Prozess gegen slowakisches Duo, das Pensionistin ausnahm

    22. Jänner 2019, 14:35
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    Zwei Trickbetrüger erzählten einer 79-Jährigen, Geld für die Operation eines Verwandten zu benötigen. Die Idee hatten sie "aus dem Fernsehen"

    Wien – Mit immer abgefeimteren Methoden gehen Trickbetrüger in Wien vor, wovor die Polizei zuletzt wiederholt gewarnt hat. Diese Einschätzung hat am Dienstag eine Verhandlung am Landesgericht bestätigt, wo zwei Slowaken zu teilbedingten Haftstrafen verurteilt wurden, nachdem sie einer 79 Jahre alten Frau besonders übel mitgespielt hatten.

    Die betagte, auf einen Gehstock angewiesene Frau war am 29. Oktober 2018 am Ziehrerplatz in Wien-Landstraße unterwegs. Sie war erst wenige Tage zuvor nach einer Operation aus einem Krankenhaus entlassen worden. Als sie die Straße überqueren wollte, wurde sie von der Beifahrerin eines unmittelbar vor der Kreuzung wartenden Autos angesprochen. Die Unbekannte erkundigte sich in gebrochenem Deutsch nach einem Spital, in dem – wie die Frau behauptete – ihr Bruder mit schwersten, von einem Unfall herrührenden Kopfverletzungen liege.

    Geld für "Operation" benötigt

    Die 79-Jährige ließ sich auf das Gespräch ein. Die Täter – eine 42 Jahre alte Slowakin und ein gleichaltriger Landsmann, der am Steuer saß – brachten die Pensionistin schließlich sogar dazu, zu ihnen ins Auto zu steigen, um ihnen den Weg zum Krankenhaus zu zeigen. Während der Fahrt jammerte die Slowakin über das Schicksal des Bruders und machte der Wienerin vor, es müssten 2.000 Euro hinterlegt werden, sonst würden die Ärzte nicht operieren. Plötzlich läutete sogar das Handy der Frau, die 79-Jährige konnte mitanhören, wie sich eine mutmaßliche Mittäterin des Duos als Ärztin ausgab und die Geldforderung bekräftigte.

    Die Pensionistin ließ sich von dieser rührseligen Geschichte erweichen und entschloss sich zu helfen. Sie dirigierte die Kriminellen an ihre Adresse, nahm sie mit in ihre Wohnung und übergab ihnen in einem Kuvert 1.000 Euro Bargeld. "Das ist kein Ruhmesblatt für mich", gab sich die 79-Jährige nun als Zeugin vor Richterin Petra Poschalko zerknirscht. Sie sei aber damals noch unter dem Eindruck der eben erst überstandenen Operation gestanden und daher "zu gutmütig" gewesen.

    Kriminalisten verfolgten Duo

    Mit den 1.000 Euro und dem geflunkerten Versprechen, sie würden vorhandene US-Dollar-Noten umtauschen und die ausgeborgte Summe umgehend retournieren, verließ das Pärchen die Wohnung. Die beiden ahnten nicht, dass sie schon länger von Beamten der Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität (EGS) beobachtet wurden. Weil sie im Vorfeld am Ziehrerplatz mehrere Passanten mit offensichtlich erfundenen Geschichten um Geld gebeten hatten, hatten sie die Aufmerksamkeit der Polizisten erregt. Die Beamten in Zivil nahmen daher die Verfolgung auf, als die 79-Jährige zu den Betrügern ins Auto stieg. Nachdem sie deren Wohnung verlassen hatten, klickten unweit vom Tatort für die Schwindler die Handschellen. Die 1.000 Euro konnten sichergestellt werden.

    Vor Gericht bedauerten die beiden ihr kriminelles Handeln. Sie versicherten, es tue ihnen schrecklich leid. "Wie sind Sie auf die Idee gekommen?", wollte die Richterin wissen. "Aus dem Fernsehen", lautete die Antwort. Der 42-jährige Slowake wies allerdings eine massiv einschlägige Vorstrafe aus. Er war in Serbien wegen Betrugs zu fünfeinhalb Jahren verurteilt und erst im Vorjahr aus dem Gefängnis entlassen worden.

    Teilbedingte Haftstrafen

    Am Ende verhängte die Richterin über den Mann eineinhalb Jahre Haft, davon sechs Monate unbedingt. Seine bisher unbescholtene Komplizin kam mit zwölf Monaten, davon drei Monate unbedingt, davon. Verteidiger Peter Philipp war mit den Strafen einverstanden. Der Staatsanwalt gab vorerst keine Erklärung ab. Die Urteile sind daher nicht rechtskräftig.

    Die Ganoven dürften nicht nur die 79-Jährige hinters Licht geführt haben. Bei ihrer Festnahme konnten neben dem Geld der Pensionistin weitere 3.000 Euro sichergestellt werden. Trotz umfangreicher Erhebungen war den Slowaken aber kein weiterer Betrug nachzuweisen, so dass das Landesgericht gezwungen war, dem Verteidiger nach der Verhandlung die 3.000 Euro auszuhändigen, weil die unrechtmäßige Herkunft nicht nachweisbar war. Die Anruferin, mit der die 42-Jährige während der Autofahrt telefoniert hatte, konnte nicht ausgeforscht worden. (APA, 22.1.2019)

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