Android-Bloatware: Wie man fix vorinstallierte Apps los wird

    9. Juni 2019, 10:30
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    Auch ohne Root-Rechte lassen sich nervende Apps komplett deaktivieren – eine Anleitung

    Die Definition dessen, was Bloatware ist, mag von Nutzer zu Nutzer schwanken. Bei einem sind sich aber schnell alle einig: Vorinstallierte Apps, die man schlicht nicht braucht, sind eine echte Plage. Sie nehmen Platz im Launcher weg, und lenken so von den wirklich benötigten Programmen ab. Und im schlimmsten Fall nerven sie auch noch regelmäßig mit aufdringlichen Benachrichtigungen oder werden gleich beim Start automatisch gestartet und verbrauchen so wertvolle Systemressourcen. Doch das muss nicht so sein. Denn auch diese Apps lassen sich dauerhaft aus dem Weg räumen.

    Disclaimer

    Vorab der Hinweis: Keine diese Methoden kommt einer kompletten Entfernung gleich, das verhindern die Android-Sicherheitssperren. Dafür müsste ein Nutzer schon Root-Rechte haben, und ohne das nötige Fachwissen ist von einem solchen Schritt abzuraten. Und selbst da würde eine komplette Entfernung nur wenig Unterschied ausmachen: Da vorinstallierte Pakete unter Android auf einer eigenen Partition liegen, lässt sich durch deren Entfernung auch kein zusätzlicher Platz für Nutzerdaten gewinnen. Aus diesem Grund geben wir uns als im Folgenden mit einer simplen Deaktivierung zufrieden.

    Disable

    Bei den allermeisten Bloatware-Apps ist der Weg zur Deaktivierung ein simpler: In den Systemeinstellung von Android gibt es einen Punkt namens "Apps", unter dem alle installierten Programme aufgelistet sind. Infolge muss man nur mehr die gewünschte App auswählen, woraufhin sich die Detailansicht auftut. Dort findet sich dann wiederum ein Button namens "Disable" oder "Deaktivieren". Betätigt man diesen, wird das betreffenden Programm dann nicht nur aus der App-Liste entfernt, es wird auch beim Systemstart gar nicht mehr aufgerufen. Android warnt übrigens an dieser Stelle, dass eine Deaktivierung negative Auswirkungen auf das System haben könnte. Hat der Hardwarehersteller nicht gröber gepatzt, sollte dies aber eigentlich nicht passieren. Und falls doch ist dieser Schritt einfach umkehrbar: Über den selben Dialog – oder aber auch über den zugehörigen Eintrag im Play Store – kann die App dann einfach bei Bedarf wieder aktiviert werden.

    screenshot: andreas proschofsky / der standard
    Bei den meisten vorinstallierten Apps ist eine Deaktivierung einfach.

    Schwere Geschütze auffahren

    Doch es gibt auch immer wieder Apps, bei denen dieser simple Trick nicht funktioniert, etwa weil der Hersteller die Deaktivierung unterbindet. Hier hilft dann der Griff zu von Google zur Verfügung gestellten Entwicklertools. Bieten diese doch die Möglichkeit auch jene Apps zu deaktivieren, bei denen dies über das grafische Interface nicht möglich ist. Dazu vorab zwei Hinweise: Einerseits ist dazu gewisse technische Grundkenntnisse vonnöten. Und auch sonst sollte man genau wissen, was man hier tut. Denn solche Apps sind oft aus guten Gründen nicht deaktivierbar, etwa weil sie von anderen Systembestandteilen gebraucht werden. Eine Deaktivierung kann dann im schlimmsten Fall dazu führen, dass das Smartphone gar nicht mehr startet. Eine dauerhafte Beschädigung ist über diesen Trick zwar – wie gesagt – nicht möglich. Allerdings hilft bei etwaigen Problemen dann nur mehr ein Factory Reset, was mit einem kompletten Neueinrichten des Geräts einhergeht.

    Android Debug Bridge

    Basis all dessen ist das Debugging-Tool adb, das Google für Windows, Mac und Linux zur Verfügung stellt. Dieses muss zunächst heruntergeladen und auf dem eigenen Rechner installiert werden. Danach gilt es am Smartphone USB Debugging zu aktivieren, was über den passenden Punkt in den Entwicklereinstellungen geht. Diese sind allerdings von Haus aus deaktiviert, und können über ein siebenfaches Klicken auf die "Build Number" in den Systeminformationen eingeblendet werden.

    screenshot: andreas proschofsky / der standard
    USB Debugging muss aktiviert sein.

    Danach wird das Smartphone mit dem Computer verbunden, und der Zugriff auf USB Debugging erlaubt. Letzteres wird über einen Dialog, der am Smartphone eingeblendet wird, abgewickelt. Die Steuerung von adb folgt über die Kommandozeile, mit einem simplen "adb devices" prüft man zunächst, ob das Smartphone erkannt wird, und startet auch gleich den zugehörigen Dienst. Anschließend folgt der Einstieg in das Tool über "adb shell".

    Nun gilt es zunächst das passende Paket aufzuspüren. Über den Befehl "pm list packages" werden sämtliche am Gerät installierten Pakete angezeigt. Wer gezielter Suchen will, kann dies mithilfe des grep-Befehls, also etwa nach dem Muster

    pm list packages | grep 'suchbegriff'

    Alternativ kann man sich auch Tools wie App Inspector bedienen, die den kompletten Paketnamen einer Anwendung ebenfalls anzeigen können. Auch viele Dateimanager bieten eine ähnlich Funktionalität. Der gesuchte Paketname folgt dabei immer einem ähnlichen Muster, das unter anderem den Namen des Herstellers beinhaltet. Für den Google Taschenrechner wäre das etwa "com.google.android.calculator".

    screenshot: andreas proschofsky / der standard
    Die wichtigsten Befehle als Screenshot. Die Device ID wurde dabei ausgeblendet.

    Danach kann es dann an die eigentlich Entfernung gehen. Diese erfolgt über den Befehl

    pm uninstall -k --user 0

    Im Falle etwa des von manchen Providern eingeblendeten aber von wenigen Nutzern verwendeten SIM Toolkits für Mehrwertdienste wäre dies dann also etwa:

    pm uninstall -k --user 0 com.android.stk

    Die Parameter "-k" und "--user 0" sind dabei entscheidend, und legen auch schon nahe, was hier eigentlich passiert. Das Paket wird nämlich durch diesen Befehl für den einzelnen Nutzer-Account entfernt. Insofern sollte man zu dieser Methode auch nur dann greifen, wenn es wirklich nicht anders geht, da sie eben bloß mit einem Factory Reset rückgängig zu machen ist. Auf folgende Systemupdates hat das Ganze hingegen keine Auswirkung. Diese funktionieren weiterhin problemlos, da das eigentliche System nicht verändert wurde. (Andreas Proschofsky, 9.6.2019)

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