Direktor des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Kiew entlassen

    1. Februar 2019, 11:33
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    Alassanija verstörte Regierende mit unabhängiger Programmpolitik. Der Sender hatte eine Wahlkampfauftakt Poroschenkos nicht live übertragen

    Kiew – Zwei Monate vor der Präsidentenwahl ist der Direktor des ukrainischen öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders ("UA: Perschyj"), Surab Alassanija, am Donnerstag überraschend entlassen worden. Beobachter und auch Alassanija vermuteten politische Motive. Der Sender hatte sich seit 2014 unabhängig positioniert und damit den Unmut der Politik zugezogen, die etwa mit Budgetkürzungen reagierte.

    Anders als öffentlich-rechtliche Sender in vielen europäischen Ländern hat sein ukrainisches Pendant keine Breitenwirksamkeit. Nachdem er im vergangenen Oktober seine analoge Ausstrahlung einstellen musste, halbierte sich sein ohnehin bescheidener Marktanteil auf 0,55 Prozent.

    Zwei Monate vor den Präsidentschaftswahlen

    Die Kündigung des bis 2021 laufenden Vertrags mit dem Fernsehdirektor wurde am Donnerstag in einer Sitzung des politisch besetzten Aufsichtsrats beschlossen, der für diesen unerwarteten Schritt zunächst keine konkreten Gründe anführte. "Der Direktor des öffentlich-rechtlichen Fernsehens wurde zwei Monate vor den Präsidentschaftswahlen entlassen. Zuvor hatte der Sender (am Dienstag, Anm.) die Wahlkampfauftaktveranstaltung von (Präsident Petro) Poroschenko nicht live ausgestrahlt", kommentierte der oppositionelle Parlamentarier Jegor Sobolew (Samopomitsch) am Donnerstag auf Twitter.

    Die von der Regierenden nicht kontrollierbaren Nachrichtensendungen von "UA: Perschyj" sowie die Ausstrahlung des investigativen Fernsehmagazin "Schemy" seien die Ursachen seiner Entlassung, erklärte Alassanija am Freitagvormittag gegenüber der APA. "Schemy", eine Produktion der ukrainischen Dependance des US-amerikanischen "Radio Liberty", hatte mit seinen Recherchen nahezu alle politischen Kräfte des Landes verstört, insbesondere auch Präsident Petro Poroschenko.

    Unabhängigkeit

    Der zuvor im ostukrainischen Charkiw als Medienmanager tätige Alassanija war nach dem Machtwechsel in Kiew 2014 angetreten, den verstaubten staatlichen ersten Fernsehsender in eine öffentlich-rechtliche Anstalt nach westeuropäischem Vorbild zu verwandeln. Insbesondere setzte er auf inhaltliche Unabhängigkeit, er stoppte verdeckte Werbung und machte der Staatsspitze deutlich, dass Interventionen sinnlos seien. Die Mächtigen antworteten wiederholt mit drastischen Budgetkürzungen, die nicht nur Alassanijas programmatischen Ambitionen deutlich erschwerten. (APA, 1.2.2019)

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