Pilot: "Die Verspätung zieht sich oft über den ganzen Tag"

    28. Jänner 2019, 12:38
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    Ein 30-jähriger Pilot aus Wien, der anonym bleiben möchte, berichtet von seinem Arbeitsalltag – und erklärt, ob der Beruf noch erstrebenswert ist

    "Ich mag das Fliegen. Ich mag die Verantwortung für das Flugzeug, die Herausforderung, die Passagiere trotz widriger Wetterbedingungen und teils unrealistischer Flugpläne möglichst pünktlich und natürlich sicher zum Ziel zu bringen.

    Das ist wirklich nicht einfach. Oft haben wir zwischen den Flügen nur eine halbe Stunde am Boden. In der Zeit muss man alles erledigen: die Triebwerke abstellen, die Leute das Flugzeug verlassen lassen, die neue Flugroute programmieren, Sprit und Informationen über das Wetter organisieren und berechnen, ob man mit der Beladung bei den Wetterbedingungen überhaupt starten kann. Dann sollen schon die Passagiere für den nächsten Flug an Bord sein und die Triebwerke gestartet werden. Das kann eng werden und man hat nicht einmal Zeit, auf die Toilette zu gehen. Wenn dann irgendetwas nicht passt, beispielsweise das Flugzeug enteist werden muss, und das ist im Winter oft der Fall, fliegt man mit Verspätung ab. Diese Verspätung lässt sich üblicherweise nicht mehr aufholen, sie zieht sich oft über den ganzen Tag. Das ist wie ein Dominoeffekt.

    Gehalt und Spesen

    Ein weiterer Nachteil an meinem Job ist der Schichtdienst. An einem Tag beginnt mein Dienst um 5.30 Uhr, und ich muss kurz nach drei Uhr aufstehen. Am nächsten Tag wiederum fange ich erst um 15.30 Uhr an. Ich muss also abends fit sein. Wegen der unregelmäßigen Arbeitszeiten kann ich meine Freizeit schlecht planen und bin oft nicht da, wenn Freunde oder Familie Geburtstag haben. Im Extremfall verbringe ich 15 Nächte pro Monat im Hotel.

    Dafür ist der Verdienst gut. Nach drei Jahren liegt mein Grundgehalt bei 2.700 Euro netto pro Monat – dazu kommen Spesen. Diese liegen zwischen 200 und 600 Euro. Ausschlaggebend für die Höhe ist die "time away from base", die Zeit, die ich unterwegs war. Wenn ich weg bin, ist das Leben natürlich kostspieliger, denn Essen gehen kann teuer werden, gerade in Ländern, in denen das Preisniveau über unserem liegt. In Zürich habe ich letztens umgerechnet 16 Euro für einen Döner Kebab bezahlt. Die Bezahlung variiert in der Branche allerdings stark. Man macht genau den gleichen Job wie andere – bekommt aber je nach Firma um einiges mehr oder weniger.

    Aktuell gute Jobchancen

    Meine Ausbildung habe ich bei einer anderen Airline gemacht, der Lufthansa. Sie hat circa zwei Jahre gedauert. Gekostet hat mich das erst mal nichts. Werde ich aber übernommen, muss ich 30.000 zurückzahlen. Dass die Flugschüler einen Teil der Kosten übernehmen, ist bei vielen Airlines so. Bei einer privaten Ausbildung müssen sie alles selbst bezahlen.

    Die Jobchancen nach der Ausbildung sind derzeit gut. Das kann sich aber jederzeit ändern. Das Airline-Business ist schwer planbar. Wenn man denkt, keine Piloten zu brauchen, werden keine ausgebildet, obwohl kurze Zeit später großer Bedarf da wäre. Dann werden wieder mehr ausgebildet, die dann schließlich keine Stelle bekommen. Derzeit sind Piloten jedenfalls sehr gefragt." (Jobgespräch: Lisa Breit, 28.1.2019)

    • Symbolfoto: Der Pilot auf diesem Bild fliegt für Ryanair. Fliegen scheint er auch zu mögen.
      foto: apa/afp/anatolii stepanov

      Symbolfoto: Der Pilot auf diesem Bild fliegt für Ryanair. Fliegen scheint er auch zu mögen.

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