Turbulente Zeiten für Salzburg-Gegner Club Brügge

12. Februar 2019, 11:08
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"Footballgate"-Skandal und Spannungen zwischen Trainer und Kapitän setzten Belgiens Meister in vergangenen Monaten zu

Brügge – Club Brügge will den 10. Oktober 2018 hinter sich lassen. Der Tag, an dem eine Großrazzia u.a. bei den Topclubs zu insgesamt 29 Festnahmen geführt hat, hat den belgischen Fußball erschüttert. Selbst Brügge-Trainer Ivan Leko wurde von der Polizei für eine Nacht festgehalten, weil einer seiner Ex-Manager im Skandal um Bestechung, Geldwäsche und Spielmanipulation als einer der Hauptverdächtigen gilt.

Lekos Unschuld war schnell bewiesen. Sportlich hat "Footballgate", wie die Affäre in Belgien genannt wird, den Club aber in ein kleines Tief gestürzt. Brügge verspielte die Tabellenführung. Nach nur fünf Punkten aus den ersten vier Ligaspielen des Jahres 2019 beträgt der Rückstand des ersten Verfolgers auf Spitzenreiter KRC Genk bereits elf Zähler.

Die Stimmung ist angespannt, ein Erfolg im Europa-League-Sechzehntelfinale gegen Red Bull Salzburg käme gerade recht. Leko sieht sein Team mit den Bullen auf Augenhöhe. "Unsere Chancen sind 50:50", sagte der Kroate über das Los. "Wir haben eine gute Champions-League-Saison gespielt und wollen das gleiche auch in der Europa League schaffen."

International starke Belgier

Tatsächlich überzeugte Belgiens Meister im Herbst in der Königsklasse, ließ dort als Gruppendritter hinter Borussia Dortmund und Atletico Madrid immerhin AS Monaco deutlich hinter sich. Vier Europacupspiele ist Brügge ungeschlagen, gegen Dortmund und Atletico gab es zum Abschluss der Champions-League-Gruppe jeweils ein 0:0.

"Wir haben sicher die Chance, weiterzukommen", meinte Leko. Die Basis gelte es im Hinspiel am Donnerstag (21.00 Uhr/live Puls 4 und DAZN) zu legen. Vor dem Rückspiel eine Woche später in Salzburg steht für Brügge am Sonntag im eigenen, 29.000 Zuschauer fassenden Jan-Breydel-Stadion auch noch der Ligaschlager gegen Genk auf dem Programm.

Konflikt zwischen Spieler und Trainer

Die Schlagzeilen dominierte in Brügge zuletzt aber das zerrüttete Verhältnis zwischen Leko und Kapitän Ruud Vormer. Der niederländische Nationalspieler zeigte sich mit den Entscheidungen des Trainers zusehends unzufrieden. Leko könnte den Machtkampf mit seinem Mittelfeldstar verlieren, urteilen viele Beobachter. Der Vertrag des 41-Jährigen läuft mit Saisonende aus.

Neben Vormer sind Brügges Schlüsselspieler der brasilianische Sturmtank Wesley sowie Offensivmann Hans Vanaken, der im Herbst im belgischen Nationalteam debütiert hat. Auch U21-Teamspieler Siebe Schrijvers hat zuletzt aufgezeigt. Der u.a. vom AC Milan umworbene Flügelspieler Arnaut Danjuma dagegen fehlt auch gegen Salzburg. Der 22-jährige Niederländer ist seit Oktober mit einem Ermüdungsbruch außer Gefecht.

"Footballgate"

Noch schwerer wog für den Club der ebenfalls im Oktober ausgebrochene "Footballgate"-Skandal. Dragan Siljanoski, einst Lekos Berater, ist in der Affäre wegen Geldwäsche angeklagt. Der mazedonische Ex-Nationalspieler befindet sich nach einer Untersuchungshaft mittlerweile aber gegen Kaution auf freiem Fuß.

Im Angesicht der Affäre ist der 16. Meistertitel für Brügge in weite Ferne gerückt. Seine größten internationalen Erfolge feierte der Club einst unter Ernst Happel. Mit der Wiener Trainerlegende erreichte Brügge 1976 das UEFA-Cup- und 1978 das Meistercup-Finale, unterlag dort aber jeweils Liverpool. Dazu wurden die Blau-Schwarzen in den drei Jahren unter Happel dreimal Meister. Seit 2005 gingen nur zwei Meisterschaften nach Westflandern – jene 2016 und 2018. (APA, 12.2.2019)

  • Brügge-Trainer Leko sieht sein Team mit den Bullen auf Augenhöhe.
    foto: apa/afp/fabrice coffrini

    Brügge-Trainer Leko sieht sein Team mit den Bullen auf Augenhöhe.

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