Hyäne Fischer nicht beim Song Contest: "Eva Braun hatte keine Band"

    Interview30. Jänner 2019, 07:15
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    Pænda beim Song Contest in Tel Aviv: Darüber kann die Kunstfigur aus dem Umkreis der Burschenschaft Hysteria nur den Kopf schütteln

    Ein Interview mit Hyäne Fischer? Das ist auch zwei Monate nachdem ihr Song veröffentlicht wurde, nicht so einfach möglich. Hyäne Fischer ist eine Kunstfigur, ausgedacht von einigen Frauen aus dem Umkreis der feministischen Burschenschaft Hysteria. Mit dem Song Im Rausch der Zeit bewarb sie sich um die Teilnahme am heurigen Eurovision Song Contest (ESC). Daraus wurde nichts, wie sie in einem E-Mail-Interview zerknirscht eingesteht.

    STANDARD: Die Sängerin Pænda wird Österreich beim heurigen ESC vertreten. Bedeutet dies das Aus für das Hyäne-Fischer-Projekt?

    Fischer: Ich muss zugeben, dass ich gerade etwas geknickt bin. Ich hab mich die letzten Wochen und Monate intensiv auf die Teilnahme am ESC in Tel Aviv vorbereitet. Ein Platz im Finale wäre Österreich mit meinem Song sicher gewesen. Pænda möchte ich dennoch alles Gute für die Teilnahme wünschen. Mein Krafttier ist zufällig der Pandabär, deshalb deute ich es als ein gutes Omen, dass die Gabi den Panda als Künstlernamen gewählt hat.

    STANDARD: Planen Sie trotzdem, nach Israel zu fahren?

    Fischer: Ja, einfach um dort zu netzwerken und eventuell bei Showcases zu performen. Hole ich mir die Trophäe halt nächstes Jahr! Der ESC ist aber sicher nicht die einzige Aufgabe von Hyäne Fischer, da steht noch einiges bevor!

    STANDARD: Im Eva-Braun-Look nach Israel zu fahren, das hätte für viele eine Grenzüberschreitung bedeutet. Verstehen Sie die Kritik?

    Fischer: Wer Lodenbekleidung automatisch mit Eva Braun gleichsetzt, ist wohl noch nie aus Wien rausgekommen. Eva Braun hatte auch keine Band.

    hyaene fischer

    STANDARD: War diese Problematik ein Grund, warum sich der ORF gegen Sie entschieden hat?

    Fischer: Der ORF hat mich in den letzten Wochen sehr unterstützt: Im Rausch der Zeit lief in Heavy Rotation auf FM4, es gab Fernsehinterviews, die ORF-Belegschaft hat sogar auf der Weihnachtsfeier auf dem Küniglberg kräftig zu dem Song mit dem Popo gewokit. Darum bin ich noch bestürzter, dass es nicht geklappt hat.

    STANDARD: Wie transparent war die ORF-Entscheidungsfindung?

    Fischer: Sehr intransparent. Zu einer Entscheidung kann es aber auch erst kommen, wenn man oder frau herausgefunden hat, wie man sich bewirbt. Da könnte sich durchaus etwas ändern, um Fairness für junge Künstler und Künstlerinnen zu schaffen.

    STANDARD: Haben Sie vom ORF Feedback zur Entscheidung bekommen?

    Fischer: Feedback habe ich keines bekommen, aber meinen Traum gebe ich nicht auf. Pænda singt vielleicht für den ORF, aber ich singe für Österreich.

    STANDARD: Hyäne Fischer wurde immer wieder mit Laibach verglichen. Das Schlagwort "Subversion durch Affirmation" fiel häufig. Können Sie dem Laibach-Vergleich etwas abgewinnen?

    Fischer: Der Laibach-Vergleich wurde an mich herangetragen, und ich bin etwas müde, darüber zu reden. Die Band interessiert mich nicht.

    STANDARD: Es wurden viele Thesen darüber aufgestellt, was und wer Hyäne Fischer ist. Vom Kunstprojekt bis zur Satire aus dem Hause Burschenschaft Hysteria. Was oder wer ist Hyäne Fischer nun eigentlich?

    Fischer: Alles muss sofort in eine Schublade gesteckt werden. Wenn man jemandem kein Schildchen umhängen kann, herrscht totale Überforderung.

    STANDARD: Was empfanden Sie in der Berichterstattung als das größte Missverständnis?

    Fischer: Ich würde nicht von Missverständnissen sprechen, aber man müsste mal nachdenken, ob nicht der Rahmen falsch gesetzt ist! Die Berichterstattung empfand ich als etwas einseitig, aber das zeigt ja nur, wie überfordert Journalisten und Journalistinnen sind, wenn es darum geht, über Frauen zu schreiben.

    STANDARD: Was planen Sie als Nächstes? Duette mit Helene Fischer oder gar Andreas Gabalier?

    Fischer: Haha, ein Duett mit Helene wäre natürlich ein Knaller. Ich habe mit meiner Familie zu Weihnachten ihre Fernsehshow angesehen, sie ist wirklich ein Allroundtalent. Aber wer weiß schon, was das Jahr bringen wird. Es ist auf jeden Fall mein Jahr! (Amira Ben Saoud, Stephan Hilpold, 30.1.2019)

    • Lodenmäntel und Gamsbärte: Mit ihrem Retrolook verwischt Hyäne Fischer  die Grenze zwischen Subversion und Affirmation.
      foto: youtube/hyäne fischer

      Lodenmäntel und Gamsbärte: Mit ihrem Retrolook verwischt Hyäne Fischer die Grenze zwischen Subversion und Affirmation.

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