Neue Musik von Mavis Staples, Gary Clark Jr. und Juleah

    19. Februar 2019, 09:00
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    Afroamerikanische und Vorarlberger Utopien von einem besseren Amerika

    Mavis Staples – Live in London

    Seit 66 Jahren steht Mavis Staples auf der Bühne, das muss man sich einmal vorstellen. Die mit dem Familienunternehmen Staples Singers in den 1960ern weltberühmt gewordene Soul-Sängerin hat sein einigen Jahren eine fruchtbare späte Karriere am Laufen. Das Album Live in London dokumentiert, in welcher anhaltenden Form sich die Dame befindet. 14 Songs lang durchmisst sie emotionale und politische Erschütterungen. Begleitet wird sie von einer exzellenten, demütigen Band, Staples, 79, ist vital wie immer und hat mit Slippery People von den Talking Heads einen echten Burner in ihrem Programm.

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    Mavis Staples live in London – die Grande Dame des Soul covert die Talking Heads.

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    Gary Clark Jr. – This Land

    Populisten sind böse. Sie bringen Menschen gegeneinander auf, anstatt ein friedliches Miteinander zu befördern. Der 34-jährige Texaner Gary Clark Jr. erlebt das gerade zu Hause und reagiert darauf mit dem Album This Land. Clark vermischt das ganze Arsenal afroamerikanischer Stile, innerhalb derer bei ihm alles ineinanderfließen kann. Wenn er Emotionen zu sehr via Rockismus entlädt, wird‘s platt; formuliert er Sorgen eher via Blues-Gefühl, überzeugt er ungleich mehr. Musik gegen Mauern an Grenzen und im Kopf. Das gelingt zumindest über die Hälfte dieses am Freitag erscheinenden Albums.

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    Gary Clark Jr. mit dem Titellied seines neues Albums This Land. Ab Freitag im Handel.

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    Juleah – Desert Skies

    Auf ihrem dritten Album Desert Skies geht die Vorarlbergerin Julia Hummer vollends in ihren Sujets auf. Als Juleah frönt sie US-amerikanischen Fantasien, die sie in mit viel Liebe zum Detail hingerotzten Songs hörbar macht. Kein technischer Firlefanz, stattdessen straightes Songwriting und den Horizont als Sehnsuchtsort vorm Auge. Am Weg dorthin verinnerlicht sie Strawberry Shakes, lernt Darkness kennen oder lässt das Vinyl eines Fundstücks on the road knistern. Musik, die alle Klischees ihrer Themen kennt, sie gekonnt umschifft und sie am Ende dennoch emotional bedient. Sehr super. Am 27. Februar live im Wiener Fluc, 21 Uhr.

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    Wovon lebt man auf der Fahrt quer durchs große Amerika? Von einem Strawberry Shake hin und wieder.

    (Karl Fluch, 19.2.2019)

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