Polnische CCC heftet sich Humanic an die Fersen

23. Jänner 2019, 06:00
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Der Schuhhandel ist in der Bredouille. Das nährt Gerüchte über einen Einstieg der polnischen CCC bei Humanic

Österreichs Schuhhandel ist in Bewegung. Motor ist Dariusz Milek. Der polnische Unternehmer gilt als der Aufsteiger der Branche. Sein börsennotierter Konzern hantelte sich innerhalb von 20 Jahren hinter dem Platzhirsch Deichmann nahezu an die Spitze des Schuhmarktes in Europa. Milek stampfte unter der Marke CCC ein Netz von gut 1000 Standorten aus dem Boden. 2018 kaufte er sich das Schweizer Traditionsunternehmen Karl Vögele. Kurz darauf holte er sich über die HR Group die zweitgrößte deutsche Schuhkette Reno als strategischen Partner. Nun lotet Milek offenbar auch in Österreich Akquisitionsmöglichkeiten aus.

Auf dem Radar der wachstumsfreudigen CCC sei die Leder-&-Schuh-Gruppe, von der sich die Polen einen breiteren Zugang zu Markenware versprechen, erzählen mehrere Unternehmenskenner im Gespräch mit dem STANDARD. Dem Vernehmen nach soll es intensive Gespräche gegeben haben, sich jedoch am Kaufpreis spießen.

Restrukturierungskurs

Leder & Schuh durchläuft seit Jahren einen harten Restrukturierungskurs. Im Zuge dessen trennte sich der Grazer Konzern, der seit Generationen in Familienhand ist, von Vertriebslinien wie Stiefelkönig und Jello. Sein Augenmerk gilt nunmehr den Marken Humanic und Shoe4You.

Neben den Polen interessieren sich weitere Investoren, die nicht genannt werden wollen, für die Gruppe, die von externen Managern geleitet wird. Operativ tätig sind die Eigentümer rund um Familie Mayer-Rieckh seit längerem nicht mehr. Zwei Söhne sind im Aufsichtsrat der MRHG Holding. Der mächtige, mittlerweile 82-jährige Firmenpatriarch Michael Mayer-Rieckh zog sich 2007 zurück.

Alchemy soll helfen

Werner Weber, Chef der Leder & Schuh, bezeichnet die kolportierten Gespräche über einen Verkauf an die CCC als Gerüchte. Man habe sie selbst vernommen, lässt er auf Anfrage ausrichten, aber ein Verkauf sei kein Thema. Auch CCC-Österreich-Chef Gerald Zimmermann habe davon gehört, wie er bestätigt. Mehr könne er dazu nicht sagen.

Dass der Traditionskonzern zuletzt bei Schuhlieferanten anfragte, ob sie eine Minderheitsbeteiligung erwägen, wie auf dem Markt die Runde macht, weist Weber, dessen Vertrag Ende Juni ausläuft, scharf zurück. Das sei definitiv nicht richtig. Finanzierungspartner der Leder & Schuh ist die Londoner Alchemy. Der Investor hat sich eigenen Angaben zufolge auf schwierige Deals rund um angespannte finanzielle Verhältnisse spezialisiert. Unter strengen Auflagen sollen 24 Millionen Euro eingebracht worden sein, für die hohe Zinsen zu leisten seien. Darauf angesprochen, betont Weber, dass es sich dabei um eine völlig marktübliche Finanzierung handle.

Zahlungsziele

Ein internationaler Markenhersteller berichtet, dass Lieferanten im Zuge der Sanierung um längere Zahlungsziele gebeten worden seien. So sollten offene Rechnungen erst nach 60 Tagen beglichen werden können. Auch die Streichung von drei Prozent Skonto sei im Raum gestanden. Auch diese Information sei falsch, betont Weber. Man habe nur branchenübliche Zahlungsziele verhandelt.

Für einige Überraschung unter Geschäftspartnern aus der Industrie, die bisher stets ihr Geld erhielten, sorgte die "Ausgliederung des Lagerbestandes", wie es Lieferanten formulieren. Statt in die LSAG liefere man nun in die LSEG, verkauft werde die Ware aber aus der LSAG. Einblick in die Geschäftsverbindungen der beiden Gesellschaften fehle. Weber begründet den Schritt mit der Bündelung des Einkaufs und Lagers von Humanic und Shoe4You in einer Gesellschaft. Nachteile für Lieferanten seien damit nicht verbunden.

