Polizeidienst mit Bravour: über 900 Punkte von 982 Punkten. Zusammen mit den – wie er in einer E-Mail an den STANDARD schreibt – "mehr als positiv absolvierten Sporttests" habe er eine baldige Einberufung zum ersten Polizeikurs erwartet. Und dann das:

    "Sorry", ließ ihn die Landespolizeidirektion der Steiermark sinngemäß wissen, "Kommando zurück, alles noch einmal von vorn." "Ich bekam eine E-Mail, in der ich, nach Weisung des Innenministeriums, eine Absage bekomme, weil es ab jetzt nur mehr das Aufnahmeverfahren neu gibt und ich mich jetzt noch einmal der Aufnahmeprüfung unterziehen soll", schreibt U.

    "... zu unserem Bedauern"

    "Das Auswahlverfahren", so wurde Jürgen U. von der Polizeidirektion aufgeklärt, "wurde für 2019 seitens des Bundesministeriums für Inneres zur Gänze neu geregelt. Fest steht, dass die Bewerbungen ab sofort nurmehr online über polizeikarriere.gv.at abzuwickeln sind. Alle bislang eingelangten Bewerbungen sind nicht mehr gültig. Zu unserem Bedauern gilt dies auch für alle Bewerber, welche sich im aktuellen Auswahlverfahren befinden bzw. dieses bereits positiv abgeschlossen haben." Aber – wurde Jürgen U. freundschaftlich auf die Schulter geklopft – "wir sind sehr zuversichtlich, dass Sie auch das neue Auswahlverfahren positiv abschließen werden".

    Es stelle sich natürlich schon die Frage der Sinnhaftigkeit dieser plötzlichen Änderung der Aufnahmebedingungen, "wenn man die großangelegte Werbekampagne für die Polizei 2018 und die damit verbratenen Stunden in den Personalabteilungen der jeweiligen Landespolizeidirektionen" ins Kalkül ziehe. "Man muss die Entscheidungen des Innenministers und seines Ministeriums hinterfragen, wie sollen so mehr Exekutivbeamte in Österreich ausgebildet werden?", sagt der Polizist in spe.

    Neues System ab Juni

    Nachdem sich die Einzelfälle wie jener von Jürgen U. häuften und ruchbar wurde, dass österreichweit mehr als tausend Polizeianwärterinnen und -anwärter noch einmal durch die Testbatterie müssen, und auch die "Krone" dem Innenministerium die "Empörung über Polizeinachzipf" mitteilte, zog Ressortchef Herbert Kickl (FPÖ) die Notbremse. Es soll nun eine Übergangsfrist geben, das neue Verfahren erst ab Juni gelten.

    "Alle, die bereits nach dem alten System Teile des Verfahrens positiv absolviert haben, können die Tests fertigmachen. Dann kommen sie, ebenso wie jene, die den Test komplett positiv abschlossen, in ein Ranking, das bis Ende Mai gilt. Die ersten Aufnahmen nach dem neuen System werden ab Juni 2019 erfolgen", sagte Ressortsprecher Christoph Pölzl.

    "Innenministerium hat versagt"

    Kritik am holprigen Prüfungsmanagement kam von der Polizeigewerkschaft. Hunderte Bewerber seien "frustriert", der nun erfolgte "Rückzieher" lasse viele offene Fragen unbeantwortet. Nicht die Anwärter hätten versagt, "sondern das Innenministerium", monierte der FSG-Vorsitzende Hermann Greylinger. (Walter Müller, 14.2.2019)

    Wissen: Abgespeckte Kriterien für Polizeidienst

    Die Aufnahmekriterien für die Polizei wurden entschärft: Zuletzt fielen etwa die Schwimmprüfung (Fahrtenschwimmer reicht aus) und der 3.000-Meter-Lauf weg. (Harmlose) Tattoos am Arm sind kein Ausschließungsgrund mehr, auch die Körpergröße spielt keine Rolle mehr. Das Mindestalter ist nach wie vor 18 Jahre, es gibt kein Höchstalter mehr für Bewerber, der älteste Polizeischüler derzeit ist 56. (simo)

    • Bei den sogenannten Recruiting Days, hier in der Wiener Polizeidirektion, demonstrieren uniformierte Beamte gerne ihre Fitness.
      foto: simo

      Bei den sogenannten Recruiting Days, hier in der Wiener Polizeidirektion, demonstrieren uniformierte Beamte gerne ihre Fitness.

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