Wie die FPÖ Burschenschafter in Parlament, Ministerien und staatsnahe Betriebe bringt

    25. Jänner 2019, 12:00
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    Die FPÖ rekrutiert stark aus dem burschenschaftlichen Milieu. Fast alle wichtigen Posten fallen an Korporierte

    Die FPÖ ist die Partei der deutschnationalen Burschenschafter. Mit wenigen Ausnahmen landen politinteressierte Korporierte irgendwann bei den Freiheitlichen. Das zeigt sich etwa bei den Nationalratsabgeordneten.

    Seit der Übernahme der Parteiobmannschaft durch Heinz-Christian Strache – selbst ein Vandale – im Frühjahr 2005 ist die Zahl der Burschenschafter im Parlamentsklub der FPÖ stetig gestiegen. Allerdings nicht prozentuell, da es gleichzeitig immer mehr freiheitliche Abgeordnete gibt. 2006 waren etwa zehn von 21 FPÖ-Abgeordneten korporiert, momentan sind es 19 von 51. Sie bekleiden jedoch die wichtigsten Stellen im Klub. So sind die beiden Klubobleute Walter Rosenkranz und Johann Gudenus Burschenschafter, die dritte Nationalratspräsidentin Anneliese Kitzmüller war bis März 2018 im Vorstand der Mädelschaft Iduna zu Linz.

    Alte Herren im Nationalrat

    Der "Alte Herr" der Olympia und ehemalige Dritte Nationalratspräsident Martin Graf ist in dieser Legislaturperiode wieder als Abgeordneter tätig. Auch der freiheitliche Generalsekretär Christian Hafenecker ist korporiert. Das setzt sich auch auf der Ebene der Referenten und parlamentarischen Mitarbeiter fort, wobei hier auch verwandtschaftliche Verhältnisse zu Parteigranden einen Ausschlag bei der Rekrutierung geben dürften. Vor allem im Wiener Landtag sieht es ähnlich aus, dort ist die Dichte der Korporierten noch höher als im Nationalrat.

    Ministerien

    Die Regierungsbeteiligung der FPÖ hat für Burschenschafter und Mädelschafterinnen außerdem zahlreiche Karrieremöglichkeiten in den fünf blauen Ministerien eröffnet. Vizekanzler Strache und Verkehrsminister Norbert Hofer sind selbst Burschenschafter, aber auch die nichtkorporierten Minister, also Sozialministerin Beate Hartinger-Klein, Innenminister Herbert Kickl und Verteidigungsminister Mario Kunasek, setzen in ihren Kabinetten auf Burschenschafter. So ist etwa Kickls Kabinettschef Reinhard Teufel bei der Brixia Innsbruck, Kommunikationsleiter Alexander Höferl bei der Gothia Wien. Hartinger-Klein vertraut auf ihren Kabinettschef Volker Knestel, der Vorsitzender-Stellvertreter des Österreichischen Pennälerrings, der Vereinigung schlagender Schülerverbindungen, ist. Schriftwart ist dort Herwig Götschober, der bei Verkehrsminister Hofer arbeitet. Kabinettschef im Verteidigungsministerium ist Michael Klug, der laut "Falter" bei der Gothia Graz ist. Bei Strache ist zwar nicht der Kabinettschef, dafür mit Roland Weinert der Generalsekretär ein Burschenschafter.

    Sein Pendant im Verkehrsministerium ist Andreas Reichhardt von der Grenzlandsmannschaft Cimbria, die laut Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes Berührungspunkte mit der neonazistischen Szene aufwies. So waren Mitstreiter des mehrfach verurteilten Neonazis Gottfried Küssel bei der Cimbria zu finden.

    Aufsichts- und Uniräte

    Die blauen Minister begannen rasch nach Regierungsantritt, ihren Einfluss in staatsnahen Betrieben geltend zu machen. So kam es in den Aufsichtsräten von ÖBB und Asfinag rasch zu Veränderungen, die Burschenschaftern zunutze kamen. Der erwähnte Generalsekretär Andreas Reichhardt sitzt etwa in den Aufsichtsräten beider Konzerne. Im ORF wurde Georg Watschinger zum Publikumsrat, entsandt hatte ihn der Österreichische Turnerbund. Auch im Verfassungsgerichtshof sitzt nun ein Korporierter, nämlich Andreas Hauer von der Alemannia Wien zu Linz. Zahlreiche Burschenschafter wurden als Uniräte angelobt, obwohl die ÖVP angeblich sogar zwei Nominierungen abgelehnt hat. Schlussendlich wurden neun Burschenschafter zu Uniräten. Die Karriereförderung für Burschenschafter soll übrigens weitergehen: Nächster Kandidat ist der Ex-Abgeordnete Eduard Schock, der in die Nationalbank wechseln soll.

    Die Karrierefortschritte von Burschenschaftern werden etwa von der "Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit" (FIPU) dokumentiert, die online einen "Korporiertentracker" eingerichtet hat. (Fabian Schmid, 25.1.2019)

    • Die FPÖ fördert die Karrieren von Burschenschaftern.
      foto: standard/fischer

      Die FPÖ fördert die Karrieren von Burschenschaftern.

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