Sigmar Gabriel fremdelt mit der großen Koalition

    8. Februar 2019, 17:05
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    Der ehemalige SPD-Chef dementiert Comebackgelüste, macht aber klar, dass er die Vorsitzende Nahles für eine Fehlbesetzung hält

    Nein, an einem Comeback als Chef der deutschen Sozialdemokraten habe er keinerlei Interesse, versichert deren ehemaliger Vorsitzender Sigmar Gabriel im Tagesrhythmus den deutschen Medien – gefragt und ungefragt. Aber wenn man schon an seiner Meinung interessiert sei, dann könne er immerhin so viel sagen: Die SPD solle bitte schön ernsthaft prüfen, ob der Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD überhaupt "ausreichend auf die Herausforderungen von morgen ausgerichtet ist", zitierte am Freitag das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" den vormaligen deutschen Außenminister. Nachdenklicher, vielleicht sogar drohender Nachsatz: "Mein Gefühl ist, dass er das nicht ist." Sollte Gabriel recht haben, was würde das in letzter Konsequenz für die Regierungsarbeit bedeuten? Ausstieg aus der Koalition.

    Ein wenig überrascht Gabriels neueste Wortspende schon, galt er doch bisher als ausgemachter Förderer und Anhänger einer "Groko" – der großen Koalition von Schwarz und Rot.

    Schatten ihrer selbst

    Seitdem aber die eigene Partei nur noch ein Schatten ihrer selbst ist – mit Umfragewerten um die 15 Prozent, manchmal sogar weniger -, macht sich der ehemalige Parteichef (2009 bis 2017) öffentlich immer öfter Sorgen, ob seine Nachnachnachfolgerin Andrea Nahles überhaupt in der Lage ist, den roten Sinkflug seit der Bundestagswahl 2017 zu beenden.

    Viele Genossen an und nahe der Basis haben es ihrer Parteiführung übelgenommen, dass sie sich ein weiteres Mal auf eine Groko eingelassen hat, nachdem dieses Experiment schon 2005 bis 2009 und 2013 bis 2017 nicht zum Erfolg geführt hatte. Ihnen dürfte nun Gabriel aus der Seele sprechen, der vor allem die jüngeren Sozialdemokraten dazu aufrief, "das Schicksal der SPD in die Hand" zu nehmen: "Sie müssen jetzt die Partei führen, Verantwortung übernehmen und nicht auf Erlösung durch irgendwelche Heilsbringer hoffen."

    Messias-Ideen

    Dass er selbst ein solcher herbeigesehnter Messias sein könnte, stellt Gabriel in Abrede – aber nur ein bisschen: Zu Gerüchten über ein geplantes Comeback an der Parteispitze sagte Gabriel dem "Spiegel": "Das sind doch alles Projektionen, in denen sich die Unzufriedenheit mit dem aktuellen Zustand der SPD abbildet." Dezidierte Absagen klingen anders, auch wenn Gabriel versichert, über Ämter und Positionen "mit Sicherheit" nicht nachzudenken.

    Nun ist erst einmal Wochenende. Da kommt die SPD zu einer Vorstandsklausur zusammen. Thema: die Zukunft – wie passend. (Gianluca Wallisch, 8.2.2019)

    • Gabriel (SPD) und Merkel (CDU) in besseren Tagen.
      foto: afp/odd andersen

      Gabriel (SPD) und Merkel (CDU) in besseren Tagen.

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