Diözese Gurk wehrt sich gegen Visitator

    14. Februar 2019, 08:36
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    Die Diözesan-Administration wirft Erzbischof Lackner eine Überschreitung seiner Kompetenzen vor. Die Grazer Staatsanwaltschaft akzeptiert zwei Anwaltskanzleien als Vertreter des Bistums

    Klagenfurt/Graz/Salzburg – Der Zwist zwischen der Diözese Gurk-Klagenfurt und dem päpstlichen Visitator, dem Salzburger Erzbischof Franz Lackner, über den Umgang mit dem Untreueverfahren der Staatsanwaltschaft Graz gegen Kärntens Ex-Bischof Alois Schwarz gewinnt an Schärfe. Die Diözesan-Administration wirft Lackner indirekt vor, seine Kompetenzen überschritten zu haben.

    Die Auseinandersetzung entzündete sich daran, dass Lackner die Grazer Anwaltskanzlei Scherbaum-Seebacher beauftragte, in den Ermittlungsakt in Graz Einsicht zu nehmen. Die Grazer Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Schwarz wegen des Verdachts der Untreue. Die Diözesanleitung hatte allerdings schon die Kanzlei Tschurtschenthaler eben damit beauftragt. Die Grazer Anwälte präsentierten sich bei der Staatsanwaltschaft als Rechtsvertreter des Bistums Gurk, sagt Hansjörg Bacher, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Anwaltskanzlei habe allerdings "nicht offengelegt, dass sie Bischof Lackner vertreten".

    Ein Bistum, zwei Anwälte

    Auf die Frage, wie die Staatsanwaltschaft mit der Situation umgehe, dass es zwei Anwaltskanzleien als Vertreter des Bistums gibt, meinte Bacher, beide würden Akteneinsicht erhalten. Die Erzdiözese habe auf das Kirchenrecht verwiesen, das dem Visitator dies erlaube.

    Lackners Sprecherin Heidi Zikulnig sagte der "Kleinen Zeitung" dazu, der Auftrag an die Anwälte habe nichts mit Misstrauen zu tun, Lackner gehe es um eine "rasche und umfassende Sachverhaltsdarstellung". Der Klagenfurter Ordinariatskanzler Jakob Ibounig wiederum sieht mit dieser Maßnahme den Visitationsauftrag aus Rom überschritten. Es gehe nicht darum, "sich an die Stelle der Diözesanleitung zu setzen", sagte Ibounig der "Kleinen Zeitung". Die getroffene Maßnahme bedeute vielmehr, dass sich "der Visitator selbst an die Stelle des mutmaßlich Geschädigten, also des Bistums setzt, so wird es sicher leichter, mögliche Täter zu schützen."

    Ibounig ortet "höchstes Risiko" und spricht von einer vertrauenszerstörenden Maßnahme und einer Brüskierung der Diözesanleitung. Man habe der Staatsanwaltschaft daher mitgeteilt, dass Diözesan-Administrator Engelbert Guggenberger für das Bistum allein vertretungsbefugt sei.

    "Mit allem zu rechnen"

    In Graz wiederum will man sich in die innerkirchliche Auseinandersetzung nicht einmischen. Man stehe auf dem Standpunkt, dass Lackner als Visitator kirchenrechtlich auch für das Bistum verantwortlich sei und damit ein rechtliches Interesse am Fortgang der Ermittlungen habe. Ibounig vergleicht Lackners Vorgangsweise mit dem Agieren eines Sachwalters, das gebe der Auftrag aus Rom nicht her. Bezüglich des bis zur Fastenzeit angekündigten Berichts der Visitation, die die Ära Schwarz in Kärnten und die Zeit der Sedisvakanz umfasst, sei nun "mit allem zu rechnen". (APA, 14.2.2019)

    • Zu Beginn der Visitation ging man noch freundlicher miteinander um. Jetzt ortet der Kärntner Ordinariatskanzler Jakob Ibounig (li.) "höchstes Risiko" durch die Alleingänge des Salzburger Erzbischofs Franz Lackner (re.).
      foto: apa / gert eggenberger

      Zu Beginn der Visitation ging man noch freundlicher miteinander um. Jetzt ortet der Kärntner Ordinariatskanzler Jakob Ibounig (li.) "höchstes Risiko" durch die Alleingänge des Salzburger Erzbischofs Franz Lackner (re.).

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