UNHCR: Todesrate bei Flucht von Libyen aus stieg fast ums Dreifache

    30. Jänner 2019, 07:54
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    Mehr Menschen als bisher bekannt würden bei der Flucht ertrinken, da nicht alle gesunkenen Boote entdeckt werden

    Genf – Die tödlichen Gefahren der Flucht über das Mittelmeer haben für Flüchtlinge und Migranten im vergangenen Jahr nach UN-Angaben alarmierende Ausmaße angenommen. Besonders drastisch war die Entwicklung zwischen Libyen und den EU-Ländern Malta und Italien, berichtete das Flüchtlingshochkommissariat UNHCR in Genf.

    Dort stieg die Todesrate fast auf das Dreifache: Während 2017 bei 38 Ankömmlingen im Durchschnitt ein Migrant auf See ums Leben kam, war es im vergangenen Jahr ein Toter pro 14 Ankömmlinge. Wahrscheinlich habe die Einschränkung der Such- und Rettungsmissionen dazu beigetragen, so das UNHCR.

    Sechs Tote pro Tag

    Jeden Tag seien im Durchschnitt sechs Menschen ums Leben gekommen. Im Jahr davor waren es zwar mehr als acht Menschen pro Tag, da waren die Flüchtlingszahlen aber auch deutlich höher. Insgesamt kamen fast 117.000 Menschen über das Mittelmeer nach Europa. Mindestens 2.275 seien ums Leben gekommen. Im Jahr davor waren es 172.000 Ankömmlinge und 3.139 Tote. Über das ganze Mittelmeer gesehen stieg die Todesrate damit von einem Toten pro 55 auf einen Toten pro 51 Ankömmlinge.

    Hilfsorganisationen verweisen aber immer darauf, dass wahrscheinlich mehr Menschen bei der Flucht ertrinken. Nicht alle untergehenden Boote und Opfer würden überhaupt entdeckt.

    "Man kann sich nicht aussuchen, ob man Menschen in Seenot rettet oder nicht. Es ist keine Frage der Politik, sondern eine uralte Pflicht", sagte UNHCR-Chef Filippo Grandi. "Wir können diese Tragödien beenden, in dem wir Mut und Vision zeigen und nicht nur das nächste Flüchtlingsboot sehen, sondern eine langfristige Lösung mit regionaler Kooperation finden, bei der das menschliche Leben und die Würde im Mittelpunkt stehen."

    Verlagerung nach Spanien

    Die Flüchtlingsrouten haben sich im vergangenen Jahr Richtung Spanien verschoben. Während die Zahl der Ankömmlinge in Italien um 80 Prozent auf gut 23.000 zurückging, stieg sie in Spanien um 164 Prozent auf knapp 59.000. Viele Boote legen inzwischen in Marokko ab. Das UNHCR rief dazu auf, den Menschenschmugglern das Handwerk zu legen. (APA, 30.1.2019)

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      foto: ap/chris grodotzki
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