Burschenschaft Teutonia schreibt "Ostmark", wenn sie Österreich meint

    4. Februar 2019, 13:02
    953 Postings

    Die für stramm rechte Gesinnung bekannte Burschenschaft Teutonia bezeichnet Österreich als Ostmark – bloß ein historischer Begriff, meint der FP-Abgeordnete Bösch

    Wien – Die Wiener akademische Burschenschaft Teutonia, eine schlagende Verbindung, die immer wieder am rechten Rand aufgefallen ist, hat in einem aktuellen Facebook-Posting im Rahmen eines Besuchs bei einer deutschen Verbindung von "Farben-, Kartell- und Verbandsbrüdern aus der Ostmark" berichtet. Der Begriff ist historisch belastet. "Ostmark" stand in der (oft deutschnational gefärbten) Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts für die Markgrafschaft Österreich, 1939 bis 1942 wurde die Bezeichnung "Ostmark" vom Naziregime des Dritten Reichs offiziell für die annektierte Republik Österreich verwendet.

    Das Posting ist aufmerksamen Antifaschisten aufgefallen – Brisanz hat es, weil Reinhard Bösch, der Verteidigungssprecher der FPÖ und Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Nationalrats, ein prominentes Mitglied der Teutonia ist.

    Wörtlich heißt es in dem mit 2. Februar datierten Beitrag auf der Facebook-Seite der Teutonia: "Heute besuchen einige unserer Volltätigen die Semesterabschlusskneipe unserer schlesischen Kartellbrüder der 'Die Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn' im schönen Rheinland. Zusammen mit Farben-, Kartell- und Verbandsbrüdern aus der Ostmark, der BRD und Flandern lassen wir ein weiteres erfolgreiches Semester ausklingen."

    Rücktrittsaufforderung aus der SPÖ

    Bösch erklärte dazu auf Anfrage der APA, er kenne diesen Beitrag nicht. Und konkret zur Verwendung des Begriffes "Ostmark" sagte er: "Das ist ein historischer Begriff, den ich nicht kommentiere." Später stellte er via Aussendung klar: Der Begriff sei "in betreffendem Zusammenhang vollkommen inakzeptabel, weil er zu Missinterpretationen Anlass geben kann".

    SPÖ-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda betonte dazu: "Das zeigt, dass die Burschenschaft des 'Alten Herrn' und FPÖ-Abgeordneten Bösch ganz offensichtlich ein Problem mit unser Republik Österreich hat und stattdessen lieber in alten Zeiten schwelgt. Jemand wie FPÖ-Nationalratsabgeordneter Bösch, der als 'Alter Herr' die Geisteshaltung der Teutonia mitträgt, hat im österreichischen Parlament nichts verloren."

    "Die Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn", die 1817 in Breslau gegründet wurde, versteht sich selbst als "gehärtet unter den Hammerschlägen kleinstaatlicher Reaktion, sieghaft auf den Barrikaden der 48er-Revolution". Der Teutonia hat sie zum 151. Stiftungsfest mit "Grüße an unser Kartell nach Wien! Heil Teutonia!" gratuliert.

    ÖVP-Generalsekretär Karl Nehammer bezeichnet die Distanzierung Böschs vom Begriff "Ostmark" als "notwendig". "Abgeordnete im Parlament der Republik Österreich müssen sich bewusst sein, dass das so nicht geht, deshalb war eine Distanzierung unausweichlich. Wir verurteilen dieses Gedankengut und jegliche Verharmlosung der NS-Zeit", sagte Nehammer in einer Aussendung. Die Verwendung des Begriffs "Ostmark" für Österreich sei "völlig inakzeptabel und verharmlost das NS-Regime. Ein Anstreifen an NS-Gedankengut werden wir nicht tolerieren." (red, APA, 4.2.2019)

    Share if you care.