Feiertagsordnung: Reformbedarf

Kommentar23. Jänner 2019, 17:47
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Für eine Abschaffung von Feiertagen spricht nicht nur der sinkende Bezug vieler Österreicher zu deren Entstehung und Bedeutung

Die EU hat uns Probleme beschert, ist seit Dienstag wieder einmal zu hören. In dem Fall wird der Europäische Gerichtshof mit der EU gleichgesetzt, der in der Karfreitagsregelung eine Ungleichbehandlung sieht. Konkret geht es darum, dass nur Altkatholiken und Evangelische ein Feiertagsentgelt erhalten, wenn sie am Karfreitag arbeiten. Nun wird munter über eine Lösung debattiert.

Arbeiterkammer und Gewerkschaft verspüren Rückenwind und sehen in einem zusätzlichen Feiertag eine Teilkompensation für die im Herbst eingeführte neue Höchstarbeitszeit. Die Wirtschaft warnt vor einer Mehrbelastung, die dem Standort schade. Schon werden diverse Tauschgeschäfte diskutiert: Der Karfreitag könnte ja zum allgemeinen Feiertag aufgewertet, dafür Oster- oder Pfingstmontag als solcher gestrichen werden.

Weniger ist von der allgemeinen Sinnhaftigkeit der Feiertage die Rede, die in einer modernen Gesellschaft durchaus infrage gestellt werden kann. Nicht nur, weil es eine Frage der Zeit ist, bis die Katholiken in der Minderheit sein werden. Sondern prinzipiell, weil eine kirchliche Feiertagsordnung veraltet erscheint. Wer daran festhalten möchte, sollte den steigenden Bevölkerungsanteil der Muslime beherzigen und aus geschichtlicher Verantwortung der jüdischen Glaubensgemeinschaft mehr als nur den freien Versöhnungstag einräumen.

Für eine Abschaffung von Feiertagen spricht nicht nur der sinkende Bezug vieler Österreicher zu deren Entstehung und Bedeutung. Der Grund für den freien Pfingstmontag oder Mariä Empfängnis dürfte einem Großteil der Bevölkerung nicht geläufig sein, darauf lassen zumindest Umfragen schließen. Wirtschaftlich sind vor allem die freien Donnerstage entbehrlich, die samt Fenstertag zum verlängerten Wochenende einladen. Freizeit in Ehren, aber welche Rechtfertigung haben diese Feiertage heutzutage? Selbst im katholischen Italien wurden Christi Himmelfahrt und Fronleichnam auf das Wochenende verlegt. Auch wenn Änderungen – außer Pfingstmontag und Ostermontag – wegen des Konkordats nicht einseitig umsetzbar sind, wäre eine Debatte darüber sinnvoll.

Reformbedarf gibt es aber auch aus arbeitsmedizinischer Sicht. Wenn gestrichene Feiertage in Form von Urlaub kompensiert werden, könnten Ruhezeiten besser gestaffelt werden. Und müssten nicht an Tagen konsumiert werden, deren religiöser Gehalt nur mäßig verbreitet ist. (Andreas Schnauder, 23.1.2019)

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