Was für und gegen eine Fusion der Grünen mit der Liste Jetzt spricht

Kommentar8. Februar 2019, 06:00
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Johannes Voggenhuber und der jetzige Grünen-Chef Werner Kogler werden als Konkurrenten in die Europawahl ziehen

foto: apa/roland schlager

PRO: Getrennt werden sie scheitern

von Walter Müller

Glauben die beiden grünen Haudegen wirklich, dass ihnen das Wahlvolk zu Füßen liegen und sie beide mit Mandaten belohnen wird? Sie scheinen von ihrer Ausstrahlung tatsächlich im Übermaß überzeugt zu sein, denn sonst würden sie sich nicht auf dieses unheilbringende Abenteuer einlassen.

Der von den Grünen ausgestoßene ehemalige Europaparlamentarier Johannes Voggenhuber und sein langjähriger Weggefährte, Freund und jetzige Grünen-Chef Werner Kogler wollen also als Konkurrenten in die Europawahl ziehen. Voggenhuber zurück in die Arena geholt hat der Dritte im Bunde: der Grünen-Geburtshelfer und nunmehrige Liste-Jetzt-Gründer Peter Pilz. Alter schützt vor Torheit nicht. Alle drei müssten sich noch gut daran erinnern, wie mühsam es war, die rechten und linksalternativen Grünen zu einer gemeinsamen grünen Partei zusammenzuspannen. Sie wissen, zwei getrennte grüne Lager hätten es niemals in die Parlamente geschafft.

Daher versteht auch niemand, warum jetzt zwei alte Grüne mit den gleichen Europaideen gegeneinander antreten und nicht zumindest auf einer gemeinsamen EU-Plattform kandidieren. Finden Kogler und Voggenhuber keinen Weg zueinander, haben sie jedenfalls gute Chancen – jeder für sich –, in der Wahl zu scheitern. In diesem Fall können dann alle drei in ihrer Politpension trefflich darüber streiten, wer Schuld am Untergang der Grünen in Österreich hat. (Walter Müller, 8.2.2019)

KONTRA: Hände weg von diesen Pilzen!

von Nina Weißensteiner

Jedes noch so verlockende Angebot der "Pilze" an die Grünen ist und bleibt mit äußerster Vorsicht zu genießen. Denn wirklich gut meinen es die sogenannten abgespaltenen Altvorderen, nun in der Liste Jetzt vereint, mit den krisengeschüttelten Ökos nach wie vor nicht.

Ein ehrlich gemeintes Offert, hinter ihrem Quasi-Spitzenkandidaten Johannes Voggenhuber auf dem zweiten Platz für die Europa-Wahl zu kandidieren, damit beide garantiert den Einzug in das EU-Parlament schaffen, sieht anders aus. Zum einen richtet man sich solche schwerwiegenden parteitaktischen Überlegungen nicht einfach über die Medien aus. Zum anderen geriet schon der erste große Auftritt von Parteiveteran Voggenhuber in der "ZiB 2" über weite Strecken zu einer Suada über die ach so unfähigen Grünen, die ihn vor einem Jahrzehnt einfach abgesägt hätten. Deren Untergang habe er danach stets vorausgesagt, dozierte Voggenhuber dort wie der Prototyp eines Angry Old Man, und nun kämen die Grünen wegen seines Abtritts mit leeren Händen aus Brüssel zurück.

Geht's noch missgünstiger? Wegen der alten Kränkungen mag ein solches Lamento zwar nachvollziehbar sein, doch Voggenhubers Klagen waren das Gegenteil einer ernstgemeinten Versöhnungsgeste. Damit drängt sich der Verdacht auf, dass Pilz, Voggenhuber & Co mit solchen Methoden – wie schon bei der Nationalratswahl – nur möglichst viele frustrierte Grün-Wähler abstauben wollen. (Nina Weißensteiner, 8.2.2019)

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