"Creed 2" mit Sylvester Stallone: In die Pappn, auf die Goschn, oane eini ins Gfrieß

    25. Jänner 2019, 07:00
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    Der Russe ist humorbefreit, böse und hat einen harten Schlag. Amerika schickt im Blockbuster "Creed II" einmal mehr Sylvester Stallone als Rocky nach Osten

    Sylvester Stallone hat in seinem Leben gefühlte zwei gute Filme gedreht. Der erste nannte sich Rambo, Teil eins, der zweite Copland. In Rambo war Stallone muskulös, in Copland spielte er einen fetten Vorstadtbullen. Dazwischen brach Sly aus dem Gefängnis aus, rettete New York vor Terroristen oder beendete den Vietnamkrieg siegreich im Alleingang, Jahre nachdem Saigon gefallen war.

    Zuletzt fiel der Kunstsammler und Hobbymaler (Ausstellungen in St. Moritz und Nizza) damit auf, dass er im Verein mit anderen Veteranen der Hollywood-Blockbuster-Geschichte (Bruce Willis, Jason Stratham, Schwarzenegger, Jean-Claude Van Damme ...) in der rührenden Rentnersöldner-Saga The Expendables unter anderem Bananenrepubliken in Südamerika in die Luft jagte. Deshalb fielen dann mit dem gelifteten Silberrücken 20-jährige rassige Schönheiten unsterblich in Liebe.

    foto: warner bros. - metro-goldwyn-mayer
    Einer der wenigen nachdenklichen Momente während zwei Stunden Faustwatschen: Sylvester Stallone und Michael B. Jordan im patriotischen Boxer-Blockbuster "Creed II".

    Es gab noch einen dritten halbguten Film mit Danny DeVito. Diese Komödie wird jedes Jahr irgendwann rund um christliche Feiertage zwischen 22 Uhr und Mitternacht im Privatfernsehen abgespielt. In dieser Hollywood-Adaption eines klassischen Tür-auf-Tür-zu-Dramas aus dem Stadttheater Ihrer Wahl geht es darum, dass ... Ach, ist ja egal.

    Der erste Boxerfilm von Sylvester Stallone war damals 1976 natürlich auch irgendwie okay. Eye of the Tiger, der martialisch in Spandexhosen und mit Nasenguti rockende Titelsong des dritten Rocky-Teils aus dem Jahr 1982, erfreut sich übrigens gegenwärtig bei der Weltjugend wieder allergrößter Beliebtheit auf Best- und Next-Ager-Clubbings. War es nicht überhaupt der Boxsport, der das Comeback für die Populärkultur einst erfunden hat? Jesus natürlich ist dabei auch voll wichtig. They always come back.

    kinocheck

    Vier Jahrzehnte nach all dem Kalten Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion wird nun in den Kinos in der Nachfolge von Creed (Rocky's Legacy) von 2015 in Creed II (Das Triefauge des Tigers) erneut zum letzten Gefecht gerufen. Sylvester Stallone ist nach dem Rollenfach Rambo wieder einmal in seine zweite Haut Rocky Balboa geschlüpft. Dankenswerterweise boxt er nicht länger im Ring, wie es der heute 72-Jährige zuletzt "selbstironisch" in der resttestosteronhaltigen Ringknüppelei Zwei vom alten Schlag 2013 mit Robert De Niro mittels Schnappatmung in Angriff nahm.

    Creed II unter der Regie des 2016 durch seinen sozialkritischen Skateboarderfilm The Land bekannt gewordenen Steven Caple Jr. basiert auf einem Drehbuch, das auf einen gelben Post-it-Zettel passt. Wie bei allen großen Dramen der Menschheitsgeschichte geht es um den Kampf eines guten Amerikaners gegen einen bösen Russen. Und zwar ganz ohne Internet und Internethacker, dafür mit mächtig physisch in die Fresse. Die Kurzfassung des dramatischen Zweistünders mit Sylvester Stallone in der Rolle des mit einem gestrafften Krokodillederhandtaschengesicht geschlagenen Boxtrainers Rocky Balboa lautet: in die Papp'n, auf die Goschen, oane eini ins Gfrieß.

    Das Triefauge des Tigers

    Rockys alter Feind Ivan Drago (der Schauspieler Dolph Lundgren leistet sich jetzt im Alter ein eigenständiges Gesicht) hat vor 33 Jahren Rockys Freund Apollo Creed im Kampf erschlagen. Apollos Sohn Adonis Creed, dargestellt von Black Panther-Bösewicht Michael B. Jordan, wird nun von Rocky Balboa im total anständigen, zivilgesellschaftlich akzeptablen Ellbogenstil zum "American Fighter" erzogen, damit er gegen Viktor, den vollkommen humorbefreiten Sohn des bösen Ivan (gespielt vom rumänisch-deutschen Ex-Boxer Florian "Big Nasty" Munteanu) und seiner reschen Rabenmutter, antreten kann (Brigitte Nielsen in einer kurzen Nebenrolle als eisige Domina).

    foto: warner bros. - metro-goldwyn-mayer

    Es geht um die Weltmeisterschaft, das Wacheln mit der US-Flagge und darum, dass man für das, was man liebt, kämpfen, kämpfen, kämpfen muss. Zu Hause wartet auf Adonis nicht nur die Kleinfamilie mit einem taub geborenen, aber siegeswilligen Baby ("She's a fighter!"), sondern auch die patriotische Erwartungshaltung, dass zumindest ein Russlandfeldzug in der Geschichte endlich erfolgreich sein muss.

    Die Faustschläge klingen, so wie auch die Basstrommel in aktuellen Hip-Hop-Produktionen, nach unterirdischen Atombombenversuchen. In Russland (dazu gehören Moskau und Kiew!) schneit es das ganze Jahr, und es ist braun in grau. Sylvester zieht ein Triefauge. Am Ende ist der Richtige k. o. – und alles ist o. k.; die amerikanische Kleinfamilie wird gerettet. (Christian Schachinger, 25. 1. 2019)

    Ab 25. Jänner im Kino

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