"Bier Royal": Palfrader schäumt

    Ansichtssache26. Jänner 2019, 08:00
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    Robert Palfrader passt zu Gisela Schneeberger wie Weißwurst zur Maß – obwohl ihm das Ungustl-Sein langsam fad wird. Am Samstag im ORF

    Sage noch einmal einer, ohne Patriarchat lebt es sich leichter: Als es den hochwohlgeborenen Bierbaron Franz-Xaver Hofstetter im besten Alter dahinstreckt, fällt das Imperium Arnulfbräu in sich zusammen wie schlechter Bierschaum. Wobei man sagen muss: Die Einigkeit der Familienmitglieder war davor bereits eine vorgetäuschte, gehasst haben sie sich schon immer. Patriarchat eben.

    foto: orf/zdf/jacqueline krause-burberg

    Sie, das sind vor allem die Witwe und Oberbissgurn Gisela (Gisela Schneeberger) und ihre Stieftochter Vicky (Lisa Maria Potthoff). Das Testament birgt weitere Sprengkraft, nicht zuletzt, weil so gut wie alle Beteiligten und Unbeteiligten ihr eigenes Spielchen spielen, woraus sich ein Intrigantenstadl ergibt, in dem Bierräusche noch das geringste Problem darstellen würden. In dieses urbayerische Umfeld von Bier Royal, Zweiteiler am Samstag um 20.15 Uhr in ORF 2 sowie am 28. und 29. Jänner im ZDF, passt Robert Palfrader wie die Maß zur Weißwurst.

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    foto: orf/zdf/jacqueline krause-burberg

    Seine Figur Dr. Erich Maxlhuber ist ein treuer Diener seiner Herrin Gisela (Gisela Schneegerger im Bild), aber nur aus purem Egoismus. Palfrader kennt das: "Einer muss das große Arschloch sein." Die Herkunft ist dabei oft spielbestimmend: "Das ist vorzugsweise der Österreicher in Deutschland – vielleicht eine späte Rache für den Hitler." Die Rolle des Ungustls in deutschen Produktionen ist Palfrader wohlbekannt, "schön langsam wird's mir auch ein bissl fad, aber in Bier Royal hat das großen Spaß gemacht".

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    foto: orf/zdf/jacqueline krause-burberg

    Bier und Deutschland: Gelernten Serienschauern hüpft bei diesen zwei Worten das Herz. Das Erbe der Guldenburgs, 1987 gestartet, zeigte Scharmützel um eine Hamburger Braudynastie im Stil von Dallas und Denver-Clan. Es gelang nicht schlecht, auch im hohen Norden flogen die Hackeln tief. Eine Soap-Opera, die ihren Höhepunkt darin fand, als Ruth Maria Kubitschek, die neureiche Bierpäpstin, ihrem vollpfostigen Sohn Sigmar Solbach eine flanschte – kurz und gut, es war amüsant. Namentliche Nähe besteht ebenso zu Kir Royal - bajuwarisches Seriengut nach Helmut Dietl, ebenfalls aus den 1980er-Jahren.

    "Fernsehen war da eher uninteressant"

    Unbeobachtet von Familie Palfrader übrigens. In der Südstadt, wo Robert aufwuchs, hatten Seifenopern generell einen schweren Stand: "Bei uns zu Hause war immer Open House. Jeden Tag zehn bis 15 Jugendliche auf Besuch, meinen Eltern hat das sogar gefallen, so haben sie sich keine Gedanken machen müssen, wo mein Bruder und ich uns herumtreiben und was wir machen. Fernsehen war da eher uninteressant."

    Das hat sich geändert. Palfrader hat sich in Deutschland einen Namen erspielt – mit Rollen als Metzger und im Dampfnudelblues, wo er als Schauspieler wahrgenommen wird – "mehr als in Österreich übrigens".

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    foto: orf/zdf/jacqueline krause-burberg

    Ein solcher sei er nicht, beeilt sich Palfrader hinzuzufügen: Er sei Kabarettist, nicht mehr, nicht weniger: "Ich bin mir meiner Grenzen bewusst, ich weiß, was ich kann und was ich nicht kann."

    Wesentlicher Unterschied zu den Guldenburgs: Das bayerische Bier Royal wird maßgeblich von einem erfahrenen Frauenteam getragen. Die Hauptfiguren sind mehrheitlich weiblich, das Drehbuch stammt von Carolin Otto (München 7), Regie führte Christiane Balthasar (Kommissarin Heller).

    Gut für "Walking on Sunshine"

    "Dass ich mich wohlfühle, wenn Frauen das Sagen haben, kann man daran ablesen, dass Wir sind Kaiser zwölf Jahre alt wird, wo fast alle leitenden Positionen mit Frauen besetzt sind oder waren." Die Gefahr, dass ihre Majestät am Palfrader'schen Markenimage picken bleibt, ist seit Anfang Jänner mit der ORF-Comedy Walking on Sunshine um ein Stück geringer geworden. Die Quote stimmt, Palfrader ist im Glück: "Der Pfeil geht nach oben, wir sind alle geplättet."

    Gut für die "Staatskünstler"

    Gut für die weiteren Zukunftsaussichten des Schauspielers/Kabarettisten, der mittlerweile sogar schon Angebote ablehnen kann: Einen Kommissar in einer Krimiserie wollte er nicht spielen. Warum nicht? "Weil ich halt lieber mit dem Scheuba und dem Maurer zusammensitze und bei einem Glasl Rotwein überlege, wem wir wofür eine auflegen werden." Die Staatskünstler setzen im Rabenhof-Theater fort, was der ORF aufgab. Ein neues Programm der Staatskünstler soll im Oktober Premiere haben. (Doris Priesching, 26.1.2019)

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