Türkei und Griechenland wollen "Teufelskreis der Krisen" durchbrechen

    5. Februar 2019, 13:40
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    Angespanntes Verhältnis soll verbessert werden – Türkei setzte zuvor Kopfgeld auf nach Griechenland geflohene Soldaten aus

    Istanbul/Athen – Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan und der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras haben nach einem Treffen in Ankara den Ausbau ihrer bisher oft krisenhaften Beziehungen in Aussicht gestellt.

    "Auch wenn in unseren bilateralen Beziehungen zeitweise unerwünschte Situationen ... auftreten, so haben wir Möglichkeiten gefunden, sie schnell wiedergutzumachen", sagte Erdoğan bei einer abendlichen Pressekonferenz. Tsipras sprach von einem "effektiven und ehrlichen Treffen". Es sei wichtig, in der Ägäis ein Klima der Kooperation zu schaffen. Man müsse den "Teufelskreis der Krisen" durchbrechen.

    Streitpunkt angebliche Putschsoldaten

    Bei den Gesprächen ging es laut Erdoğan auch um die Terrorbekämpfung. Griechenland dürfe kein sicherer Hafen für Terrororganisationen wie die PKK und Fetö werden, mahnte er. Mit dieser Bemerkung spielte er auf acht angebliche Mitschuldige an dem Putschversuch von 2016 an, die nach Griechenland geflohen waren. Die Regierung macht für den Putsch die Bewegung des Predigers Fethullah Gülen verantwortlich, die sie zu Fetö abkürzt. Erdoğan verlangt die Auslieferung der acht Militärs.

    Offenbar war er damit aber am Dienstag nicht weit gekommen. Tsipras wies darauf hin, dass die griechische Justiz Entscheidungen getroffen habe, die jeder Rechtsstaat respektieren müsse. Dreien der Soldaten wurde bisher Asyl zugestanden, für die anderen wird es erwartet.

    Kurz vor Tsipras' Ankunft in Ankara hatte die Türkei die acht Militärs noch in die Rote Liste der meistgesuchten "Terroristen" aufgenommen und ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt. Pro Person beträgt die Belohnung für Hinweise zur Ergreifung vier Millionen Türkische Lira (rund 670.000 Euro).

    Aktionsplan zu Zypern

    Als vorrangig für Griechenland bezeichnete Tsipras die Intensivierung der Kooperation zur Bekämpfung der Schleuserbanden. Immer wieder versuchen Flüchtlinge und Migranten aus der Türkei nach Griechenland zu gelangen. Zum Thema des geteilten Inselstaates Zypern soll es vor weiteren Gesprächen einen "Aktionsplan" geben.

    Tsipras war am Nachmittag zu einem zweitägigen Besuch in Ankara angekommen. Am Mittwoch wird er Termine in Istanbul haben, unter anderem mit dem griechisch-orthodoxen Patriarchen Bartholomäus I.. (APA, red, 5.2.2019)

    • Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan (rechts) und der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras (links) stelltenden Ausbau ihrer bisher oft krisenhaften Beziehungen in Aussicht.
      foto: reuters/umit bektas

      Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan (rechts) und der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras (links) stelltenden Ausbau ihrer bisher oft krisenhaften Beziehungen in Aussicht.

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