Weber sieht den Schuhkonzern in Österreich auf gutem Weg. 2018 sei, basierend auf den vorläufigen Zahlen, ein "deutlich positives Ergebnis auf hohem Niveau" erzielt worden. Man habe neue Filialen eröffnet, etwa in Bukarest, Temesva und Kosice. Die Leder & Schuh habe trotz des herausfordernden Umfelds 2018 ihre Marktposition "umsatzseitig festigen können".

"Keiner blieb verschont"

Der einstige Marktführer im österreichischen Schuhhandel steht mit seiner weitgehend positiven Einschätzung des Vorjahres fast allein auf weiter Flur. Er sei seit 35 Jahren in der Branche, ein derart schlechtes Jahr wie 2018 habe er noch nie erlebt, sagt Klaus Magele, der Salamander und Delka hierzulande führt. "Es war eine Katastrophe für den gesamten Bekleidungshandel – wetterbedingt fielen zwei von vier Saisonen aus." Die Folge war, dass Mitbewerber in Panik abverkauften, sagt Magele. "Es gab extrem viele Preisaktionen." Verdient worden sei damit sicher nichts. In Summe seien die Umsätze in Österreichs Schuhhandel im Vorjahr um fast sieben Prozent gesunken, erhoben Marktforscher. Delka sei mit einem blauen Auge davongekommen, Salamander habe es erwischt, räumt Magele offen ein. Auch vier Prozent weniger Umsatz ließen sich schwer aufholen.

"Keiner blieb verschont, keiner der großen Player hat umsatzbereinigt zugelegt", ist Zimmermann überzeugt. Für den CCC-Chef war nicht nur die widrige Witterung an der Misere schuld. "Die Leute geben ihr Geld einfach lieber für Reisen, Genuss und Gastronomie aus als für Bodenständiges wie Schuhe. Das hat auch uns wehgetan."

Für CCC sei das Jahr dennoch im Zeichen von Übernahmen gestanden. Neben neuen Beteiligungen in der Schweiz und Deutschland habe der Konzern in Polen an einer reinen Onlineplattform angedockt. Mit Aufräumarbeiten ist Zimmermann in Deutschland beschäftigt. "Unsere Expansion verlief hier strategisch unglücklich."

Er verhandle derzeit die Schließung von rund einem Dutzend unprofitabler Standorte. Dank einer neuer Kooperation mit Reno werde man den Markt dort aber besser in den Griff bekommen. CCC-Shops sollen auf Reno umfirmiert werden.

Teure Flächen

Österreichs Schuhmarkt wiegt gut 1,6 Milliarden Euro Umsatz, 1,2 Milliarden Euro teilt sich der Fachhandel, rechnet Wolfgang Richter, Chef des Marktforschers Regiodata, vor. Der deutsche Diskonter Deichmann habe Leder & Schuh mit dem Konzept der billigen und praktischen Schuhe als Primus längst abgelöst. Mehr als zehn Millionen Paar Schuhe soll Deichmann in Österreich mittlerweile jährlich verkaufen.

CCC lege zwar spektakulär zu, "fraglich ist aber, wie nachhaltig es ist, auf einem stagnierenden bis sinkenden Markt zu expandieren", sagt Richter. Zuwächse sieht er nämlich nur noch im Internethandel. "Stationäre Händler verlieren. Sie haben zu viele Flächen, und diese werden zu teuer."

Der Markt gilt als gesättigt, neue starke Trends fehlen. Reine Onlineriesen wie Zalando holen sich immer größere Anteile des Kuchens. Ein Viertel des Schuhgeschäfts spielt sich bereits im Web ab, 60 Prozent dieses Onlineumsatzes fließen ins Ausland ab.

Parallel dazu holen sich Textilketten wie Zara und Primark immer mehr Schuhe ins Sortiment. Hart auf die Zehen steigen Händlern zudem Sportriesen wie Nike, Puma und Adidas. Klassische Lederschuhe verlieren angesichts des Booms der Sneaker, auf denen sich Sportmarken verwirklichen, zusätzlich an Boden. "Der Schuhbranche geht es nicht gut", resümiert Richter, "und daran wird sich auch künftig wenig ändern." (23.1.2019)

  • Bodenständiges wie Schuhe steckt in der Krise, Konsumenten sparen.
    foto: istock

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