Forschern gelingt Doppelschlag gegen Leukämiezellen

    30. Jänner 2019, 06:00
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    Wiener Forscher identifizierten einen Ansatz, um die Kombinationen von Medikamenten für Leukämie-Patienten zu verbessern

    Wien – Für Leukämie zugelassene Medikamente verlangsamen oft nur das Fortschreiten der Krankheit, in seltenen Fällen können sie den Krebs ganz besiegen. Das heißt für betroffene Patienten, dass sie die Arzneimittel dauerhaft einnehmen müssen, das Risiko schwerer Nebenwirkungen wie Fieber, Schmerzen und chronische Müdigkeit steigt.

    Viele neue Krebsmedikamente schalten gezielt einzelne Eiweiße aus, die für das Wachstum von Krebszellen wichtig sind. Ein Beispiel ist Ibrutinib, ein im Jahr 2014 zugelassenes Medikament, das gegen die chronische lymphatische Leukämie eingesetzt wird. Diese Krankheit wird durch unkontrolliertes Wachstum von Zellen des körpereigenen Immunsystems verursacht. Es ist die häufigste Leukämie in der westlichen Welt.

    Ibrutinib durchbricht den Kreislauf des ungebremsten Zellwachstums und ermöglicht auch Hochrisiko-Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie ein langes Überleben. Um die Behandlung der chronischen lymphatischen Leukämie zu verbessern, erforschen Wissenschafter die gezielte Kombination mehrerer Krebsmedikamente. Sie suchen nach Medikamenten, die potenzielle Schwachstellen der mit Ibrutinib behandelten Leukämiezellen ausnutzen können.

    Leukämie hart treffen

    Um solche Schwachstellen zu finden, untersuchte ein Team um Christoph Bock vom Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), welche Veränderungen in der Genregulation (epigenetische Veränderungen) der seit 2014 zugelassene Wirkstoff Ibrutinib in den Krebszellen von Patienten mit "chronischer lymphatischer Leukämie" (CLL) hervorruft.

    Die Forscher prüften an Blutproben von Patienten, die gerade mit Ibrutinib behandelt wurden, ob es Medikamente gibt, die speziell die geschwächten Leukämiezellen abtöten. Die gibt es, wie die Wissenschafter herausfanden: Sie identifizierten Hemmstoffe für verschiedene Signalgeber der Krebszellen, die ihnen ungebremstes Wachstum ermöglichen. Mit solchen Medikamenten-Kombinationen könne man die Leukämie in Zukunft vielleicht so hart treffen, dass die Behandlung nach einiger Zeit ohne negative Auswirkungen abgesetzt werden kann, erklären die Studienautoren.

    Auch Behandlungsfortschritte bei akuter lymphatischen Leukämie

    Auch bei der "akuten lymphatischen Leukämie" (ALL) konnten Wiener Forscher in einer aktuellen, im Fachjournal "Leukemia" veröffentlichten Studie ein Angriffsziel für Therapien besser charakterisieren. Ein Team um Veronika Sexl vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien fand heraus, dass von einem Genschalter-Zwillingspaar nur ein Zwilling die Krebskrankheit maßgeblich vorantreibt.

    In früheren Arbeiten zeigte Sexl, dass ein Eiweißstoff namens "Stat5" essenziell für die Entstehung dieser Leukämieform ist. Entfernt man ihn, stirbt die Tumorzelle. Es gibt aber zwei Vorlagen dafür, nämlich "Stat5a" und "Stat5b". Sie gleichen einander zu mehr als 90 Prozent, aber nur der nach Vorlage b gebildete Bruder hat eine Schlüsselrolle in der Krebsentstehung inne, so die Forscher. (APA, red, 30.1.2019)

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