Tod einer Flüchtlingshelferin: Wie gefiel Ihnen der "Tatort"?

Ansichtssache27. Jänner 2019, 17:22
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Was sechs Jahre nie richtig in Schwung kam, findet im "Tatort" an diesem Sonntag sein Ende: Jens Stellbrink vertschüsst sich – mit einem Fall unter Migrationshelfern.

Devid Striesow ist wieder einmal großartig, aber das Drehbuch macht dem Saarbrückener "Tatort"-Kommissar einmal mehr einen Strich durch die Rechnung, finden DER STANDARD und "Der Spiegel". Und wie gefällt Ihnen dieser "Tatort"?

foto: orf/ard/sr/manuela meyer

Die Story

Die Schwesternschülerinnen Vanessa und Anika (Lucie Hollmann) sehen einander verblüffend ähnlich. Anika arbeitet in der Initiative "Mediziner für Illegale" mit, und hier hat sie auch Kamal Atiya (Mehdi Meskar) kennengelernt, der mit seinem jüngeren Bruder in Deutschland lediglich geduldet wird.

Als Anika erfährt, dass Kamal als Zuträger für die Ausländerbehörde arbeitet, droht sie ihm, ihn auffliegen zu lassen. Zwei Stunden später trifft Anika im Wohnheim ein. Dort findet sie ihre leblose Freundin Vanessa. Jens Stellbrink (Devid Striesow) nimmt seine Ermittlungen auf. Anika steht vor der schwierigen Frage, ob Kamal Atiya nicht nur ein Verräter ist, sondern auch ein Mörder?

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Es hilft gar nichts

"Die Aufklärung zieht sich, die Fäden, die hier gesponnen werden, wirken allzu konstruiert, die Charaktere wie mit Schablonen gezeichnet", diagnostiziert Astrid Ebenführer im STANDARD. "Dieses Drehbuch (Michael Vershinin, Zoltan Spirandelli) kann auch ein hervorragender Schauspieler wie Devid Striesow nicht retten. Da hilft auch der dramatische Showdown nichts."

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Zu wenig relevant

"Überhaupt gibt man sich wenig Mühe, den Kosmos der sogenannten Illegalen, der ja naturgemäß im Verborgenen liegt, in allen seinen Widersprüchen auszuleuchten. Die Figuren nicht deutscher Herkunft bleiben oft gut gemeinte Klischees – die dann unfreiwillig ins Negative kippen", schreibt Christian Buß im "Spiegel".

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Einfach zuviel

Die Folge lasse Welten aufeinanderprallen, urteilt Daniele Muscionico auf nzz.ch: "Hier die böse Ausländerbehörde, dort die vor allem guten illegal eingereisten Flüchtlinge. Die Story ist ein Schwarzpeter-Spiel, und sie macht in ihrer Offensichtlichkeit nicht wirklich gute Laune. Doch man ist Striesow gegenüber verpflichtet, nicht angesäuert zu sein. Haltungsnote eins hat er verdient!"

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Hysterie beim Verfassungsschutz

"Geflüchtete, so der Subtext des ambitionierten, aber nicht durchweg überzeugenden Abschiebe-"Tatorts", werden durch die korrumpierte Bürokratie in Verbrechen verwickelt. Oder sie werden gemobbt." Insgesamt zeige der Krimi aber mehr Interesse an der Botschaft als an seinen Protagonisten, deren Zeichnung skizzenhaft bleibe. "Schade eigentlich bei einem so relevanten Thema", analysiert Manfred Riepe im "Tagesspiegel". (red, 27.1.2019)

Und wie sehen Sie Devid Striesows Abschied vom "Tatort"? Hier im Forum ist Platz für Ihren Befund:

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