Aufregung um türkis-blauen Postenschacher bei OeNB-Besetzung

    30. Jänner 2019, 13:35
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    Der neue ÖVP-nahe Nationalbank-Direktor Thomas Steiner ist der Bruder eines Kurz-Vertrauten. Eduard Schock wird mangelnde Kompetenz unterstellt

    Wien – Das am Dienstag offiziell präsentierte neue Direktorium der Österreichischen Nationalbank (OeNB) sorgt für Aufregung. Das Stichwort Postenschacher spielt dabei in diversen Foren und sozialen Netzwerken eine zentrale Rolle. Farblich ist das Quartett unschwer zuordenbar.

    Wie erwartet wird Robert Holzmann, ehemaliger Direktor der Weltbank, der neue Gouverneur. Seine Nähe zur FPÖ war nie ein Geheimnis. Der künftiger Vize, Fiskalratschef Gottfried Haber, gehört dem türkisen Lager an.

    Aufregung um neue Direktoren

    Der ÖVP-nahe Überraschungskandidat für einen der beiden Direktorenposten, Thomas Steiner, erregt die Gemüter. Denn der derzeitige Chef der Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) ist der Bruder von Stefan Steiner, einem engen Vertrauten und Berater von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), wie die "Kleine Zeitung" berichtet. In der Vergangenheit arbeitete er als stellvertretender Kabinettschef unter der damaligen Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP).

    Den zweiten Direktor stellt mit dem nichtamtsführenden Wiener Stadtrat Eduard Schock die FPÖ. Kritik an dieser Besetzung übte kürzlich der ÖVP-nahe ehemalige Nationalbank-Präsident Claus Raidl. In der "ZiB 2" bezeichnete er Schock als zu wenig qualifiziert für diesen Posten.

    "Schock ist sicher ein wunderbarer Mensch, aber mit seinen bisherigen Lebenserfahrungen entspricht er nicht den Anforderungen der Ausschreibung", sagte Raidl. Für die Stelle seien unter anderem mehrjährige Erfahrung im Bereich Währungs- und Finanzmarktpolitik sowie langjährige Managementerfahrung notwendig – beides bringe Schock laut Raidl nicht ausreichend mit.

    foto: apa

    Kritik von Neos

    In seiner Kritik am türkis-blauen Postenschacher bestätigt sieht sich Neos-Finanzsprecher Sepp Schellhorn: "Strache scheint mit seiner SMS nach Personalwünschen ja erfolgreich gewesen sein: Er konnte sich Posten und Macht für seine Günstlinge sichern, die ÖVP spielt mit ihrer langjährigen Erfahrung beim Thema Postenschacher mit. Einmal mehr zeigt sich: Wie so oft bekommt Schwarz-Blau keine Reform ohne Postenschacher hin. Parteipolitik ist auch der Regierung Kurz/Strache wichtiger als Reformen", schreibt Schellhorn in einer Aussendung. (red, 30.1.2019)

    • Die Nationalbank schimmert künftig in Türkis-Blau.
      foto: reuters/bader

      Die Nationalbank schimmert künftig in Türkis-Blau.

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