Vorerst keine Konsequenzen nach vermeintlicher Entführung

24. Jänner 2019, 10:21
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Bei der vermeintlich entführten 88-Jährigen handelt es sich um die Mutter des Generaldirektors der Esterházy Betriebe. Sie bestätigte mittlerweile, freiwillig in einer schwarzen Limousine mitgefahren zu sein

Eisenstadt – Bei der 88-jährigen Frau, deren angebliche Entführung auf offener Straße am Dienstag in Eisenstadt eine Großfahndung ausgelöst hat, handelt es sich um die Mutter des Generaldirektors der Esterházy Betriebe GmbH, Stefan Ottrubay.

Die betagte Frau war am Dienstag mit ihrer Pflegerin in der Esterházystraße in Richtung Bergkirche unterwegs gewesen, als plötzlich zwei schwarze Limousinen anhielten und sie einstiegen ließen. Eine Frau, die aus dem zweiten Fahrzeug stieg, ging auf die Pflegerin zu und stieß sie zur Seite, diese wurde dabei jedoch nicht verletzt.

Anschließend wurde die 88-Jährige in eine der beiden Limousinen mit vermutlich ausländischem Kennzeichen gesetzt. Beide Fahrzeuge fuhren mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Bergkirche davon, berichtete die Polizei.

Freiwillig mitgefahren

Die Tochter der 88-Jährigen wandte sich schließlich am Dienstag spätabends an eine Polizeidienststelle in Tirol und sagte, dass sie mit ihrer Mutter hier sei und diese freiwillig mitgekommen sei, was die 88-Jährige in einer Voraberklärung der Polizei gegenüber bestätigte.

"Es gibt keine Zwangsmaßnahmen gegen die Schwester – auch nicht gegen die Mutter", sagte Roland Koch, Sprecher der Staatsanwaltschaft Eisenstadt, am Donnerstag zur APA.

Wo sich die 88-Jährige derzeit befindet – ob in der Schweiz oder in Österreich – wisse er nicht, sagte Koch. "Aber es ist denkbar, dass sie schon in der Schweiz ist. Und es spricht auch nichts dagegen. Die Einvernahmen haben in Österreich stattgefunden", berichtete er auf Nachfrage. Die Mutter Ottrubays sei voll einvernahmefähig gewesen.

Weitere Befragungen seien in der Causa geplant, ein endgültiges Ergebnis gebe es noch nicht. "Und wir werden – wie auch in anderen Fällen – nicht jeden einzelnen Ermittlungsschritt kommentieren", hielt der Staatsanwaltssprecher fest.

Familiengeschichte

Die Geschichte der Adelsfamilie Esterházy reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Im 17. Jahrhundert begann unter Palatin Nikolaus der Aufstieg zu einem der führenden ungarischen Adelsgeschlechter. Nach dem Tod von Fürst Paul V. Esterházy 1989 begann seine Frau Melinda mit der Neuordnung des Besitzes, der in drei Privatstiftungen eingebracht wurde. 2001 wurden die Esterházy-Betriebe gegründet.

Das Unternehmen wird seither vom Neffen der 2014 verstorbenen Melinda Esterházy, Generaldirektor Stefan Ottrubay, geleitet. Ottrubay ist auch im Direktionsrat der Esterházy-Gruppe.

53 Millionen Euro Umsatz

Die Esterházy-Betriebe erwirtschafteten 2017 in der Kerngruppe einen Umsatz von 53 Millionen Euro. Davon wurden 32,7 Millionen im Bereich Forst, Landwirtschaft und Naturmanagement und 7,8 Millionen mit Immobilien erzielt.

Das Netto-Gesamtvermögen der Esterházy-Gruppe wurde 2014 mit rund 800 Millionen Euro bewertet. Dazu kommen Vermögenswerte im Kulturbereich wie Schloss Esterházy in Eisenstadt und die Burg Forchtenstein, die sich in ihrem Wert kaum beziffern lassen. Die Esterházy-Kultureinrichtungen habenjährlich mehr als eine halbe Million Besucher. (red, APA, 23.1.2019)

  • Großes Medieninteresse in der burgenländischen Metropole.
    foto: apa/robert jäger

    Großes Medieninteresse in der burgenländischen Metropole.

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