Antisemitische Untertöne: Presserat rügt "Alles roger?" für Soros-Artikel

    25. Jänner 2019, 13:21
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    Der Bericht "George Soros – Das Österreich-Netzwerk des Mega-Spekulanten" verstößt gegen den Ehrenkodex für die Presse

    Wien – Der Senat 1 des Presserats sieht in dem Artikel "George Soros – Das Österreich-Netzwerk des Mega-Spekulanten", erschienen in der rechten Postille "Alles roger?" im Mai 2018, einen Verstoß gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse. "Alles roger?" bezeichnet sich selbst als "Magazin für Querdenker".

    Das Monatsmagazin wird vom österreichischen Unternehmer Ronnie Seunig (Excalibur City) herausgegeben. Mit dabei ist auch Ex-FPÖ- und BZÖ-Politiker Peter Westenthaler. Das Innenministerium schaltete zuletzt Inserate in dem Medium, um Polizisten zu rekrutieren. Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands stuft das Magazin als "tendenziell antisemitisch" ein.

    Im Artikel geht es um George Soros und dessen "Netzwerk". Soros werde darin als "Paradebeispiel eines 'gierigen Hedgefondsmanagers'" und "nicht nur Liebkind mächtiger Kreise wie der Rothschilds, sondern auch der linken Szene", bezeichnet, begründet der Presserat die Entscheidung in einer Aussendung – hier geht es zur ausführlichen Meldung.

    Massenzuwanderung und Globalisierung

    Im Vorspann des Artikels in "Alles roger?" heißt es, dass der Einfluss von Soros vor allem die Massenzuwanderung und Globalisierung umfasse und sich immer mehr in unserem Land ausbreite. Zudem würden "Hauptstrommedien" und eine Unzahl an "Hilfsorganisationen" seinem Netzwerk dienen.

    Es wird angemerkt, dass Soros und andere Superreiche "an der völligen Vermischung der Völker" arbeiten würden. In einem Kasten mit der Überschrift "Biografie von George Soros", der beim Artikel abgedruckt ist, wird behauptet, dass Soros als 14-jähriger Junge bei der Enteignung der jüdischen Bevölkerung in Ungarn geholfen habe.

    Einfluss auf österreichische Medien

    Im Artikel werde zudem der Eindruck erweckt, dass Soros auf mehrere österreichische Medien wesentlichen Einfluss ausübe und dass diese Medien "zum Soros-Netzwerk" gehören würden, so der Presserat: "Der Verfasser betonte etwa, dass die Tageszeitungen DER STANDARD und 'Die Presse' 'Mitglieder beim Project Syndicate, einem weltweiten Zusammenschluss von über 500 Zeitungen und Zeitschriften [seien], über die Soros auch immer wieder unter eigenem Namen seine Ideen' verbreite."

    Zusammenfassend schreibt der Presserat: "Der Artikel verstößt über weite Strecken gegen Punkt 2.1 des Ehrenkodex, wonach Gewissenhaftigkeit und Korrektheit in Recherche und Wiedergabe von Informationen oberste Verpflichtung von Journalisten sind. Überdies weist der Artikel an mehreren Stellen antisemitische Untertöne auf, wenn etwa Soros als 'Liebkind der Rothschilds' bezeichnet wird. Der Senat erachtete es als besonders perfide, Soros die Mittäterschaft bei der Beschlagnahmung von jüdischem Eigentum zu unterstellen. Darüber hinaus wurden an verschiedenen Stellen des Artikels Migranten zumindest unterschwellig als Bedrohung dargestellt. Die auf Verschwörungstheorien fußende Aussage des Verfassers, dass 'Soros und andere Superreiche an der völligen Vermischung der Völker arbeiten', bewertete der Senat als diskriminierend gegenüber Migranten (siehe Punkt 7 des Ehrenkodex)."

    "Alles roger?" bezeichnete diese Entscheidung in einer Reaktion als "fragwürdiges Urteil" und kritisierte die "nicht nachvollziehbaren, teils falschen und teils merkwürdigen Interpretationen des Presserats". Man werden den Presserat auch weiterhin nicht anerkennen. (red, 25.1.2019)

    • George Soros, hier beim Weltwirtschaftsforum in Davos, wird immer wieder zur Zielscheibe antisemitischer Untertöne.
      foto: apa/afp/fabrice coffrini

      George Soros, hier beim Weltwirtschaftsforum in Davos, wird immer wieder zur Zielscheibe antisemitischer Untertöne.

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