Freiheitliche Hoffnung für türkis-blauen ORF

    Analyse2. Februar 2019, 09:00
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    Noch ist Kathrin Zierhut nicht zur ORF-Personalchefin bestellt, da wird sie für den Vorstand gehandelt

    Wie Alexander Wrabetz Personal führt, lernte sie gleich in ihren ersten Tagen als Human-Resources-Chefin. Der ORF-Generaldirektor gab Kathrin Zierhut eine Liste von Mitarbeitern, die für die neu aufzubauende ORF-1-Information arbeiten sollen. Die frisch bestellte Personalmanagerin machte sich schnurstracks auf zur Zeit im Bild, zu Ö3 und wo diese Kandidaten für ORF 1 sonst noch bisher arbeiteten.

    Reihenweise Irritation

    Was Wrabetz Zierhut nicht mitgab auf ihren Weg durch das komplexe Universum ORF: Die Liste hatte die neue ORF-1-Chefin Lisa Totzauer nur für den General entworfen, mit Redakteurinnen und Redakteuren, die sie sich gut bei ORF 1 vorstellen könnte. Ebenso wenig vermittelte der ORF-Chef der neuen Human-Resources-Managerin, dass man im ORF nicht so einfach Menschen von Abteilung A in Abteilung X versetzen kann, auch nicht mit einer Namensliste vom ORF-Chef.

    Das Ergebnis: reihenweise über die forsche neue Personalbeauftragte irritierte Hauptabteilungsleiter und Senderchefs. Irritiert vor allem aber über die Forderungen der neuen Channel-Managerin Totzauer. Das neue, autonome Management für ORF 1 und ORF 2 spießte sich ohnehin schon mit der bisherigen Organisation einer auch weiter amtierenden TV-Programmdirektorin und ihren Hauptabteilungsleitern.

    Gemeinsam im ORF-Vorstand

    Gut möglich, dass Wrabetz, Totzauer und Zierhut ab 2020 gemeinsam verantwortlich in einem neuen ORF-Vorstand sitzen, den sich ÖVP und FPÖ für ihr ORF-Gesetz vorgenommen haben.

    Wrabetz, weil sein Generalsvertrag bis Ende 2021 ohnehin auszubezahlen ist. Lisa Totzauer als Hoffnungsträgerin der ÖVP, vor allem der neuen türkisen und der mächtigen niederösterreichischen Volkspartei. Und Kathrin Zierhut als Vertrauensfrau der Freiheitlichen im ORF.

    Zierhut war in den 1990ern Bezirksrätin der FPÖ im 15. Wiener Gemeindebezirk, an Bord geholt vom damaligen Parteimanager und späteren Verteidigungsminister Herbert Scheibner. Da arbeitete die Magistra der Handelswissenschaften (Wirtschaftsuniversität Wien) noch als Steuerberaterin bei Wirtschaftsprüfern.

    2009 wechselte Zierhut zum ORF ins Beteiligungsmanagement unter dem langjährigen Finanzchef und heutigen Finanzdirektor Andreas Nadler. Ihren ehemaligen Chef würde sie als ORF-Finanzvorstand praktisch beerben. Nadler empfahl Zierhut an Tochterunternehmen des ORF weiter. Mit Nachdruck von Richard Grasl, ab 2010 Finanzdirektor und 2016 unterlegene Generalshoffnung von ÖVP und FPÖ. 2015 wurde sie Finanz- und Personalchefin in einer ORF-Marketingtochter.

    Konsequent bis hart

    Dort erlebten Mitarbeiter und Betriebsräte Zierhut bei Meinungsunterschieden als sehr konsequent, einzelne sprechen gar von "beinhart". Etwa wenn es um 200 Euro monatlich mehr oder weniger für eine schon sehr bescheiden bezahlte, aber überaus produktive Mitarbeiterin ging.

    Wie ORF-General Wrabetz Personal bestellt, lernte Zierhut wiederum, noch bevor sie im September 2018 Human-Resources-Chefin des ORF wurde: Über Jahre ließ der Chef des 4000-Mitarbeiter-Konzerns mit einer Milliarde Umsatz die Schlüsselfunktion des Personal- und Organisationschefs mit Einblick in alle Dienstverträge unbesetzt. Die Bereichsleiter berichteten direkt an den General.

    Doch Wrabetz schrieb im Frühjahr 2018 nicht etwa den Personalchef aus, sondern zunächst die weit weniger einflussreiche Funktion "Human Resources". Zu wenig einflussreich für eine andere Interessentin aus dem Umfeld von ORF-Stiftungsratschef Norbert Steger (FPÖ), Sabine Schuh von der Wiener Rechtsanwaltskammer.

    Zierhut bekam den Job im September 2018. Schon wenige Monate danach soll sie zur Personalchefin aufrücken. Vorerst, und mit Aussicht auf ein Vorstandsmandat.

    Sparen mit James

    Die Personal- und Organisationsleitung bietet nicht nur schöne Aussichten: James zum Beispiel kreuzt gerade den Weg jedes ORF-Personalchefs. Mit der Software mit dem beliebten Butlernamen automatisiert der ORF aktuelle Infosendungen von Zeit im Bild bis Weltjournal. Das bedeutet: Bildmeister führen auch Regie, Regieassistenten entfallen und auch sonst so mancher Job. Statt drei Schichten sollen nur noch zwei das Infoprogramm von früh bis spät abwickeln.

    Die ORF-Redakteure wiederum sind über eine "zentrale Disposition" irritiert, die ihre Termine und Tätigkeiten präzise erfassen (und danach Ressourcen planen) soll.

    "Golden Girl"

    Und: ORF-Generaldirektor Wrabetz hat seinen Stiftungsräten schon 2016 zur jüngsten GIS-Gebührenerhöhung versprochen, binnen fünf Jahren 300 Millionen Euro und 300 Jobs einzusparen. Der türkis-blaue ORF-Stiftungsrat pocht auf die Sparversprechen und verlangt noch mehr. "Es wird Kündigungen geben müssen", soll Wrabetz intern schon erklärt haben. Eine Aufgabe für den neuen ORF-Personalchef. Und ebenso für einen Finanzvorstand, zuständig womöglich auch für das Personal (wie sich das schon Grasl wünschte) und die Technik. Dort identifizieren ORF-Stiftungsräte von ÖVP und FPÖ großes Sparpotenzial.

    Freitagabend feierte Zierhut im Palais Schönborn-Batthyany* – einen privaten Anlass und gemeinsam mit einem weiteren "Golden Girl" (Einladung) ihren 50. Geburtstag. Soweit man eben mit so manchen Kollegen aus dem ORF-Management privat feiert. (Harald Fidler, 3.2.2019)

    * Korrektur: Ursprünglich war hier zu lesen, Zierhut feiere im Schloss Schönbrunn – tatsächlich fand das Fest im Palais Schönborn-Batthyany statt.

    • Kathrin Zierhut gilt als aussichtsreichste Kandidatin für die Personal- und Organisationsleitung des ORF – mit weniger schönen Aussichten, anstehenden Jobabbau zu managen.
      foto: orf/thomas ramstorfer

      Kathrin Zierhut gilt als aussichtsreichste Kandidatin für die Personal- und Organisationsleitung des ORF – mit weniger schönen Aussichten, anstehenden Jobabbau zu managen.

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