300.000 Euro für eine Präsidiumssitzung: Die teuren Reisen des DFB

9. Februar 2019, 17:45
21 Postings

Deutscher Fußballverband soll laut Spiegel für eine Präsidiumssitzung während der WM in Brasilien knapp 300.000 Euro ausgegeben haben – Exorbitante Kosten für Reisen und private Partys sollen gemeinnützigen Status gefährden

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat Vorwürfe zurückgewiesen, wonach zwischen 2008 und 2016 für private Feiern und Dienstreisen unverhältnismäßig hohe Summen gezahlt worden seien. Über entsprechende Vorgänge berichtet das Nachrichtenmagazin Der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe. Das Nachrichtenmagazin beruft sich auf vertrauliche Dokumente von Ulrich Bergmoser. Der frühere DFB-Finanzdirektor und Compliance-Beauftragte soll die Exzesse Anfang des Vorjahres aufgelistet und gewarnt haben. So sollen während der WM 2014 in Brasilien vom Verband für eine vor Ort abgehaltene Präsidiumssitzung 287.304,35 Euro ausgegeben worden sein.

"Die Organisation eines inhaltlichen Austauschs mit Vertretern anderer internationaler Fußballverbände", antwortete der Verband auf die Vorwürfe, gehöre "zu den satzungsgemäßen Aufgaben des DFB". Da Endrunden bei einer WM und EM mehrere Wochen andauern, sei es "erforderlich, die turnusgemäßen Gremiensitzungen vor Ort abzuhalten. Die herrschende Praxis wurde bereits früher eng durch die internen Steuerfachleute sowie die externen Steuerberater begleitet." Sofern im Einzelfall doch "zu Planungen Bedenken geäußert wurden, wurde diesen durch eine noch weitere Straffung" des Programms Rechnung getragen, das die DFB-Vertreter zu absolvieren hatten, teilte der DFB weiter mit.

Hohe Ausgaben bei der EM in Österreich

34 Seiten umfasst das Dokument des ehemaligen DFB-Finanzchefs Ulrich Bergmoser, über das der Spiegel berichtet. Weil laut Bergmoser "unklare Anstellungs- und Honorarverträge" ausgestellt worden seien oder diverse Ausgaben für Geburtstagsfeiern nach Ansicht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO als "Mittelfehlverwendung" eingestuft werden könnten, sei die Gemeinnützigkeit des Verbands in Gefahr geraten.

Bei der EM 2008 in Österreich und der Schweiz sollen etwa 140 Teilnehmern eine Reise zum Turnier um 440 000 Euro bezahlt worden sein. Acht Jahre soll der Verband auch Funktionäre von Regional- und Landesverbänden zur EM nach Frankreich eingeladen haben. Gängige Praxis laut DFB.

Über angebliche Beteiligungen an den Feiern zum 90. Geburtstag des Ehrenpräsidenten Egidius Braun (20.000 Euro) oder zum 70. Geburtstag von Hermann Korfmacher (Präsident des Westdeutschen Fußballverbands/13.000) teilte der DFB mit, dass "keines der angesprochenen Präsidiumsmitglieder Geldzahlungen erhalten" habe. Vielmehr habe sich der DFB "an den offiziellen Empfängen der ausrichtenden Fußballverbände beteiligt oder trat als Mitveranstalter auf. Es handelte sich stets um Empfänge unter Beteiligung von Vertretern aus Verbänden, Vereinen und dem Sport im Allgemeinen, die dem Amt Rechnung trugen." (sid, red, 9.2.2019)

  • Im Zwielicht wegen hoher Ausgaben: Der Deutsche Fußball Bund (DFB).
    foto: reuters/orlowski

    Im Zwielicht wegen hoher Ausgaben: Der Deutsche Fußball Bund (DFB).

Share if you care.