Zusammenarbeit im Weltall als Gegenkraft zum Nationalismus

    24. Jänner 2019, 07:00
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    ESA-Chef Jan Wörner verweist auf Kooperation, die es sogar mitten im Kalten Krieg gab

    Brüssel – Nach einigen Turbulenzen im Verhältnis zwischen der NASA und der russischen Raumfahrtbehörde Roskomos werden wieder die Stimmen lauter, die für ein Miteinander plädieren. So beschwor Roskomos-Chef Dmitri Rogosin Anfang der Woche die Zusammenarbeit mit der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA, der ESA und den Weltraumagenturen anderer Staaten. Sie solle gefestigt werden und dem Druck einer "launenhaften politischen Konjunktur widerstehen", sagte Rogosin. "Das ist zumindest das Ziel der Führung von Roskomos."

    "Für uns gibt es kein 'No'"

    Der Chef der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), Johann-Dietrich "Jan" Wörner, stimmt nun ein. Die internationale Weltraum-Forschung sollte politischem Nationalismus einzelner Länder, wie er derzeit etwa von der US-Regierung praktiziert werde, entschieden entgegentreten. "Ich bin da auch manchmal geschockt, wir haben weltweit doch sehr starke nationale Kräfte", sagte Wörner am Rande einer Weltraum-Konferenz in Brüssel.

    Er bemühe sich darum, weltweit zu kooperieren. "Es gibt niemanden, der nicht will", sagte Wörner. Die ESA arbeite nicht nur mit den USA zusammen, sondern etwa auch mit Russland, China, Japan und Australien. "Für uns gibt es kein 'No'. Überall sind die Türen offen."

    Den Vorwurf von Kritikern, manche Partner hielten sich nicht an die Menschenrechte, kann Wörner nachvollziehen. "Aber wenn wir dann aufhören wegen dieses Grundes zu kooperieren, dann isolieren wir, und Isolation ist politisch, glaube ich, nicht gut." Stattdessen müsse man weiter zusammenarbeiten – ohne die eigenen Werte aufzugeben. "Im Gegenteil: um unsere Werte zu stärken."

    Sogar im Kalten Krieg wurde kooperiert

    Wörner weiter: "Seit 1975 existiert die ESA und seit 1975 kooperieren wir. Und es funktioniert." Es sei gut, dass die Agenturen zum Teil dazu gezwungen seien, zusammenzuarbeiten. "Wenn im Moment nicht die Notwendigkeit bestünde, wäre die Frage, ob man das machen würde. Aber es ist doch toll, dass wir das machen."

    Als Beleg dafür, dass die Zusammenarbeit im Weltall schon früher – in noch konfliktreicheren Zeiten – funktioniert habe, verwies Wörner auf ein historisches Beispiel: Ein amerikanisches Apollo-Raumschiff und eine russische Sojus hätten 1975 – mitten im Kalten Krieg – aneinander angekoppelt. "Das war damals irre." (APA, red, 24. 1. 2019)

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