Porno-Gifs, Mobbing: Französische Journalisten beleidigen Frauen im Netz

    14. Februar 2019, 10:40
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    Journalisten verloren wegen der 2009 gegründeten Gruppe "Ligue du LOL" ihren Job

    Paris – Sie betrieben offenbar jahrelang Cybermobbing gegen Frauen: In Frankreich sind mehrere Journalisten und Kreative wegen einer sexistischen Facebook-Gruppe in die Schlagzeilen geraten. Einige Journalisten verloren wegen der 2009 gegründeten Gruppe "Ligue du LOL" jetzt ihren Job.

    Die Zeitung "Libération" hatte am Freitag über die Facebook-Gruppe berichtet, deren Mitglieder Frauen sexistisch beleidigten und Vergewaltigungen verharmlosten. Am Wochenende erzählten mehrere Mobbingopfer in sozialen Netzwerken von ihren damaligen Erfahrungen. Mélanie Wanga, Gründerin des Podcasts "pop Tchip", schrieb über rassistische und sexistische Belästigungen, die sie durch "weiße Pariser Journalisten" erlitten habe.

    Mindestens 35 Mitglieder waren – zumindest für einen gewissen Zeitraum – Teil des digitalen Boys Clubs "Ligue du LOL", schreibt der "Spiegel". Unter den Mitgliedern sollen sich befinden sich zahlreiche Journalisten, die bei den großen französischen Zeitungen und bei Kulturmagazinen Karriere gemacht haben, Werber, Podcaster und Digitalberater, darunter laut "Spiegel" auch der ehemalige Community Manager des französischen Präsidenten Emmanuel Macron.

    Gehässige Foto- oder Videomontagen

    Die ehemalige Bloggerin Capucine Piot berichtete, wie sie im Internet "jahrelang" das Ziel gehässiger Foto- oder Videomontagen war. Für sie als junge Frau sei das "sehr schwierig" gewesen. Daria Marx, ein anderes Opfer, die gegen den Hass auf Dicke kämpft, erzählte: "Ich war dick, ich war eine Frau, ich war Feministin, das reichte, damit sie mich auslachten."

    "Es war unerbittlich, ich wurde auch belästigt, mit Beleidigungen, Fotomontagen, animierten Gifs mit pornografischen Inhalten mit meinem Kopf darauf und anonymen Beleidigungs-Mails", erzählt die Journalistin Nora Bouazzouni.

    "Monster" erschaffen

    Der Gründer der Facebook-Gruppe Vincent Glad hat sich auf Twitter entschuldigt. "Ich habe nicht gesehen, dass wir mit unseren Witzen die ersten feministischen Worte zum Schweigen gebracht hatten, als sie 2011 und 2012 in den Netzwerken auftauchten", schrieb er. Er habe ein "Monster" erschaffen, über das er völlig die Kontrolle verloren habe. Man wollte nur Spaß haben, aber niemanden belästigen wollen.

    Glad wurde am Montag als Mitarbeiter von "Libération" suspendiert, ebenso der Online-Chef der Zeitung, Alexandre Hervaud. Das "Brain Magazine" kündigte ebenfalls die Zusammenarbeit mit Glad auf. Der Chefredakteur des Musik- und Kulturmagazins "Les Inrockuptibles", David Doucet, wurde ebenfalls beurlaubt. (APA, red, 14.2.2019)

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