Auffalten und wohnen: Hausboote am Bosporus

    Ansichtssache26. Jänner 2019, 15:00
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    Mit faltbaren Hausbooten wollen türkische Architekten Notfallwohnungen nach Erdbeben schaffen

    foto: so? / kayhan kaygusuz

    Auffalten und treiben lassen ist das Motto des Projekts Hope on Water eines türkischen Architekturbüros. Die Architekten des Studios "SO?" wollen in einem interdisziplinären Projekt Wohnraum für Notsituationen am Goldenen Horn in Istanbul schaffen. Sie reagieren damit auf den immer kleiner werdenden Raum für Notfallunterkünfte in der türkischen Stadt.

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    foto: so? / kayhan kaygusuz

    Das Bild zeigt das zusammengefaltete Haus, das von Booten zum Zielort gezogen werden kann.

    Der Hintergrund: 2001 waren in der Stadt aufgrund des schweren Erdbebens von 1999 Notfallsammelpunkte geschaffen worden. "Allerdings ist seitdem ein Großteil dieser öffentlichen Flächen bebaut worden", so die Architekten Sevince Bayrak und Oral Göktaş. Mit dem Hausboot-Prototyp "Fold and Float", der im Rahmen der Istanbul-Design-Biennale 2018 entworfen worden ist, wollen sie sicherstellen, dass es Orte zum Ausweichen gibt. Wenn schon nicht an Land, so im Wasser.

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    foto: so? / kayhan kaygusuz

    Das weiß-rote Hausboot treibt nun am Meeresarm am Bosporus, der nicht von Tsunamis heimgesucht wird. Die faltbare Konstruktion aus leichtem Stahl kann schnell und einfach aufgebaut werden. Die dreieckigen Hausenden haben auf jeder Seite Türen, die vollständig geöffnet werden können, um Luft und Licht im Innenraum zu gewährleisten. Laut einer Illustration der Architekten könnten am Goldenen Horn rund 180.000 solcher Unterkünfte Platz finden.

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    grafik: so?

    Im oberen Teil der Konstruktion befindet sich der voll ausgestattete Wohnraum mit eingebauten faltbaren Möbeln, der untere Teil ist ein schwimmender Betonblock.

    Im Innenraum gibt es zwei Ebenen: Oben befindet sich der Schlafbereich, unten ist Platz für eine Spüle, Stauraum und Wohnen und Essen. Sogar an ein Bücherregal wurde gedacht.

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    foto: so? / kayhan kaygusuz

    Die Architekten nahmen sich bei der Planung die Situation der Erdbebenopfer aus 1999 zum Vorbild, die durchschnittlich mindestens ein ganzes Jahr nach der Katastrophe in Notunterkünften verbrachten. Das Projekt Hope On Water ist in Zusammenarbeit mit Tiefbau- und Soziologiestudenten der Boğaziçi Universität und Architekturstudenten der MEF-Universität entstanden.

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    grafik: so?

    So könnte im Ernstfall eine ganze Siedlung von Hausbooten aussehen. Mit kleinen Freiflächen zwischen den Einheiten, Zufahrtskanälen und einem Raum für medizinische Versorgung. (adem, 26.1.2019)

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