Drohungen an serbischen TV-Sender wegen Berichten über Proteste

    5. Februar 2019, 12:53
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    "Belgrader Kriegsveteranen 1999" drohen mit Sprengung des Sendergebäudes

    Belgrad – Der Belgrader TV-Sender "N1" wird laut Medienberichten wegen seiner Berichterstattung über die landesweiten Proteste gegen Serbiens Präsident Aleksandar Vucic und für die Medienfreiheit bedroht. Wie der Sender am Dienstag berichtete, seien Todesdrohungen gegen seine Journalisten gerichtet worden.

    In dem Drohbrief , das von einem "Belgrader Kriegsveteranen 1999" (der Zeit der NATO-Luftangriffe, Anm.) unterzeichnet ist, hieß es, dass das Sendergebäude gesprengt werde. Dem Schreiben wurde laut dem Sender auch ein Kriegsveteranenausweis beigelegt. Der Präsident des Kriegsveteranenverbandes, Zeljko Vukelic, distanzierte sich von den Drohungen.

    Der TV-Sender erinnerte am Dienstag daran, dass "N1" vom Vizevorsitzenden der regierenden Serbischen Fortschrittspartei, Milenko Jovanov, in sozialen Netzwerken beschuldigt worden sei, kein objektiver Sender zu sein. Auch der serbische Präsident lässt bei seinen Pressekonferenzen kaum eine Gelegenheit aus, Journalisten von "N1" als Mitarbeiter eines "amerikanischen Senders" zu bezeichnen. Von einem bedeutenden Teil der serbischen, prorussisch orientierten Öffentlichkeit wird das als Kritik am Sender verstanden.

    Proteste

    Veran Matic, Leiter der staatlichen Kommission, die sich mit Journalistenmorden der Vergangenheit befasst, forderte Politiker unterdessen auf, harte Worte auf Kosten der Medien zu vermeiden. Sie würden in der Regel zu Drohwellen auf sozialen Netzen und zur Gefährdung der Sicherheit von Journalisten führen. Wenn es zu offenen Drohungen komme, sei es nur noch eine Frage der Zeit, wann diese auch umgesetzt würden, warnte Matic.

    Tausende Serben gehen seit Anfang Dezember in Belgrad – unterdessen auch in mehr als 40 anderen Städten – einmal wöchentlich auf die Straßen, um den Rücktritt des Präsidenten zu fordern. Vucic wird vorgeworfen, seine Befugnisse anhaltend zu verletzten und sich nicht nur als Staatschef, sondern auch als Ministerpräsident und eine Art oberster Richter zu verhalten. (APA, 5.2.2019)

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