Russwurm in der Politik: ORF prüft Vereinbarkeit mit Moderationsjob

    4. Februar 2019, 11:54
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    Die Medizinerin mit dem Faible für Sebastian Kurz sieht keine Probleme, da es sich um keine politische Tätigkeit handle

    Wien – Weil Vera Russwurm als Gesundheitskoordinatorin im Ressort von Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) agieren soll, prüft der ORF, ob ihr Engagement durch die Bundesregierung Auswirkungen auf ihren Moderationsjob im ORF haben wird: "Der ORF wird prüfen, ob die beiden Tätigkeiten miteinander vereinbar sind", heißt es auf STANDARD-Anfrage. Russwurm selbst sieht keine Probleme. Es handle sich nicht um eine politische Tätigkeit, sagte sie der APA.

    "Mach den ersten Schritt"

    Hartinger-Klein hatte am Sonntag in der ORF-"Pressestunde" angekündigt, dass Russwurm "als Gesundheitskoordinatorin" für die geplante Kampagne "Mach den ersten Schritt" gewonnen wurde. Die studierte Medizinerin werde als "Testimonial" auftreten und sich bei Koordination und auch mit inhaltlichem Input einbringen, sagte Hartinger-Kleins Sprecher. Im Fokus der Aktion stehen Bewegungs- und Ernährungsthemen. Starttermin wird noch keiner genannt.

    Die promovierte Medizinerin gilt als ORF-Urgestein und zählt zu den bekanntesten Gesichtern des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Sie präsentiert mehrmals im Jahr die Sendung "Vera. Das kommt in den besten Familien vor". Zuletzt erst am Freitag, 1. Februar, und bereits wieder am 8. Februar um 21.15 Uhr in ORF 2. Produziert wird das Format von der Firma Hofpower, die sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Peter Hofbauer betreibt.

    Russwurm: "Völlig unpolitisch"

    "Den Prüfungsbedarf verstehe ich", sagte Russwurm selbst, schließlich klängen die jüngsten Medienberichte ja so, "als würde ich in die Regierung wechseln". Dies sei nicht der Fall, ist sie um "Klarstellung" bemüht: "Ich bin von der Regierung beauftragt, etwas zu tun, das völlig unpolitisch ist." Ziel sei es, "mehr Gesundheit in die Bevölkerung zu bringen", und "ich lebe einfach gesund und würde das gern vermitteln". Dies sei "kein politisches, sondern ein Wohlfühlthema": "Da ist nichts Unvereinbares dabei." Schließlich sei sie früher bereits für Kampagnen etwa der Krebshilfe oder des Hauptverbands der Sozialversicherungen zur Verfügung gestanden. "Das ist einfach mein Thema."

    Vertrag bis Ende des Jahres

    Russwurm ist nicht beim ORF angestellt, sie ist keine Journalistin im Sinne des ORF-Gesetzes. Ihre Tätigkeit fällt nicht in den ORF-Verhaltenskodex, da sie im Bereich Unterhaltung angesiedelt ist. Russwurms Vertrag mit dem ORF läuft Ende des Jahres 2019 aus. "Vera. Das kommt in den besten Familien vor" gilt jedenfalls nicht als Informationssendung, sondern als Unterhaltungsprogramm. Informationssendungen schließen parteipolitisches Engagement aus.

    Bereits im Oktober 2018 sorgte sie für Verwunderung, als sie bei einer ÖVP-Veranstaltung als Moderatorin und Unterstützerin von Sebastian Kurz fungierte und den Kanzler als "gutaussehenden jungen Politiker" bezeichnete – DER STANDARD berichtete. Im Dezember stellte sie sich für einen türkisen Adventkalender zur Verfügung: Zu gewinnen gab es ein Würstlessen mit ihr. (omark, sefe, APA, 4.2.2019)

    • Wie lange kommt das noch in den besten Familien vor? Der ORF prüft, ob die Sendung mit ihrem Job in der Politik noch vereinbar ist.
      foto: orf/hubert mican

      Wie lange kommt das noch in den besten Familien vor? Der ORF prüft, ob die Sendung mit ihrem Job in der Politik noch vereinbar ist.

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