US-Digitalmedien auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern

    29. Jänner 2019, 12:00
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    Kürzungen bei Buzzfeed und "Huffington Post" – Bereitschaft zu Bezahlabo groß wie nie, Podcasts stärker gefragt

    Wien – Jeder Klick ein Treffer – und dadurch letztlich mehr Einnahmen: Das Erfolgsprinzip so mancher digitaler US-Nachrichtenplattformen erfährt derzeit einen herben Rückschlag. Es gipfelte vergangene Woche mit einem Brief Jonah Perettis, CEO der Plattform Buzzfeed, an die Mitarbeiter, wonach das Unternehmen die Zahl der Beschäftigten um 15 Prozent oder um rund 250 Stellen auf rund 1100 Mitarbeiter weltweit reduzieren wird. Internationale Niederlassungen sind ebenfalls betroffen – so schließt Buzzfeed laut Medienberichten sein Büro in Spanien. Der Ableger in Deutschland ist nicht betroffen.

    Fast zeitgleich wurde bekannt, dass sich Verizon Communications von rund 800 Mitarbeitern trennen wird. Zu Verizon gehören Onlineplattformen wie Huffington Post, Yahoo und AOL. Warner Media kündigte an, seinen digitalen Investment-Arm Warner Media Investments zu schließen. Im vergangenen November wurde die gesamte Redaktion der Newssite mic.com entlassen, das Unternehmen um fünf Millionen Dollar an Bustle Media verkauft. Ebenfalls betroffen sind Digitalmedien von Refinery 29, Billboard und The Hollywood Reporter.

    Wie berichtet, wird die deutsche Ausgabe des Nachrichtenportals Huffington Post am 31. März eingestellt. Burda Forward und das internationale Team der Huffington Post hatten das Portal im Oktober 2013 in Deutschland gestartet.

    Google und Facebook profitieren

    Sinkende Werbeeinnahmen und hohe laufende Kosten machen diesen Unternehmen quer durch die Bank zu schaffen. 2018 erwirtschaftete Buzzfeed zwar einen Umsatz von mehr als 300 Millionen Dollar, was einer Steigerung von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Sehr optimistisch blicken die Manager aber offenbar nicht in die Zukunft. Davon profitieren dürften letztlich die digitalen Riesen – Google, Facebook und Amazon. Analysten schätzen, dass die beiden Giganten bis 2020 mehr als die Hälfte der weltweiten Werbeausgaben unter sich aufteilen werden können, berichtet der Guardian.

    Demnach würden Google und Facebook zwischen 2017 und 2020 um 75 Prozent wachsen, während andere digitale Medienunternehmen nur um 15 Prozent zulegen. Das liegt an ungleich höheren technologischen Möglichkeiten, mit denen die Riesen Werbekunden zielgenauer erreichen. Das zunehmend raue Klima in der Branche zwingt Verleger dazu, nach neuen Einnahmequellen zu suchen. Die Reportageplattform Vice hat sich mit dem US-Bezahlsender HBO zusammengetan und strahlt dort Formate aus. Buzzfeed verkauft Haushaltswaren der Marke Tasty über Walmart.

    Abomodelle im Aufwind

    Viele legen ihre Hoffnungen in Podcasts. Der Economist vergrößert sein Audioteam, das Wall Street Journal verfolgt eine ähnliche Initiative.

    Zudem scheint die Bereitschaft, für Inhalte zu bezahlen, so hoch wie noch nie: 118 Millionen Dollar brachte etwa der New Yorker laut Guardian über sein Abomodell ein. Condé Nast kündigt an, alle seine Publikationen bis Ende des Jahres hinter eine Paywall zu stellen. Dazu gehören etwa Vogue, Glamour, AD und GQ.

    Die Nachricht von den schwächelnden Onlinemedien spielt US-Präsident Donald Trump in die Hände. Per Tweet ließ er ausrichten, dass der Stellenabbau "Fake-News und schlechtem Journalismus geschuldet" seien. "Traurigerweise werden viele folgen. Die Menschen wollen die Wahrheit!", twitterte der Präsident. Trumps Kommentare wurden von koordinierten Online-Attacken begleitet an entlassene Journalisten von Buzzfeed und Huffington Post mit Todesdrohungen und antisemitischen Inhalten. (Doris Priesching, 29.1.2019)

    Lust auf Podcast? Im STANDARD-Podcast Serienreif erklärt die Regisseurin Sabine Derflinger, warum sie ausgerechnet Ozark liebt. Zum Anhören hier und auf Spotify und iTunes:

    • Buzzfeed kündigt mehr als 200 Mitarbeiter.
      foto: ap / richard vogel

      Buzzfeed kündigt mehr als 200 Mitarbeiter.

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