Forscher befürchten Insektensterben binnen 100 Jahren

    12. Februar 2019, 07:00
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    Zuletzt sank die Biodiversität der Insekten innerhalb von zehn Jahren um 25 Prozent. Die Folgen eines Aussterbens wären dramatisch

    Die Erde steht 66 Millionen Jahre nach dem Aussterben der Dinosaurier offenbar am Beginn des sechsten Massensterbens ihrer Geschichte. Diesmal sind Insekten betroffen, deren Artenvielfalt schon länger gefährdet ist. Mit derart dramatischen Worten beginnt die britische Zeitung Guardian einen aktuellen Bericht. Liest man den Text weiter, dann zeigt sich, dass die Worte angesichts einer aktuellen wissenschaftlichen Studie von australischen Forschern gut gewählt sind. Insekten sind die artenreichste Tierklasse, 40 Prozent von ihnen könnten in den kommenden Jahrzehnten aussterben, heißt es. Die Studie ist ein Beitrag im demnächst erscheinenden Fachmagazin Biological Conversation, sie ist online vorab publiziert worden.

    Was sind die Ursachen des Insektensterbens? Experten halten die industrielle Landwirtschaft, deren Pflanzenschutzmittel, die Überdüngung, den erhöhten Stickstoffgehalt des Bodens, der auch zum Verlust von Biotopen führt, und letztlich auch die im städtischen Raum starke Lichtverschmutzung für die hauptschuldigen Faktoren. Insekten brauchen nämlich Dunkelheit und natürliches Licht, um sich orientieren zu können und vor Fressfeinden sicher zu sein, künstliches Licht lockt die Tiere an, was deren Überlebenschancen verringert.

    Reduktion um 25 Prozent

    Die Studienautoren weisen darauf hin, dass etwa ein Drittel der Tierarten weltweit vom Aussterben bedroht sei. Der Anteil der Insekten liege dabei mit 41 Prozent zwei Mal so hoch wie bei den Wirbeltieren. Zuletzt sank die Biodiversität der Insekten binnen zehn Jahren um 25 Prozent, wird der Hauptautor der Studie, Francisco Sánchez-Bayo, zitiert. Das würde bedeuten, dass diese Tiere in hundert Jahren völlig verschwunden sind. Damit fiele eine erste Nahrungsquelle für andere Lebewesen weg. Fledermäuse oder Igel ernähren sich hauptsächlich von ihnen.

    Da Insekten ebenso die Bestäuber von Pflanzen sind, und zwar nicht nur Bienen, sondern auch Wespen, Käfer, Fliegen und Schmetterlinge, wären die Folgen ihres Verschwindens auch dafür dramatisch. Gut erforscht ist ja, dass das Bienensterben starke Ernteeinbußen mit sich bringt – unter anderem bei Nüssen und Äpfeln.

    In Bayern hat das Volksbegehren "Artenvielfalt – Rettet die Bienen" wenige Tage vor dem Ende der Eintragungsfrist 900.000 Unterschriften, was nicht ganz den nötigen zehn Prozent der Wahlberechtigten entspricht.

    Naturschützer gegen Landwirte

    Das Volksbegehren fordert mehr Artenschutz und einen höheren Prozentsatz ökologisch bewirtschafteter Anbauflächen in Bayern sowie die Abkehr von Pestiziden. Landwirte wehren sich und behaupten, die Naturschützer würden vermitteln, dass man sich mit einer Unterschrift ein gutes Gewissen kaufen kann.

    Die aktuelle Studie analysiert Daten aus insgesamt 73 Arbeiten zum Rückgang von Insekten. Dabei zeigte sich, dass die Zahl der Schmetterlinge in England um insgesamt 58 Prozent zurückgegangen ist. Die Zahl der Honigbienen-Kolonien ist allein in den USA von sechs Millionen im Jahr 1947 auf 3,5 Millionen in der Gegenwart geschrumpft. Wissenslücken bestätigen die Forscher bei Ameisen oder Grillen. Es gibt auch Insekten, die profitieren, den Verlust aber bei weitem nicht ausgleichen können. Alles in allem ist der Befund der Wissenschafter: "Wenn wir unsere Art der Nahrungsmittelproduktion nicht ändern, werden die Insekten in einigen Jahrzehnten den Weg der Auslöschung gegangen sein". (Peter Illetschko, 12.2.2019)

    • Bienen in der Abendsonne.
      foto: dpa

      Bienen in der Abendsonne.

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