Pro und Kontra: Tauschhandel mit Wirtschaft bei Papamonat

Kommentar5. Februar 2019, 16:08
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Die Wirtschaftskammer will sich ihre Zustimmung zum Rechtsanspruch auf den Papamonat mit einer Kostenentlastung bei Schwangerschaften abkaufen lassen

foto: apa/hans klaus techt

PRO: Frech, aber argumentierbar

von Sebastian Fellner

Manchmal muss man pragmatisch sein. Ja, es stimmt: Die türkis-blaue Regierung kommt den Unternehmen bei weitem ausreichend entgegen – Stichwort Zwölfstundentag. Jetzt soll auch noch die Allgemeinheit zahlen, wenn eine schwangere Angestellte früher in Mutterschutz gehen muss?

Das wirkt nicht wie ein faires Abtauschangebot für den Rechtsanspruch auf einen Papamonat nach der Geburt, bei dem die Firma einen Monat auf einen Mitarbeiter verzichten, dafür aber auch sein Gehalt nicht weiterzahlen muss. Das ist es auch nicht.

Das darf aber nicht von der Sache ablenken: Wird eine Tischlerin schwanger, muss sie wegen der Belastung durch Holzstaub früher in Mutterschutz – der Betrieb muss sie aber weiterbezahlen. Das macht es für solche Unternehmen unattraktiv, Frauen anzustellen. Ja, das ist Diskriminierung – aber es ist eine, die unternehmerischer Logik folgt. Angedrohte Strafen können das nie zu 100 Prozent verhindern. Deswegen müssen weitere Wege gefunden werden, um in der Arbeitswelt Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen herzustellen. Und es ist gut argumentierbar, dass die Allgemeinheit diesen Teil der Kosten für kindbedingte Ausfälle übernimmt.

Wenn es also eine ziemlich unverfrorene Forderung der Wirtschaft braucht, um ein bisschen mehr Gerechtigkeit herzustellen, soll es so sein. (Sebastian Fellner, 5.2.2019)

KONTRA: Einfach nur retro

von Eric Frey

Es mag aus verhandlungstaktischen Gründen verständlich sein, dass sich die Wirtschaftskammer ihre Zustimmung zum Rechtsanspruch auf den Papamonat mit einer Kostenentlastung bei Schwangerschaften abkaufen lassen will. Die Belastungen für Arbeitgeber sind hoch, und es liegt Unternehmern im Blut, aus möglichst allem ein Geschäft zu machen.

Aber klug ist es nicht. Denn was in der Öffentlichkeit stehenbleibt, ist das Nein zum Papamonat. Und das ist einfach nur retro.

Ja, es mag manchen kleineren Betrieben schwerfallen, einen Monat lang auf eine qualifizierte Kraft zu verzichten. Aber das lässt sich planen, denn Geburten haben eine Vorlaufzeit. Und welcher Chef würde einem geschätzten Mitarbeiter tatsächlich Nein sagen, wenn er um unbezahlten Urlaub ansucht, um zu Hause mit einem Neugeborenen zu helfen? Der Papamonat kostet den Arbeitgeber ja nichts.

Vielleicht reichen zehn Tage in vielen Fällen aus, aber das sollte die Entscheidung der Väter sein, nicht der Wirtschaftskammer. Männer in die Kindererziehung einzubinden ist eines der großen gesellschaftlichen Anliegen unserer Zeit – und der Papamonat ein kluger Schritt zu einer fortschrittlicheren Rollenverteilung in der Familie.

Die Forderung nach Kostenentlastung bei Arbeitsverboten für Schwangere mag berechtigt sein. Aber die Kammer sollte sie zu einem anderen Zeitpunkt stellen – und nicht als familienfeindlicher Blockierer dastehen. (Eric Frey, 5.2.2019)

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