Überraschung: Putzerfische erkennen sich beim Spiegeltest selbst

    8. Februar 2019, 11:58
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    Sie erkennen ein Spiegelbild als Abbild ihrer selbst. Ob sie sich ihrer selbst bewusst sind, ist allerdings fraglich

    Mit dem Spiegeltest will man üblicherweise etwas über die Selbstwahrnehmung von Tieren wissen. Konkret geht es um die Frage, ob sie sich selbst erkennen, wenn sie ihre Reflexion sehen? Tatsächlich haben einige Säugetiere und Vögel, darunter Schimpansen, Delfine, Krähen und Elstern, den Spiegeltest mit eindeutigen Ergebnissen erfolgreich gemeistert. Bislang gilt dies als Anzeichen dafür, dass diese Arten eine Form von Bewusstsein von sich selbst besitzen.

    Internationale Wissenschafter haben nun entdeckt, dass auch Putzerfische auf ihr Spiegelbild in einer Weise reagieren, als wüssten sie, dass sie es mit einem Abbild von sich selbst zu tun haben. Im Experiment versuchten sie, Flecken auf ihrem Körper zu entfernen, wenn sie diese im Spiegel sahen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Fische deutlich höhere geistige Fähigkeiten besitzen als bisher angenommen. Gleichzeitig stoßen sie eine Diskussion darüber an, wie Wissenschafter die Intelligenz von Lebewesen ermitteln können, die vom Menschen so verschieden sind.

    Markierte Tiere

    Beim klassischen Spiegeltest markieren Forscher das Gesicht oder andere Stellen des Körpers eines Tieres mit Farbflecken. Um den Test zu bestehen, müssen die Tiere die markierte Stelle genau in Augenschein nehmen oder gezielt berühren.

    Um zu überprüfen, ob Fische sich selbst im Spiegel erkennen können, haben die Forscher die Reaktion von Putzerfischen (Labroides dimidiatus) untersucht. Putzerfische leben in den Ozeanen und ernähren sich von Parasiten auf der Haut anderer Fische. Die Wissenschafter markierten die Fische an einer Stelle des Körpers, die diese nur im Spiegel betrachten konnten. Der Test galt als bestanden, wenn die Fische die markierte Stelle an einer Oberfläche reiben und so versuchen, die Farbe zu entfernen.

    Überraschende Beobachtung

    Tatsächlich versuchten die Putzerfische, die Flecken auf ihrer Haut zu entfernen. Versahen die Forscher die Tiere mit Flecken, gaben ihnen jedoch keinen Spiegel, reagierten die Fische dagegen nicht darauf, ebenso wenig wie auf transparente Markierungen, die im Spiegel nicht sichtbar waren. Putzerfische versuchen zudem beim Anblick anderer markierter Artgenossen nicht, vermeintliche Flecken an ihrem eigenen Körper zu entfernen. Auf Flecken direkt auf dem Spiegel reagieren sie ebenfalls nicht.

    "Durch all diese Beobachtungen können wir ausschließen, dass die Fische instinktiv auf an Parasiten erinnernde Markierungen in ihrer Umwelt reagieren. Nur der Anblick von Flecken auf der eigenen Haut stellt folglich für einen Putzerfisch einen Reiz dar, auf den er reagiert. Damit erfüllt das Verhalten der Putzerfische alle Kriterien für einen bestandenen Spiegeltest", erklärt Alex Jordan vom Max-Planck-Institut für Ornithologie und der Universität Konstanz.

    Belegen die im Fachjournal "PLOS Biology" veröffentlichten Ergebnisse nun, dass Putzerfische tatsächlich ein Bewusstsein für das eigene Selbst besitzen – eine Eigenschaft die man bisher nur einigen Säugetieren und Vögeln zuschreibt? Oder sind für das Bestehen eines Spiegeltests andere Fähigkeiten nötig als bisher angenommen? "Unsere Beobachtungen lassen nur wenig Zweifel, dass dieser Fisch mit seinem Verhalten alle Kriterien für einen bestandenen Spiegeltest erfüllt. Weniger klar ist dagegen, ob man daraus schließen kann, dass Fische sich ihrer selbst bewusst sind – auch wenn in der Vergangenheit vielen Tieren ein Selbst-Bewusstsein zugeschrieben worden ist, nachdem sie den Spiegeltest bestanden hatten", sagt Jordan.

    Hinterfragenswerte Schlüsse aus dem Spiegeltest

    Das Argument, dass das Verhalten der Fische nicht eindeutig genug ist, um von einem bestandenen Spiegeltest zu sprechen, würde die generelle Glaubwürdigkeit des Spiegeltests in Frage stellen. Schließlich haben sich die Putzerfische während des Tests ähnlich verhalten wie andere Tiere bei gleichem Versuchsaufbau. "Die nahe liegende Erklärung ist, dass die Fische zwar den Spiegeltest bestehen, sie sich aber nicht ihrer selbst bewusst sind. Vielmehr erkennen sie ihr Spiegelbild als Abbild des eigenen Körpers, verstehen jedoch nicht, was es bedeutet. Wir müssen also den Spiegeltest kritisch hinterfragen und überlegen, ob er weiterhin als Standard für den Selbst-Bewusstseins-Nachweis bei Tieren eingesetzt werden sollte", sagt Jordan. (red, 8.2.2019)

    • Der Spiegel außerhalb des Aquariums ist im Bild unsichtbar, da die Glasscheibe des Beckens unter dem Blickwinkel der Kamera selbst zum Spiegel wird.
      foto: a. jordan

      Der Spiegel außerhalb des Aquariums ist im Bild unsichtbar, da die Glasscheibe des Beckens unter dem Blickwinkel der Kamera selbst zum Spiegel wird.

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