Oxfam: 2,2 Milliarden Euro täglich mehr für Superreiche

21. Jänner 2019, 07:11
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Die Nothilfeorganisation erneuert ihre Kritik: Während Milliardäre reicher werden, verliert die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung Geld

Berlin/Davos – Die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auseinander. Während das Vermögen der Milliardäre im vergangenen Jahr um zwölf Prozent gestiegen ist, erlitt die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung Einbußen von elf Prozent, so eine am Montag vorgestellte Studie der Nothilfeorganisation Oxfam. Wieder einmal ist der Oxfam-Bericht – unter dem Titel "Public Good or Private Wealth" (Gemeinnutz oder privater Reichtum) – punktgenau zum Treffen der Super-Reichen und globalen Entscheider auf dem World Economic Forum (WEF) in Davos herausgekommen. Der Sukkus einmal mehr: Die Superreichen sind reicher geworden. Genau genommen sind die Wohlhabenden um 2,5 Milliarden Dollar (2,2 Milliarden Euro) pro Tag wohlhabender geworden. Der Report sorgt regelmäßig für Widerspruch – vor allem von marktliberalen Experten. Die Agenda Austria erklärt etwa – um nur ein Beispiel zu nennen – "Warum Vermögen nicht das richtige Maß für alles ist."

Superreiche vermehren Vermögen in "Lichtgeschwindigkeit"

Oxfam kritisiert, dass öffentliche Angebote bei Bereichen Bildung, Gesundheit und sozialer Sicherung "weltweit dramatisch unterfinanziert" seien, obwohl sie wesentlich zur Verringerung von Armut und Ungleichheit beitragen. Deshalb brauche es mehr Investitionen in öffentliche Bildung und Gesundheitsversorgung sowie eine effektivere Besteuerung von Konzernen und Vermögenden.

"Während die Superreichen ihr Vermögen in Lichtgeschwindigkeit vermehren, geht es für die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung wirtschaftlich bergab", kritisiert Oxfam-Kampagnenleiter Jörn Kalinski. "Aber extreme Ungleichheit ist kein Naturgesetz. Sie ist die Folge einer verfehlten Politik – und diese Politik müssen wir im Jahr der Europawahl verändern."

Männer haben 50 Prozent mehr Vermögen als Frauen

Während sich die Zahl der Milliardäre und Milliardärinnen in den zehn Jahren seit der Finanzkrise "nahezu verdoppelt" habe, könnten sich immer weniger Menschen aus extremer Armut befreien, heißt es in der Untersuchung. Das Tempo, in dem die Armut zurückgehe, habe sich seit 2013 halbiert. In Teilen Afrikas nehme sie sogar wieder zu.

Besonders von sozialer Ungleichheit betroffen seien Frauen und Mädchen. Männer besäßen im Durchschnitt 50 Prozent mehr Vermögen als Frauen, deren Gehälter um 23 Prozent niedriger seien als jene der Männer. Pro Jahr leisteten Frauen Pflege- und Sorgearbeit im Wert von zehn Billionen Dollar, was etwa dem 38-fachen Jahresumsatz des VW-Konzerns entspreche.

Oxfam kritisiert zugleich, dass Regierungen weltweit Konzerne und Vermögende "mit dicken Steuergeschenken beglückt" hätten. Zwischen 1970 und 2013 seien die Spitzensteuersätze in reichen Ländern von 62 auf 38 Prozent gefallen. In einigen Ländern, darunter Großbritannien und Brasilien, würden die ärmsten zehn Prozent der Bevölkerung einen höheren Anteil ihres Einkommens für Steuern aufwenden als die reichsten zehn Prozent. (APA, 21.1.2019)

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